Die deutschen Händler von Freitzeitfahrzeugen profitieren von der anhaltenden Nachfrage, die sich auf hohem Niveau konsolidiert.

Der Handel mit Freizeitfahrzeugen hat sich nach den Krisenjahren 2009 und 2010 zwar wieder konsolidiert, tritt derzeit aber ein wenig auf der Stelle. Insgesamt wurden in Deutschland von Januar bis einschließlich Mai 23.791 Reisemobile und Wohnwagen neu zugelassen. Mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent zum Vergleichszeitraum 2013 konnte damit das starke Vorjahresniveau immerhin gehalten beziehungsweise sogar leicht gesteigert werden.

Bei den Reisemobilneuzulassungen meldet der in Frankfurt am Main ansässige Caravaning-Industrie-Verband (CIVD) in den ersten fünf Monaten 14.899 Einheiten, ein Wachstum von 2,9 Prozent. Die Caravans verzeichneten im gleichen Zeitraum mit 8.892 neu zugelassenen Fahrzeugen ein Minus von 3 Prozent.

Praktisch das gleiche Bild ergibt sich beim Blick auf die zurückliegenden zwölf Monate. Im Zeitraum Juni 2013 bis Mai 2014 legten die Camper im Vorjahresvergleich um 3 Prozent auf 25.229 Einheiten zu, während die Wohnanhänger 3,7 Prozent einbüßten und 16.388 Käufer fanden.

Europäische Märkte brechen weiter ein

Dabei können sich die rund 280 bundesdeutschen Branchenhändler, die in diesen Tagen traditionsgemäß die Herstellerneuheiten zum Modelljahrgang 2015 begutachten, noch glücklich schätzen. In anderen europäischen Märkten setzt sich der teils dramatische Einbruch der vergangenen Jahre nahtlos fort.

"Unser Absatz ist um 5 Prozent leicht zurückgegangen, aber beim Jahresumsatz liegen wir mit rund 270 Millionen Euro sogar über dem Plan. Das haben wir dem deutschen Markt zu verdanken", sagt Bürstner-Geschäftsführer Giovanni Marcon praktisch stellvertretend für die heimischen Aus- und Aufbauspezialisten.

Bürstner legt in Deutschland stark zu

Der Kehler Marktführer bei den teilintegrierten Reisemobilen profitierte dabei in besonderem Maße von der Entwicklung und erzielte hierzulande ein überproportionales Zulassungsplus von 35 Prozent. "Dafür haben wir beispielsweise in Frankreich 30 Prozent verloren", relativiert Marcon.

Der neue Mann an der Spitze des zum Hymer-Konzern gehörenden badischen Traditionsunternehmens plant für das nächste Geschäftsjahr mit einer drastischen Erhöhung der Investitionen in Produktion und Produkte auf 12,1 Millionen Euro, um die Nachfrage langfristig zu beleben.

Viele Verbesserungen im Detail

Dabei gehen die Badener schon mit zahlreichen Neuheiten in die jetzt anstehende Saison, wovon sich die Verkäufer bei der Händlertagung am Stammsitz im Kehler Kundencenter bereits überzeugen konnten. Breitere Eingangstüren, größere Kühlschränke, stärkere Heizanlagen, glattflächige Rahmenfenster, hagelsichere Dächer und Leichtbaumaterialien sollen die Nutzerfreundlichkeit der Fahrzeuge erhöhen. So stehen vom 30. August bis 7. September die meisten der zwölf Reisemobil- und fünf Wohnwagen-Baureihen der Badener überarbeitet auf dem Düsseldorfer Caravansalon, dem Branchenevent des Jahres schlechthin.

Für zusätzliches Kundeninteresse dürften auch die zahlreichen Neuerungen beim Fiat Ducato (siehe Der Handel 6/2014) sorgen. Das italienische Fahrgestell dominiert die europäische Reisemobilszene mit einem Marktanteil von 75 Prozent. Bürstner baut beispielsweise ausschließlich auf dem Ducato auf.

Nach der Visite in Kehl sind die Händler von Freitzeitfahrzeugen nun in den nächsten Wochen weiter auf Achse. Praktisch alle namhaften Hersteller bitten ihre Vertriebspartner noch zu ihren Tagungen und zur Prüfung der neuen Modelle.

Bernd Nusser