Vier Wochen vor Start des regulären Sommerschlussverkaufs lockt der Einzelhandel mit reduzierten Preisen. Vor allem bei Textilien gibt es schon deutliche Nachlässe - was aber nicht jedem gefällt.

"Summersale!" "Saisonware bis zu 50 Prozent reduziert". Gut vier Wochen vor dem regulären Schlussverkauf Ende Juli locken Deutschlands Modeläden, Kaufhäuser und Sportgeschäfte mit zum Teil schon saftigen Rabatten. Der Rotstift wird vor allem bei Textilien angesetzt. Die Händler machen vorzeitig Platz für neue Ware.

Kurz vor Beginn der Schulferien in einigen Bundesländern bieten beispielsweise die zum Metro-Konzern gehörenden Kaufhof-Warenhäuser reduzierte Schuhe, Sommertextilien, Unterwäsche und Koffer an.

Preisnachlässe gibt es aber auch bei Kochtöpfen, Geschirr, Badehandtüchern und Bettwäsche. Karstadt lockt zudem mit günstigen Matratzen und herabgesetzter Damen- und Bademode.

"Der Handel soll sich zurückhalten"

"Der eine oder andere versucht jetzt schon, seine Lager zu räumen", betont der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels, Jürgen Dax. Im Schnitt werden Rabatte von 20 Prozent gewährt. Vereinzelt gibt es auch Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent. "Das sind aber eher noch die Ausnahmen. Wir predigen dem Handel ohnehin, dass er sich am Anfang noch zurückhalten soll, damit er Spielraum hat, später noch was draufzulegen", betont Dax.

Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf zeigen sich die rund 28.000 Textilhändler ganz zufrieden. So rechnet die Branche für das 1. Halbjahr mit einem Umsatzplus von 3 bis 4 Prozentpunkten. "Die Verbraucher zeigen sich von der Seifenoper im Berliner Reichstag offenbar recht unbeeindruckt", freut sich Dax. Im Krisenjahr 2009 stagnierten die Umsätze noch. Impulse erwarten die Unternehmen jetzt auch von der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.

"Der Winter war sehr lang, deshalb muss die Sommerware diesmal schneller verkauft werden", betont Kai Falk, Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE. Er berichtet von Preisnachlässen bis zu 80 Prozent. Das Wetter mit sehr viel Regen und kühlen Temperaturen im Süden und Westen spiele dabei auch eine Rolle.

Verbraucher trotz Spardiskussion in bester Kauflaune

Der vom HDE koordinierte Sommerschlussverkauf startet erst am 26. Juli. Der Verband erwartet, dass sich an dieser freiwilligen Aktion gut drei Viertel der rund 400.000 Einzelhändler beteiligen.

Insgesamt rechnet die Branche mit ihren knapp 2,9 Millionen Beschäftigten für das erste Halbjahr mit gleichbleibenden Umsätzen. Auch die WM werde das nicht rausreißen können. Genaue Zahlen will der HDE in wenigen Tagen bekanntgeben. "Die Spardiskussion hat die Verbraucher noch nicht verunsichert", sagt Falk. Wichtig sei nun aber, ihr Vertrauen zu halten oder gar zu stärken.

Auch die Debatte um das Sparpaket der Bundesregierung hat die Kauflaune der Verbraucher noch nicht verhagelt, haben die Konsumforscher der Nürnberger GfK festgestellt. Viele Haushalte hätten im Juni beim Konsum sogar zugelegt. Und für den kommenden Monat zeichne sich ein ähnlich gutes Stimmungsbild ab, ermittelte die GfK dieser Tage.

Maren Martell, dpa