Kiosk-Filialen, Presse- und Tabakfachverkaufsstellen, Convenience-Stores, Bahnhofsbuchhandlungen: Der Schweizer Handels- und Foodkonzern Valora wird digital. Das Mitglied der Konzernleitung Thomas Eisele erläutert, wie Valora den Ansprüchen moderner Kunden gerecht werden will.


Wie stellen Sie sich als Konsument den idealen Einkauf vor?
Convenient, das bedeutet für mich vor allem praktisch. Je nach Bedürfnis wie Durst, Hunger, Halsweh, ich muss ein Hemd glätten, brauche ein Ticket oder ein Geschenk, muss ich als Konsument schnell und bequem einkaufen können. Viele sagen, sie hätten gerne Auswahl, aber ich habe gerne ein Konzept, das mir die Entscheidung abnimmt. Wenn beim Händler zum Beispiel zum Valentinstag schon ein passendes Geschenk für meine Frau bereitliegt, weil ich ihn mal wieder vergessen habe.

Wie zahlen Sie?
Ich habe im Prinzip kein Bargeld mehr, nur noch hier in Deutschland, weil Sie vom Taxifahrer schief angeschaut werden, wenn Sie mit Karte zahlen wollen. Ich finde das kontaktlose Bezahlen angenehm und hygienisch, man muss kein Gerät mehr anfassen. Deutschland ist noch ein Bargeldland, aber das wird sich ändern. Allein, weil die jungen Konsumenten nicht mehr so an Münzen und Scheinen hängen.
Brezelbäckerei Ditsch hat 220 Verkaufsstellen in Deutschland
© Valora
Brezelbäckerei Ditsch hat 220 Verkaufsstellen in Deutschland
Wie weit sind die Valora-Verkaufsstellen dabei technisch?
Wir haben beispielsweise im vergangenen Jahr die Ditsch-Filialen mit EFT-Terminals ausgestattet, bei denen Kunden kontaktlos bezahlen können und wollen bald die Papierposter durch digitale Bildschirme austauschen. Wir wollen damit neue Inhalte generieren, tagesbasiert und zeitgesteuert. Ich muss morgens nicht den Pizzasnack bewerben und nachmittags kein Frühstücksangebot. Wenn es mehr als 30 Grad warm ist, ist die Brezel auch nicht der Verkaufsschlager, da bewerbe ich zentral in allen Filialen kühle Getränke. Wir wollen Kaufimpulse schaffen.
Valora-Marken
© Valora
Valora-Marken
Und im Hintergrund?
Da ist für uns das Thema Analytics wichtig. Wir haben quer durch die Konzepte so viele anonymisierte Kundendaten, weil jeder Käufer mit dem Kassenbon einen digitalen Fußabdruck hinterlässt. Ich weiß zum Beispiel bei den Kiosken, was ein Marlboro Rot-Kunde typischerweise dazu kauft.
Was denn?
Das sage ich Ihnen nicht, die Konkurrenz liest mit.

Wie setzen Sie Ihr Wissen denn gewinnbringend ein?
Wir können dem Zigaretten-Kunden zum Beispiel noch an der Kasse einen Zusatzartikel offerieren. Oder je nach Standort unserer Filiale etwa im Einkaufszentrum oder der Innenstadt sowie Wochentagen Kundengruppen identifizieren, nach denen wir unsere Sortimente entsprechend ausrichten. In fünf Brezelkönig-Filialen haben wir beispielsweise Sensoren, an denen wir die Schlangenbildung messen. Wie lange die Kunden anstehen und wie lange es dauert, bis sie bedient werden.

So wissen wir ganz genau, wie schnell eine Transaktion ist. So prüfen wir regelmäßig, ob sich die Bedienzeit verlangsamt hat und wenn ja, warum: Gab es Wechsel im Personal oder wurde die Theke so umgestaltet, dass ein bestimmter Handgriff jetzt länger dauert. Ob die Bedienzeit für einen Hotdog 40 oder 31 Sekunden beträgt, macht zur Hochfrequenzzeit einiges aus.
Wie sieht die Valora-Strategie rund um das Thema Digitalisierung aus?
Uns geht es im Konzern und den einzelnen Linien dabei nicht um die Investition, sondern um den Inhalt. Bei der Digitalisierung kann man nicht rechnen, dass irgendetwas auf 3 Jahre so und so viel kostet. Wenn wir nicht dranbleiben, sind wir in drei Jahren nicht drei Jahre zurück, sondern im Vergleich zu denen, die drangeblieben sind, macht das 10 Jahre aus.

Das Interview mit Thomas Eisele zur Strategie von Valora und ein Porträt über den Schweizer Handels- und Foodkonzern lesen Sie in der April-Ausgabe von Der Handel. Ein Probeexemplar können Sie hier anfordern.
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