Re-Marketing kann im Sinne vom ROI ein ordentliches Performance-Plus bringen. Webseitenbesucher, die vor dem Abschluss einer Conversion die Seite verlassen, können mit Re-Marketing wieder zurück geholt werden. Auch können ehemalige Kunden wieder aktiviert werden. Das kann besonders dann vom Vorteil sein, wenn man (aus welchem Grund auch immer) auf die Email-Adresse nicht zurückgreifen kann.

Um jetzt noch mehr aus dem schon sehr effektiven Re-Marketing zu holen, kommt Google-Analytics zum Einsatz.

Interessant dabei ist, dass erstaunlich wenig Webseiten die Funktionen von Analytics in Kombination mit Adwords für das eigene Re-Marketing nutzen. Dabei lässt sich so aus ordentlichen Kampagnen noch deutlich mehr Saft herausholen, erklärt Adwords-Experte Carlo Siebert in einem Gastbeitrag für etailment.

Bevor allerdings mit Re-Marketing gestartet wird, müssen zwei Voraussetzungen geschaffen werden: Die technische Einrichtung und die rechtliche Voraussetzung.

1. Die technische Einrichtung

Bevor gestartet werden kann, muss der Re-Marketing-Code auf die Webseite eingebunden werden. Dazu wird diesmal nicht der Re-Marketing-Code aus Adwords  genommen, sondern es wird der (hoffentlich) vorhandene Analytics-Code erweitert:

ga('require', 'displayfeatures');

So sieht das dann in der Regel im Quellcode aus:

Weiterhin müssen Analytics und Adwords korrekt verknüpft werden. Zum einen in Analytics:

Verwalten -> Verknüpfungen mit Produkten -> AdWords-Verknüpfung

und dann natürlich in Adwords selbst:

Einstellungen -> Verknüpfte Konten -> Google Analytics

Wer das dynamische Remarketing nutzen will (was besonders Shopbetreiber interessieren sollte)

2. Die rechtliche Voraussetzung

Dieses Thema sollte in Deutschland (Österreich und Schweiz natürlich auch) wirklich ernst genommen werden. Eine Abmahnung ist immer ärgerlich, aber besonders Startups kann das ein großes Loch in die Kasse brennen.

Daher sollte auf jeden Fall auf der Datenschutz-Seite der Webseite ein entsprechender Hinweis gegeben werden. Wie genau das im besten Fall aussieht, ist leider nicht immer ganz klar und sollte im Zweifelsfall vorher eindeutig mit einem Anwalt geklärt werden. Google hält hier eine entsprechende Support-Seite bereit.

Was ist überhaupt der Vorteil bei Re-Marketing mit Analytics?

Es ist die Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten.

Adwords gibt nur wenig Möglichkeiten und wenn dann bezieht es sich nur auf eine Handlung auf einer bestimmten URL. Zum Beispiel ein Besucher, der zwar auf der Checkout-URL war, aber nicht auf der Success-URL. Die Schlussfolgerung für diese Kombination wäre, dass der Besucher bereits ein Kaufinteresse hatte, aber dennoch den Kauf nicht abgeschlossen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass er den Kaufprozess abschließt, sobald er wieder auf die Webseite kommt, ist also hoch.

Weitere Möglichkeiten sind die Verwendung von Custom-Tags oder eines speziellen Datums (Beispielsweise, wenn eine Rabattaktion am Wochenende lief).

Gegenüber diesen Möglichkeiten hält Analytics einiges mehr in der Hand. So kann eine Remarketing-Liste nach der Besucher-Quelle erstellt werden oder dem Verhalten auf der Webseite (Besuchszeit) oder eine Kombination dieser beiden und weiteren Segmentierungsmöglichkeiten. So kann eine Schnittmenge aus mehreren Eigenschaften erstellt werden und das Remarketing kann punktgenau eingesetzt werden.

Um den Einstieg in die Welt des Remarketings nicht sehr schwer zu gestalten, gibt es folgende Remarketing-Listen, die auf jeden Fall einen Versuch wert sind.

3. Ideen für Re-Marketing-Listen

Neben den sehr klassischen Re-Marketing-Listen (User war im Checkout, hat aber nicht gekauft; User war auf der Produktseite, hat aber nicht gekauft usw.) werden jetzt drei Beispiele vorgestellt, wie man das gewisse Extra aus seinen Marketing-Anstrengungen holen kann. Dabei gilt es noch Folgendes zu beachten: Wenn eine Liste aus nur sehr wenigen Personen besteht, kann es unter Umständen passieren, dass diese Liste zu klein für Adwords ist. Diese wird dann nicht ausgespielt.

Doch bevor eine Liste erstellt wird, ist es wichtig, dass man weiß wo dies überhaupt passiert:

Verwalten -> Property -> Remarketing -> Zielgruppen -> Neue Zielgruppe

#1: Besondere Aktionen für gewisse Standorte

Interessant ist es, wenn man raus gefunden hat, woher die profitablen Kunden kommen. So wird in einer Auswertung schnell klar, welcher Ort in einem Land viele Kunden mit geringen Kosten/Conversion beinhaltet. Oder wenn zusätzlich zur Webseite ein Geschäft existiert und bestehende Kunden in das Geschäft gelockt werden sollen.

Mit einer Re-Marketing-Liste können diese Personen daran erinnert werden, dass sie doch das Ladengeschäft besuchen können, weil da aktuell eine Rabatt-Aktion stattfindet. Auch können so unretable Orte ausgeschlossen werden und bei den profitabelsten Orten das Gebot bewusst erhöht werden.

#2. Time on Site höher als Convertion

Diese Liste konzentriert sich auf Besucher einer Webseite, die wahrscheinlich hohes Interesse gehabt haben, aber dennoch nicht zum Abschluss gekommen sind.

Ein Beispiel: Ein Versicherungsunternehmen stellt fest, dass für den Abschluss einer Versicherung im Durchschnitt 10 Minuten auf der Webseite verbracht wird. Nun sollen alle Besucher angesprochen werden, die länger als 10 Minuten auf der Webseite waren, aber keinen Abschluss durchgeführt haben.

#3. Ehemalige Käufer reaktivieren

Diese Liste ist dazu da, dass ehemalige Käufer wieder zurück zur Seite geholt werden. Dabei werden aber nicht alle Käufer in eine Liste gesteckt, sondern es soll ganz bewusst nach dem Kaufverhalten ausgewählt werden.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Es handelt sich um einen Shop für Smartphones und Tablets. Jeder Kunde, der sich nur ein Tablet / Smartphone gekauft hat, soll mit Re-Marketing dazu gebracht werden auch passende Accessoires zu kaufen. Dazu wird die Liste dementsprechend erstellt und als Zielseite die Kategorie mit den Accessoires ausgewählt.

Das wars schon?

Nein, es gibt natürlich noch etliche Möglichkeiten. Durch die Kombination verschiedener Segmente sollte genügend Potential vorhanden sein. Wer jetzt allerdings Probleme mit den dahinterstehenden Ideen hat, der kann auch zum Start einfach in die Analytics-Galerie schauen. Diese bietet schon einige Ideen und fertige "Rezepte" an.

Diese Galerie ist auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich und findet sich hier:

Generell lässt sich sagen, dass es keine Grenzen bei der Erstellung dieser Listen gibt und hier viel Platz für Experimente ist.