Ikea plant in seinen 43 deutschen Niederlassungen bahnbrechende Veränderungen an den Kassenplätzen.

Ikea baut die Kassen radikal um: SignPads und papierloses Belegarchiv halten Einzug, Self Checkout-Terminals sind in der Planung.

„Die Kasse steht bei uns klar im Fokus”, erläutert Holger Apel, der den Bereich Costumer Services bei IKEA Deutschland verantwortet, im Gespräch mit Der Handel. „Unser Ziel ist es, den Bargeldanteil langfristig auf 20 Prozent zu reduzieren.”

Das Unternehmen wickelt jährlich rund 23 Millionen Zahlungstransaktionen ab - den Restaurantbetrieb nicht mitgerechnet.

Einführung eines elektronischen Belegarchivs

Als erstes von drei Großprojekten stellen die schwedischen Möbelhäuser derzeit auf eine papierloses Belegarchivierung um.

Zahlungsbelege, die im elektronischen Lastschriftverfahren (ELV) anfallen und bislang für etwaige Mahn- oder Inkassoverfahren papierhaft archiviert wurden, werden künftig in Form von PDF-Dateien gespeichert. Die Unterschrift der Kunden zur Autorisierung der Lastschrift wird dazu auf einem so genannten SignPad des Kartenzahlungsdienstleisters Telecash digitalisiert erfasst.

Rund 50.000 Bonrollen und 2.000 Arbeitsstunden pro Jahr spart Ikea Deutschland durch das elektronische Belegarchiv. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von schnelleren Gutschriften durch die Beschleunigung des Inkassoprozess, da die Belege online verfügbar sind und nicht mehr tagelang in Schuhkartons oder ähnlich abenteuerlichen Archivierungsbehältern gesucht werden müssen.

„Das Investment sollte sich nach unseren Planungen in 18 Monaten amortisieren”, sagt Apel. „Tatsächlich werden wir das ROI vermutlich schon in 12 Monaten erreichen.”

Abschluss des Roll-Outs vor dem Weihnachtsgeschäft

 
Lange Schlangen müssen nicht sein
Lange Schlangen müssen nicht sein
Für die Umstellungen auf die elektronische Belegarchivierung wechselt IKEA derzeit an allen 1.400 Kassenplätzen die Kartenzahlungsterminals aus. Die altgedienten ZVT 700-Geräte, seit 1994 bei IKEA im Einsatz, werden durch Ingenico i3380 Basisterminals ersetzt.

Zwei Filialen pro Woche werden momentan umgerüstet. Der Roll-Out in allen bundesdeutschen Häusern soll bis Mitte November 2008 - vor dem Weihnachtsgeschäft - abgeschlossen sein.

Wie viele Handelsunternehmen praktiziert auch der Möbelgigant bei Debitkartenzahlungen ein Mischverfahren aus kostengünstigen, unterschriftbasierten Lastschriften mit Speerdateiabfrage und garantierten EC-Cash-Zahlungen mit PIN-Eingabe durch den Kunden.   

Selbstbedienung in Reinform - der Kunde kassiert selbst

Das elektronische Belegarchiv ist darüber hinaus ein wichtiger Schritt zur Vorbereitung des zweiten Projekts,  der Einführung von „Self Checkout”-Kassen bei IKEA Deutschland.  IKEA praktiziert oder pilotiert Selbstbedienungskassen bereits in sechs europäischen Ländern, Schweden, Italien, Frankreich, Spanien, Schweiz und Österreich.

„Die Erfahrungen mit den Express-Kassen waren durchweg gut”, sagt Apel. „In keinem dieser Länder ist es bislang zu größeren Betrügereien gekommen.” Einen Termin für den bundesweiten Roll-Out der Self Checkout-Kassen will das Unternehmen Ende Oktober bekanntgeben.

Als drittes Kassenprojekt plant der schwedische Möbelhändler in den nächsten zwei Jahren umfangreiche Veränderungen im Bargeld-Handling, um die Effizienz und Sicherheit auch in diesem Bereich zu verbessern.