Das Papier ist 37 Seiten stark und gibt dem Fortbestehen von Schlecker wenig Chancen: Der Insolvenzverwalter des Unternehmens versucht, den Inhalt des PwC-Gutachtens zu relativieren.

Die Replik kam schnell und soll retten, was immer schwerer zu retten ist. "Aus dem Zusammenhang gerissen und so nicht korrekt" übertitelt die Pressestelle von Schlecker ihre Antwort auf die Ergebnisse eines Gutachtens der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC). Demnach sieht die Zukunft von Schlecker eher düster aus.

In einem 37-seitigen Gutachten für das Land Baden-Württemberg überprüfte PwC, wie hoch das Risiko sei, dass die Bundesländer im Falle einer Bürgschaft auf den Verbindlichkeiten für einen Kredit an die Schlecker-Transfergesellschaft sitzen bleiben. Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert das "Votum" von PwC in Auszügen.

"Trotz des seitens der vorläufigen Insolvenzverwaltung mehrfach bekundeten grundsätzlichen Investoreninteresses", heißt es dort, sei es "nicht gewährleistet, dass sich für die deutschen Schlecker-Aktivitäten während der Laufzeit der Massekreditverträge von sechs Monaten zeitnah ein zur Übernahme bereiter Investor findet".

Die Umsetzung des Fortführungskonzeptes der Insolvenzverwaltung ("Stand-alone-Szenario") erscheine "angesichts der notwendigen umfassenden Neuaufstellung der verbleibenden Unternehmensanteile und vor dem Hintergrund des auch zumindest im Zeitraum April bis Dezember 2012 geplanten defizitären Geschäftsbetriebs der Anton Schlecker e.K. und Schlecker XL GmbH als sehr herausfordernd".
 
Eine Rückführung der Massekredite aus Erträgen der Betriebsfortführung freier Masse sei daher "mit hohen Unsicherheiten behaftet", so die PwC-Experten.

"Die insgesamt zur Besicherung und Rückführung zur Verfügung stehenden Gesellschaftsanteile lassen rechnerisch einen Erlös von insgesamt 220,5 Millionen Euro erwarten", sagt PwC. "Vorsichtshalber sind hierauf jedoch nicht unerhebliche Abschläge zu berücksichtigen."
 
PwC rechnet jedoch mit einer "überwiegenden Wahrscheinlichkeit", dass es zu Verkaufserlösen von mindestens 70 Millionen Euro kommt. Damit wäre eine Massekreditrückführung möglich.

"Das nicht unerhebliche Risiko, welches mit der Garantieübernahme für den Massekredit verbunden ist, sollte unseres Erachtens insgesamt als noch vertretbar erachtet werden können", schreibt PwC.

Geiwitz beteuert: Es gibt Investoren

Unterm Strich bedeutet das nichts anderes: Das Unternehmen hat so gut wie keine Zukunft, doch im Falle einer Insolvenz blieben dank Verkaufserlösen wenigstens noch genung Geld, um die angstrebte Transfergesellschaft für die entlassenen Mitarbeiter zu finanzieren. Dafür benötigt der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz etwa 71 Millionen Euro.

Geiwitz versichert hingegen, die Investorensuche befinde sich "voll im Plan". Erste ernstzunehmende Angebote seien eingegangen.Die Sanierung laufe plangemäß. Wie stets kommuniziert sei dies anspruchsvoll Prozess und auch die "Stand-alone-Lösung" weiter machbar.

Man habe allerdings auch nie versprochen, das Darlehen von rund 71 Millionen Euro innerhalb der nächsten sechs Monate aus dem laufenden Cash-Flow zurück zu zahlen. Dies werde jedoch beispielsweise durch die Veräußerung werthaltiger Unternehmensteile möglich.

Baden-Württemberg entscheidet heute

Trotzdem hat das PwC-Gutachten schon für neue Unruhe gesorgt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) etwa fordert nun, alle bisherigen Überlegungen zur Zukunft der insolventen Drogeriekette Schlecker erneut zu prüfen.

Mehrere Bundesländer wollen an diesem Dienstag entscheiden, ob sie sich an einer Bürgschaft zur Absicherung einer Auffanglösung für die 11.000 vor der Entlassung stehenden Schlecker-Beschäftigten beteiligen.

Das letzte Wort über die Gründung der Transfergesellschaft fällt aber erst am Mittwoch. Dann will die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg beschließen, ob sie mit einer Bürgschaft von rund 70 Millionen Euro in Vorleistung geht und damit den Weg für die Transfergesellschaft ebnet, die über sechs Monate die betroffenen Schlecker-Mitarbeiter auffangen soll.