Detlef Stechert will alle Quelle-Shops- und Bestellannahmen retten - seine Strategie erläuterte er derhandel.de. Doch auch für das Versandhaus gibt es angeblich neue Hoffnung.

Unmittelbar vor der Abwicklung des Versandhändlers Quelle gibt es nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" für den Kern des Deutschlandsgeschäfts überraschend neue Hoffnung.

Nach den Informationen haben zwei Investorengruppen dem Quelle-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Konzepte vorgelegt, mit denen sie das Versandhaus weiterführen wollen - wenn auch in deutlich abgespeckter Form.

400 Beschäftigte sollen übernommen werden

Wie die Zeitung unter Berufung auf "mit dem Vorgang vertrauten Kreisen" berichtet, wollen die möglichen Käufer Quelle mit den Sortimenten Möbel, Küchen, Haus- und Heimtextilien sowie Küchengeräte weiterführen. Die Ware soll wie bisher über Katalogversand, Internet und eigene Läden vertrieben werden. Dem Vernehmen nach sehe das Konzept der Investoren vor, allein im Raum Nürnberg/Fürth 400 Quelle- Beschäftigte zu übernehmen.

Der Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Roland Fleck, bestätigte laut Zeitung ein entsprechendes Investoren-Angebot und stufte es als erfolgsversprechend ein. Fleck appellierte an den Insolvenzverwalter, diesem Vorhaben eine faire Chance zu geben.

Quelle-Shops als Einkaufsverbund

Auch für die Beschäftigten in den hunderten Quelle-Shops gibt es Hoffnung. Der Interessenverband der Quelle-Shop-Inhaber bemüht sich um einen Fortbestand der Läden in Eigenregie.

"Wir haben seit sechs Monaten auf diesen Tag hingearbeitet, weil wir das Ende von Quelle vorausgesehen hatten", sagte Detlef Stechert im Gespräch mit derhandel.de. Stechert hatte 1994 den Verband gegründet, der Sitz der Organisation ist in Hahnstätten (Hessen).

Seine Strategie: Die Betreiber der rund 1.500 Quelle-Shops sowie die der etwa genauso vielen Bestellannahmen sollen sich unter einem neuen Namen zu einer einheitlich auftretenden Einkaufsgemeinschaft zusammenschließen.

Start soll noch im Herbst sein

Stechert sagt, er habe alle Shops angeschrieben, von 800 Betreibern seien positive Antworten gekommen. Der Antrag auf den Eintrag des neuen Namens im Handelsregister Düsseldorf sei gestellt worden. Die neue Kette solle noch im Herbst ihren Betrieb aufnehmen. "Wir hoffen, dass der Druck der Medien hier behilflich sein kann", sagt der Unternehmer. Derzeit habe er einen 18-Stunden-Arbeitstag.

Das Sortiment der neuen Shop-Kette soll dem des bisherigen Quelle-Katalogs entsprechen. Aus rechtlichen Gründen würden dabei jedoch die Eigenmarken des Unternehmens (Privileg) nicht berücksichtigt. "Wir haben mit Lieferanten Verträge geschlossen, die in der Lage sind, die Shops kurzfristig mit Ware zu beliefern." Stechert sagt, dass die neue Kette wie ein Discounter arbeiten soll: "Wie Aldi. Nur, dass wir schwerpunktmäßig Non-Food-Artikel anbieten."

Keine Gespräche mit dem Insolvenzverwalter

Sein Verband habe dem Insolvenzverwalter Görg auch Angebote für die Übernahme der Quelle-Technikcenter gemacht - "aber das war nicht fruchtbar."

Vielmehr habe er weder mit Görg noch mit der Quelle-Führung in den vergangenen Tagen kein Wort gesprochen, sagt Stechert. "Alle Quelle-Shops sind seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens vertragslos." Deswegen gebe es für das Unternehmen keine Verpflichtung, sich mit den Shops zu befassen.

"Das sind alles Unternehmer mit Angestellten. Außerdem müssen für die Läden weiterhin Mieten bezahlt werden. Den Leuten steht das Wasser bis zum Hals", klagt Stechert, der betont, dass er seinen Rettungsversuch ehrenamtlich unternimmt: "Wir sind ein eingetragener Verein und dürfen gar keine Gewinne erzielen."

"Die Chancen sind groß"

Stechert glaubt, dass jeder der 1.500 Quelle-Shops überleben kann: "Die Chance sind groß." Der Verbandsvorsitzende betont aber, dass die jeweiligen Betreiber ab sofort in kaufmännischer Eigenverantwortung arbeiten müssen. "Bisher wurden die Shops ja von Quelle gelenkt."

Stechert war noch vor einiger Zeit in Hessen selber Betreiber von vier Quelle-Shops, derzeit arbeitet der 61-Jährige in einem Spielwarengeschäft in Hahnstätten.

Steffen Gerth mit Material von dpa