Arcandor-Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz erntete bissige Kommentare für ein Interview, in dem sie Verarmungsängste äußerte. Unterstützung erhielt sie aber vom Quelle-Betriebsrat.

Mit Hohn und Spott, bissigen Kommentaren, aber auch einem Hauch Verständnis hat die Republik auf die jüngst bekanntgewordenen Verarmungsängste der 65 Jahre alten fränkischen Millionärin reagiert.

Die fühlt sich inzwischen missverstanden, zeigt sich erschüttert über die öffentlichen Reaktionen auf ihr Interview mit der „Bild am Sonntag" und lehnt jede weitere Äußerung dazu ab, wie es am Dienstag in ihrem Umfeld hieß.

Umstrittene Äußerungen

„Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten", berichtete sie in dem Interview von ihren persönlichen Einschränkungen seit der Arcandor-Insolvenz.

Der Bayerische Rundfunk startete gar eine Sammelaktion für Madeleine Schickedanz und schwenkte in ihrem Heimatort Hersbruck vor laufender Kamera die Spendenbüchse.

Beim Nürnberger Obdachlosen-Magazin "Straßenkreuzer" lösten die Schickedanz-Äußerungen ratloses Kopfschütteln aus: „Als ich das gehört habe, musste ich erschrocken auflachen", berichtet Chefredakteurin Ilse Weiß.

Schützenhilfe vom Betriebsrat

Der Quelle-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel gibt sich hingegen zurückhaltend. „Ich weiß nur eins: Wenn sich Frau Schickedanz nicht im vergangenen Herbst finanziell engagiert hätte, hätte das Unternehmen den Winter nicht überstanden", sagte er.

Die Mitarbeiter scherten sich um die Äußerungen wenig: „Denen geht es jetzt darum, die Geschäftsprozesse aufrechtzuerhalten und die Quelle-Kunden zufriedenzustellen, damit es mit Quelle weitergeht", betonte der Arbeitnehmervertreter.