Der Kauf auf Rechnung ist bei Onlinekunden beliebt, für Webshops ­jedoch ein großes Risiko. Zahlreiche Dienstleister versprechen sicher und günstige Lösungen, einige bieten inzwischen auch Ratenkäufe an.

Die Kunden wollen es, doch Onlinehändler tun sich oftmals schwer mit dem Kauf auf Rechnung. Mit 48 Prozent ist der Rechnungskauf in Webshops die meist genutzte Zahlungsoption - so sie denn angeboten wird.

Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle E-Payment-Barometer, eine Umfrage unter Onlinehändlern, die vom Regensburger Forschungsinstitut ibi research in regelmäßigen Abständen gemeinsam mit Mastercard und Der Handel durchgeführt wird.

Für Händler ist das Ausliefern der Ware gegen Rechnung freilich ein Glücksspiel - es sei denn er zieht Sicherheitsmechanismen wie Adressen- und Bonitäts­checks ein. Da dies eine Wissenschaft für sich ist, gibt es zahlreiche Dienstleister, die sich auf dieses Risikomanagement spezialisiert haben. Der noch junge Markt steht vor einem Boom, meinen Experten. Wir stellen die wichtigsten Dienstleister für Rechnungskäufe im Netz vor.

Aus dem hohen Norden: Klarna

Das schwedische Unternehmen Klarna wurde 2005 gegründet und ist seit 2010 auch in Deutschland vertreten. Klarna bietet seine rechnungsbasierten Zahlungslösungen für Internethändler mittlerweile in sechs Ländern an.

Hierzulande offerieren die Schweden sowohl den Rechnungs- als auch Ratenkauf. Europaweit vertrauen nach ­Unternehmensangaben aktuell 10.000 Händler auf die Dienstleistungen von Klarna. In Deutschland wird mit den Auskunfteien Schufa, Bürgel, Creditreform und Infoscore zusammengearbeitet.

Im vergangenen Jahr wickelte der Dienstleister eigenen Angaben zufolge knapp neun Millionen Transaktionen mit einem Umsatz von 620 Millionen Euro ab. Im ersten Quartal 2011 waren es bereits drei Millionen Transaktionen. Der Händler zahlt bei Klarna eine Transaktionsgebühr, die sich aus einem Fixbetrag und einem prozentualen Anteil zusammensetzt. Außerdem wird eine monatliche Pauschale in Höhe von 29,95 Euro fällig, unabhängig von der Anzahl der Transaktionen.

"Zu individuell": Billsafe

Das Unternehmen Billsafe wurde 2006 gegründet und ist seit 2009 im Markt aktiv. Im vergangenen Jahr sorgte die Beteiligung der eBay-Tochter PayPal an Billsafe für Schlagzeilen.

Angaben zur Kundenzahl, Transaktions- und Umsatzvolumen verweigert das Unternehmen mit Hinweis auf den Minderheitsgesellschafter, der solche Zahlen generell nicht kommuniziere. Die Disagien und Kosten für Händler seien zu individuell, um aussagekräftige Angaben zu publizieren, heißt es von Billsafe.

Expansiv: Billpay

Hinter Billpay stehen namhafte Internetinvestoren wie ­RocketInternet (Samwer-Brüder) und Holtzbrinck Ventures. Das Unternehmen kooperiert zudem mit Payment-Service-Providern wie Computop, Saferpay oder Ogone.

Seit März 2010 ist das 2009 gegründete Unternehmen ­aktiv und betreut derzeit nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Partner-Shops. Die Disagiohöhe orientiert sich am Risikoprofil des Shops, erläutert Geschäftsführer Thies Rixen im Gespräch mit Der Handel. Das Unternehmen ­bereite zurzeit die Expansion nach Österreich und in die Schweiz vor.

Retouren ausgenommen: Paymorrow

Die Paymorrow GmbH wurde im Juni 2008 gegründet. Derzeit zählen rund 1.700 Onlinehändler zu den ­Kunden. Angaben zur Transaktions- und Umsatzvolumen macht das ­Unternehmen nicht.

Je nach Shopportfolio zahlt der Händler an Paymorrow eine Prämie zwischen 5 und 7 Prozent der Rechungssumme für den gesamten Service. Zudem zahlt er die Prämie nur auf die tatsächlich ­realisierten Umsätze, Retouren sind also ausgenommen.

Im Testbetrieb: Ratepay

Mit Spannung erwartet die Branche den Markteintritt von Ratepay. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet, befindet sich aber noch immer "im Testbetrieb mit einigen Kunden", wie Geschäftsführerin Miriam Wohlfarth erläutert.

Die Otto Group findete das angestrebte Geschäftsmodell, Rechnungs- und Ratenkauf für Onlineshops anzubieten, jedoch offenbar so interessant, dass sie sich mit ihrem Tochterunternehmen EOS, dem Zahlungsspezialisten der Hamburger, mit 51 Prozent an Ratepay beteiligte - man darf also gespannt sein.

Die weiteren Anbieter

Zu nennen wäre auch noch die ­Regionalgesellschaften der Crefo ­Factoring, einem Unternehmen der Creditreform, die ebenfalls Rechnungskäufe für Internethändler an­bieten sowie das Inkassounternehmen Domnowski, das zum Beispiel Yatego ­ zu seinen Kunden zählt.

Eher für Großkunden tätig war bislang die Arvarto-Tochter BFS finance, die sich mit ihrem Produkt "Trust'n pay" nun auch mittelständischen Onlinehändler widmen will.

Wie aus der Branche zu hören ist, will auch die Payment Network AG, Betreiber des Zahlungsdienstes sofortüberweisung.de, schon bald eine Lösung für Rechnungskäufe anbieten. Der Kauf auf Rechnung liegt derzeit also im Trend, der Markt ist munter in Bewegung.

Hanno Bender

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 1/2011 von Online Handel. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier.