Am Montag soll der Quelle-Ausverkauf beginnen. Doch die Post weigert sich, Waren auszuliefern, weil sie auf Geld vom Versender wartet - und die Banken stellen keine Mittel mehr zur Verfügung.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" haben die Banken, die das laufende Geschäfte von Quelle betreut haben, ihre Engagements beendet. Das betrifft die Valovis-Bank, die Commerzbank und die Landesbank BayernLB.

"Mit der Bekanntgabe der Liquidation von Quelle am Abend des 19. Oktober war für uns Schluss", zititert die Zeitung Valovis-Vorstand Robert Gartgen.

"Kritische Liquiditätssituation"

Der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) liegt ein Schreiben vor, das Quelle, beziehungsweise Insolvenzverwalter Klaus Huberg Görg, an mehrere Lieferanten gerichtet hatte. In dem Brief heißt es, dass die Finanzierung der drei Banken über das Factoring-Modell "für die Finanzierung des laufenden Geschäfts existenziell" sei.

Durch den Rückzug der Kredithäuser werde das insolvente Versandhaus "absehbar in eine kritische Liquiditätssituation geraten". Beim Factoring werden die Kundenforderungen von einem Factoringgeber vorfinanziert, wodurch das Unternehmen schneller an Liquidität kommt.

Laut SZ prüft nun Görg, ob es notwendig sei, beim Insolvenzgericht Antrag auf Masseunzulänglichkeit zu stellen. Es müsse ebenfalls geprüft werden, "ob die laufenden Bestellungen bezahlt werden können", so Görgs Sprecher Thomas Schulz.

DHL liefert nicht aus

Die ersten Folgen des drohenen Finanzdesasters von Quelle sind seit heute zu spüren. Die Post-Logistiksparte DHL hat den Versand von Waren des Versandhändlers vorerst gestoppt. Das berichtet die Nürnberg-Ausgabe der Tageszeitung "Bild".

Demnach wartet DHL auf eine ausstehende Zahlungsanweisung von Insolvenzverwalter Görg. Tausende Pakete sollen sich daher im Retourenlager in Fürth stapeln. "Es laufen Gespräche mit DHL - 18 Millionen Warengüter verschicken sich ja nicht von alleine", zitiert die Zeitung Görgs Sprecher Schulz.

Für Quelle wäre ein Auslieferstopp verheerend: Anfang kommender Woche soll der Ausverkauf bei Quelle mit rund 18 Millionen Waren beginnen. Als maßgeblicher Vertriebskanal ist das Internet vorgesehen.

Für 2.000 Mitarbeiter ist heute Schluss

Nach Gesprächen mit der Quelle-Insolvenzverwaltung hatte Verdi-Handelsexperte Johann Rösch schon zur Wochenmitte geklagt, dass unklar sei, ob DHL bereit sei, die Ware, die noch in den Lagern liege, auch weiter auszuliefern. Dies hänge davon ab, ob die Rechnungen beglichen werden könnten. "Die Unsicherheit lässt die Menschen bei Quelle verzweifeln", sagte Rösch.

Knapp 6.000 Mitarbeiter sollten nach den Vorstellungen von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bei Quelle vorerst weiterbeschäftigt werden, um den Ausverkauf des Versandunternehmens abzuwickeln. Für mehr als 2.000 Quelle-Beschäftigte ist heute (Freitag) der letzte Arbeitstag.