Das Überleben von Quelle wird immer unwahrscheinlicher. Laut einem Pressebericht steht Primondo vor der Zerschlagung. Der Insolvenzverwalter dementiert jedoch.

Für den Versandhändler Quelle gibt es kaum noch Hoffnung auf ein Weiterbestehen. Da Kaufinteressenten vor dem defizitären Versandhändler zurückschrecken, habe Insolvenzverwalter Jörg Nerlich vor wenigen Tagen auch Angebote für die anderen Geschäftsbereiche von Primondo zugelassen, erfuhr die "Financial Times Deutschland" (FTD) von mehreren Verhandlungsteilnehmern. Mit dem Satz "Wir glauben nicht mehr an einen Gesamtverkauf", sollen sich mehrere Teilnehmer gegenüber dem Blatt geäußert haben.

Ein Sprecher Nerlichs dementierte hingegen, dass der Insolvenzverwalter die Einzelverwertung gestartet habe: "Wir haben weiter vier Interessenten im Prozess für den Gesamtverkauf." Am Dienstag kamen jedoch Spekulationen auf, dass der Stellenabbau bei Primondo-Quelle heftiger ausfallen würde, als gedacht.

Verkaufsentscheidung noch im Oktober

Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor, sagte heute, dass die Entscheidung über den Verkauf des Fürther Versandhändlers in den nächsten beiden Wochen fallen soll. "Dies gilt sowohl für Quelle Deutschland als auch die Quelle- Gesellschaften in den Wachstumsmärkten Mittel- und Osteuropas", teilte Görg am Donnerstag in Essen mit. Derzeit seien noch vier Bieter im Rennen.

"Kein einziger der ernsthaft interessierten Investoren hat sich bislang offiziell aus dem Prozess zurückgezogen", erläuterte der für den Versandhandel beauftragte Insolvenzrechtler Jörg Nerlich. Die Kunden stünden weiter zu Quelle; die Resonanz auf den neuen Testkatalog sei sehr positiv.

Finanzierung bis zum Jahresende

Hinter der Zukunft des Universalversenders Quelle stehen schon seit dem Insolvenzantrag von Primondo und dessen Mutter Arcandor im Juni große Fragezeichen. Im September einigte sich Nerlich mit den Banken, Quelle zumindest bis zum Jahresende weiter zu finanzieren.

Quelle machte 2007/2008 zwei Drittel des Primondo-Umsatzes von 4,3 Milliarden Euro und gilt als hoch defizitär. Für andere Primondo-Töchter, wie die Spezialversender oder den Shopping-TV-Kanal HSE 24, hatten sich dagegen sofort Interessenten gemeldet.

Hoffnung auf amerikanischen Investor haben sich zerschlagen

Laut FTD-Informationen aus Finanzkreisen setzte Nerlich große Hoffnung auf die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft TPG, die einen Kauf des gesamten Primondo-Konzerns geprüft hatte. TPG hat in der Vergangenheit bereits mehrfach in Einzelhändler investiert und den Kreisen zufolge eng mit Primondo-Chef Marc Sommer zusammengearbeitet.

Die Amerikaner kamen jedoch zu dem Schluss, dass sich ein Gesamtkauf nicht rechne - und schieden zwischenzeitlich sogar aus dem Prozess aus. Nun sollen sie sich nur noch für Teile interessieren. Auch der US-Investor Golden Gate prüfte einen Gesamterwerb, kapriziert sich nun aber vor allem auf die Spezialversender. Die US-Firma Cerberus will nach FTD-Informationen ganz aussteigen.