Vor rund zehn Jahren ist Walter Deuss als Karstadt-Chef zurückgetreten. Heute meldet er sich mit einer finanziellen Forderung. Und ein anderer ehemaliger Chef verlangt noch mehr.

Was die Wirtschaft von der Qualität eines Spitzenmanagers hält, teilt zuweilen auch die Börse mit. Als Walter Deuss im September 2000 seinen Posten als Vorstandsvorsitzender von Karstadt räumte, schoss der Kurs der Karstadt-Aktie innerhalb weniger Minuten um zehn Prozent in die Höhe.

Im Warenhauskonzern selbst war man über den Abgang des einstigen "Mr. Karstadt" nicht traurig. Von einer Abschiedsfeier für den langjährigen Chef ist nichts bekannt geworden.

"Ich habe Ansprüche angemeldet"

Gut zehn Jahre später gibt es wieder etwas Neues von Deuss. Er und Christoph Achenbach, der zwischen 2004 und 2005 für zehn Monate Chef von KarstadtQuelle war, wollen Geld von ihrem früheren Arbeitgeber.

Nach Informationen der Zeitung "Rheinische Post" reklamiert Deuss rund 30.000 Euro beim Essener Amtsgericht, wo der Arcandor-Konzern, als Mutter von Karstadt, Insolvenz angemeldet hat.

Achenbach möchte mehr: Es geht um 1,5 Millionen Euro Rentenansprüche. "Es ist richtig, dass ich meine betrieblichen Rentenansprüche gegenüber dem Pensions-Sicherungsverein und dem Insolvenzverwalter angemeldet habe", sagte der frühere Spitzenmanager der "Bild am Sonntag".

Maximal 7.000 Euro monatlich

"Der Pensions-Sicherungsverein (PSVaG) ist eine Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft zum Schutz der betrieblichen Altersversorgung bei der Insolvenz des Arbeitgebers", teilt die Einrichtung auf ihrer Internetseite mit. "Wir sichern betriebliche Altersversorgung in Form von Direktzusagen, Unterstützungskassen und Pensionsfonds sowie in bestimmten Fällen der Direktversicherung."

Allerdings kommt der Verein nur für eine Rente von maximal 7.000 Euro im Monat auf. Sind die Ansprüche eines Managers höher, muss er versuchen, sich aus der Insolvenzmasse des betreffenden Unternehmens bedienen.

Vermieter und Mitarbeiter verzichten

Achenbach unternimmt nun diesen Versuch - und ist damit einer von rund 40.000 Karstadt-Gläubigern, die auch aus Lieferanten, Vermieter und Handwerkern bestehen.

Als Achenbach im April 2004 das schon angeschlagene Karstadt-Schiff übernahm, hatte er als Sanierungsbeitrag einen fünf- bis zehnprozentigen Gehaltsverzicht der Top-Manager vorgeschlagen. Im Mai 2005 trat Achenbach dann zurück.

Mittlerweile haben bei Karstadt die Mitarbeiter beschlossen, auf rund 150 Millionen Euro zu verzichten, um ihr Unternehmen zu retten.  Der Hauptvermieter Highstreet hat zugesagt, auf zustehende Mietforderungen in Höhe von 1,28 Milliarden Euro drei Jahre länger zu warten.

Die lange Reihe der Gläubiger

Die früheren Bosse wollen Millionen - und auf der anderen Seiten kämpfen kleine Gläubiger von Arcandor um ihr Recht. Wer wissen will, wie sie im echten Leben zurechtkommen, kann sich beispielsweise bei Betreibern von ehemaligen Quelle-Shops umsehen.

Sigrid Jacobus aus Winsen (Aller) ist eine davon. Ihr stehen eigentlich 900 Euro zu, wie Anfang des Jahres ihre Schlussabrechnung mit dem insolventen Versandhaus in Fürth ergab. "Aber soll ich mich jetzt auch in die lange Reihe der Gläubiger stellen?", fragt sie.

Die niedersächsische Händlerin hat das Geld abgeschrieben und betreibt seit 1. März einen Shop der Textilkette Adler. Das Unternehmen ist durch die Berichterstattung von Der Handel auf Jacobus aufmerksam geworden.

Bitte nur mit Dienstwagen

Die Absurdität des Karstadt-Geldkreislaufes beschreibt nicht nur die Alimentierung des früheren Vorstandschefs Thomas Middelhoff durch die Bank Sal. Oppenheimer. Für Walter Deuss erfand die "Bild"-Zeitung den Titel "Raffke-Boss". Als Chef von Karstadt ist von ihm kein nennenswerter Beitrag für den erfolgreichen Fortbestand des Warenhauses bekannt.

Umso eifriger kümmerte sich Deuss um seinen persönlichen Vorteil: Er hatte erstritten, dass ihm nach seinem Ausstieg bei Karstadt weiterhin ein Dienstwagen zusteht. Aber ein 7er BMW war Deuss bald nicht mehr gut genug, er hatte sich 2006 einen teueren Audi A 8 bestellt.

Diese Order fiel ausgerechnet in die Zeit, als Deuss gegen Karstadt klagte, weil das Warenhaus wegen des neuen Sparkurses nicht mehr die Überstunden seines Chauffeurs zahlen wollte. Deuss hatte bei seinem Weggang erstritten, dass ihm Karstadt bis Lebensende auch einen Fahrer stellen müsse.

Den Überstunden-Prozess hat Deuss im Februar 2006 gewonnen.