Nach dem Aus für Quelle rüstet sich die Bundesagentur für Arbeit für einen Ansturm von 4.000 Arbeitslosen. Psychologen sollen den Mitarbeitern helfen. Für die Region ist die Pleite eine Katastrophe.

Zum 1. November müsse eine Flut von Arbeitssuchenden aufgefangen werden, sagte der Chef der bayerischen Regionaldirektion, Rainer Bomba.

Nach Angaben der Bundesagentur handelt es sich um den größten Fall dieser Art in Deutschland seit Jahrzehnten. Die Behörde reagierte mit einem Notfallplan und bildete eine eigene "Task Force" mit bis zu 100 Mitarbeitern, die aus ganz Bayern nach Nürnberg geholt werden.

Psychologen helfen Quelle-Beschäftigten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwarte, dass die Bundesagentur für Arbeit prüft, wie den Beschäftigten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten geholfen werden könne, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. So könne es zum Beispiel Übergangsgesellschaften geben.

Nach Worten des Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sind vom Quelle-Zusammenbruch viele Familien existenziell bedroht. "Ehepaare arbeiten gemeinsam bei Quelle, oft auch die erwachsenen Kinder", schilderte Maly die Lage. "Ein Orkan ist über uns hinweggegangen", sagte der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD).

Das städtische Klinikum will bei Quelle eine psychologische Krisenambulanz einrichten. Jung sprach von "beispiellosem Entsetzen" in der Region.

Leipzig verliert einen der größten Arbeitgeber

Auch in Leipzig bangen die Quelle-Mitarbeiter. Der Betriebsratschef des dortigen Versandzentrums, Steffen Schmidt, befürchtet, dass es "den Standort Leipzig früher oder später nicht mehr geben wird". 800 Jobs stehen auf dem Spiel. Am 18. Mai 1995 wurde dieses Zentrum eröffnet. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hatte es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein.

Die Stadt Leipzig droht einen ihrer großen Arbeitgeber zu verlieren. Einst arbeiteten 1150 Menschen plus Saisonkräfte im Logistikzentrum. Heute sind es noch 800. 150 hatten aber schon vor wenigen Tagen ihre Entlassungen mitgeteilt bekommen. Der Abstieg kam schleichend - so wie der angeschlagene Handelskonzern Arcandor immer mehr ins Trudeln kam.

Zunächst versuchte man in Leipzig Kosten zu sparen. Die Immobilie wurde verkauft und zurückgemietet. Das war, als der damalige Karstadt- Quelle-Konzern 2005 einen harten Sanierungskurs verkündet hatte. Zwei Jahre später wurden 300 Stellen abgebaut, spezielle Arbeitszeitmodelle konstruiert. Die Auslastung des Zentrums, war von ehemals 130 bis 135 Millionen Paketen pro Jahr auf 82 Millionen Pakete gesunken.

Einbruch um fünfzig Prozent

Mit der Insolvenz von Arcandor und Quelle begann auch für Leipzig die große Zitterpartie. Das Geschäft brach um fünzig Prozent ein, wie der Leiter des Logistikzentrums, Winfried Lunz, damals sagte.

Nachdem ein Massekredit über 50 Millionen Euro der Quelle das vorläufige Überleben sicherte, schöpften die Leipziger Quelle-Mitarbeiter wieder Hoffnung. Doch die Kunden hielten dem angeschlagenen Traditionsunternehmen nicht die Treue. Am Montag kam das Aus für die Quelle.

"Marke Quelle könnte überleben"

Trotz allem könnte die Marke Quelle überleben. "Ich denke, jemand wird sich den Namen sichern", sagte der Hamburger Markenexperte Klaus Brandmeyer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Dies könnte etwa ein Handelsunternehmen aus dem Ausland sein, das auf dem deutschsprachigen Markt einsteigen will.