Renault baut seinen Vorsprung in der Importeurswertung mit Produktneuheiten aus. Dem Koleos und dem Laguna GT folgt bald der neue Megane.

In den vergangenen beiden Jahren tat sich Renault schwer, doch diesmal verteidigen die Franzosen ihre Position als Importeur Nummer 1 in Deutschland souverän: 92.015 Zulassungen stehen in den ersten sieben Monaten des Jahres zu Buche. Die Verfolger Skoda (73.818) und Toyota (63.094) folgen mit deutlichem Abstand. "2008 wird ein Erfolgsjahr für uns", ist sich Renault-Kommunikationsvorstand Reinhard Zirpel bereits in diesen Spätsommertagen sicher.

Die neu aufgelegten Modelle Twingo, Kangoo und Laguna tragen erwartungsgemäß zum Wachstum von 11,7 Prozent bei, wenngleich der Absatz des Mittelklasse-Wagens Laguna "zwar die Planzahlen erreicht, uns aber noch nicht ganz zufrieden stellt", wie Zirpel einräumt.

Zurückhaltung im Flottenbereich

Der oberste Markensprecher liefert die Erklärung gleich mit: "Weil das Vorgängermodell in der Startphase nicht die Qualitätserwartungen erfüllte, spüren wir jetzt im Flottenbereich eine gewisse Zurückhaltung." Allerdings tun sich auch die ausländischen Mitbewerber im klassischen Dienstwagen-Segment schwer. Audi A 4 und die Mercedes-Benz C-Klasse dominieren derzeit das Feld.

Die Franzosen halten jetzt mit einem neuen Top-Modell dagegen: Hinter dem Kürzel „GT" verbirgt sich eine sportlich abgestimmte Laguna-Version die wahlweise mit einem 2,0-Liter-Turbo-Benziner (150 kW/204 PS) ab 30.500 Euro oder einem 2,0-Liter-Diesel (131 kW/178 PS) ab 32.000 Euro geordert werden kann. Die jeweilige Kombi-Variante namens „Grandtour" kostet exakt 1.000 Euro mehr.

Weniger Fliehkraft, mehr Stabilität

Clou des GT ist seine serienmäßige, dynamische Allradlenkung. Unterhalb von 60 Stundenkilomter schlagen die Hinterräder bei Kurvenfahrten leicht in entgegen gesetzte Richtung zur Vorderachse ein, bei schnellerer Fahrt folgen die hinteren Reifen dem Einschlag der vorderen. Das wirkt der Fliehkraft entgegen und soll zu erhöhter Stabilität beitragen.

Die Idee ist nicht ganz neu. Bereits zu Beginn der neunziger Jahre präsentierte Honda in seinem Prelude ein ähnliches System - ohne Erfolg.

Auch mit einem Kompakt-SUV hat sich Renault mit Blick auf die breite Konkurrenz Zeit gelassen. In wenigen Wochen geht nun aber der Koleos gegen VW Tiguan, BMW  X 3 und Co. an den Start. Der 4,52 Meter lange Viertürer wird in Südkorea bei Samsung gebaut und nutzt die Allradtechnik der Konzern-Tochter Nissan.

Hoffen auf guten Jahresabschluss

Das variabel zuschaltbare System überzeugte in Verbindung mit einer optionalen Bergan- und -abfahrhilfe beim ersten Test auf Rampen und Steilhängen - wenngleich der Koleos von seinen künftigen Besitzern wohl kaum im Gelände bewegt werden wird. Deshalb soll alsbald eine günstigere Variante mit Frontantrieb folgen. Aktuell beginnt die Preisliste bei 24.500 Euro für den 126 kW/171 PS starken 2,5-Liter-Benziner. Der günstigste Diesel (110 kW/150 PS) steht ab 25.800 Euro in der Liste.

Besagte Zuversicht für einen erfolgreichen Jahresabschluss macht sich in der Brühler Zentrale auch deshalb breit, weil die deutschen Handelspartner in 2008 auch noch über den neuen Megane verfügen können.

Das wichtige Kompaktklasse-Modell steht Anfang Oktober auf dem Pariser Automobilsalon und anschließend zum Verkauf. Angesichts dieser Neuheitenflut ist den Franzosen der Sieg in der Importeurswertung tatsächlich kaum noch zu nehmen. 

Bernd Nusser