Alain Caparros ist mittlerweile genervt vom Krisengerede in der deutschen Wirtschaft. Stattdessen wirbt er für neue Mitarbeiter bei Rewe.

Caparros kündigte in der Zeitung Die Welt 25.000 neue Arbeitsplätze in 750 zusätzlichen Filialen allein in Deutschland an. „Wir suchen händeringend gute
Mitarbeiter”, sagte der Chef des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers. „Europaweit werden wir 2.100 Filialen neu eröffnen, das sind fast 82.000 neue Mitarbeiter”, sagte Caparros.

Der Einzelhandel sei ein Job-Motor. Er kritisierte Pessimisten in seiner Branche: „Ich finde es bemerkenswert, wie viele Untergangspropheten es gibt, die jetzt noch Öl ins Feuer gießen und sich dann wundern, wenn die Krise noch länger dauert.” Die Krise werde überwunden, sagte der Franzose. Auch Edeka hatte dieser Tage angekündigt, bis zum Jahr 2010 25.000 Mitarbeiter neu einstellen zu wollen.

Ver.di fordert Konjunkturprogramm

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat unterdessen ein Konjunkturprogramm für Deutschland mit einer Höhe von mindestens zehn Milliarden Euro gefordert.  „Wenn wir angesichts der drohenden Rezession nicht die Realwirtschaft stabilisieren, bekommen wir auch die Finanzmärkte nicht in den Griff”, sagte Ver.di-Chefvolkswirt Michael Schlecht der Berliner Zeitung.

Mittelfristig sei ein Zukunftsprogramm mit jährlich 40 Milliarden Euro nötig. Die Finanzierung des Konjunkturpakets ließe sich aus höheren Erträgen der Vermögens-, Körperschafts- und Erbschaftsteuer bewältigen, sagte der Gewerkschafter.

Mehr Geld für die Bürger - fordern SPD-Politiker

Forderungen nach einem staatlichem Anschub für die deutsche Wirtschaft kommen auch aus der SPD. „Die Bundesregierung muss investieren und die Bereitschaft der Bürger zum Konsum stärken”, sagte die stellvertretende Parteichefin Andrea Nahles im Münchner Merkur.

Die für 2010 beschlossene steuerliche Absetzbarkeit von Krankenkassenbeiträgen solle auf 2009 vorgezogen werden. „Damit hätten die Bürger schon im nächsten Jahr neun Milliarden Euro mehr in der Tasche”, sagte Nahles. Diese Forderung hatte auch schon Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) formuliert.