Alain Caparros hat einige Vorschläge für die Bewirtschaftung von Kaufhäusern parat. Er sorgt sich vor allem um die 50 Supermärkte, die Rewe mit Karstadt betreibt.

Der impulsive Rewe-Chef Alain Caparros ist immer für eine überraschende Aussage gut, die zuweilen das Blut in den Adern seiner Pressesprecher gefrieren lässt. So geschehen auf der Pressekonferenz des Lebensmittelhändlers in Köln an diesem Dienstag: Noch bevor die Nachricht über die Arcandor-Insolvenz eintraf, stellte er Lösungen für die Flächenbewirtschaftung von Kaufhäusern vor. Geplant war das offensichtlich nicht.

Caparros sagte, er sei „traurig" über das Schicksal der Warenhäuser - und auch darüber, dass „niemand uns nach Lösungen gefragt hat". Rewe hätte Interesse daran, sich mit weiteren Handelsunternehmen zusammenzutun, um die Existenz der innenstädtischen Standorte zu sichern. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten", sagte der Manager.

Alternativmieter gesucht

Dieser Satz verführte einige Medien dazu, ein mögliches Interesse der Rewe an der „Übernahme von Teilen von Karstadt" zu vermelden. Dabei zielt Caparros lediglich darauf, die Kundenfrequenz in den innenstädtischen Standorten durch Alternativmieter zu sichern.

Das würde gelingen, wenn sich Rewe „zum Beispiel mit dem Schuhfilialisten Deichmann oder mit dem dm-Drogeriemarkt zusammentun würde", so Caparros. Die Karstadt-Standorte in der City seien für Supermärkte „sehr attraktiv".

Joint Venture mit Karstadt

Dies zeige sich bereits in jenen 50 Karstadt-Häusern, in denen ein Perfetto-Lebensmittelmarkt besteht. Diese Supermärkte werden als Joint Venture von Rewe (25 Prozent der Anteile) und Karstadt (75 Prozent) betrieben, meistens im Souterrain. „Wer soll in das Untergeschoss hinuntergehen, wenn im Erdgeschoss nichts los ist?", fragte sich Caparros.

Nach seinen Angaben laufen die Perfetto-Supermärkte gut und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von rund 350 Millionen Euro. Dieser Umsatz sei nun akut gefährdet.

Beteiligung nachträglich verringert

Die Verträge zur Joint Venture mit Karstadt waren noch unter dem ehemaligen Rewe-Chef Hans Reischl unterschrieben worden. Die ursprüngliche 50-Prozent-Beteiligung von Rewe sei später auf 25 Prozent begrenzt worden, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Darüber sei der heutige Vorstand „keineswegs traurig", bemerkte ein Insider ironisch.