Rewe-Chef Caparros räumt in einem Interview ein, die Online-Entwicklung zu lange unterschätzt zu haben. Das will der Handelskonzern nun ändern und sich unter anderem an jungen Internetfirmen beteiligen.

Rewe will sein Online-Geschäft massiv ausbauen. "Wir wollen innerhalb der kommenden Monate eine Art Inkubator für Startup-Unternehmen aufbauen und werden uns dabei auch an jungen Online-Firmen beteiligen", kündigt Alain Caparros in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" an.

Das Unternehmen habe die Entwicklung im Internet zu lange unterschätzt: "Vielleicht auch, weil uns als stationär geprägten Händlern die DNA für das E-Commerce-Geschäft fehlt", räumte der Rewe-Chef ein. Das solle sich nun ändern. "Daher müssen wir ein Stück dieser Web-Kultur in unser Unternehmen implementieren", sagte Caparros dem Magazin.

Geplant sei allerdings, dass der Online-Bereich autonom von den Konzernstrukturen arbeiten wird. "Wohin der Online-Zug fährt, weiß niemand genau, wie schnell er fährt, auch nicht. Ich weiß nur, dass wir an Bord sein müssen", lautet die Botschaft des Franzosen.

Lebensmittel-Lieferservice ausbauen

Zudem will der Rewe-Chef offenbar den bereits bestehenden Online-Lieferservice für Lebensmittel ausbauen und den Bestelldienst von Frühsommer an auch in München anbieten. "In den Ballungszentren spüren wir inzwischen eine zunehmende Bereitschaft der Menschen, via Internet Lebensmittel zu bestellen", so Caparros. In Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf und Frankfurt bietet das Unternhmen bereits einen Lieferservice für online bestellte Lebensmitteln an.

Wirtschaftlich bleibt der Handelskonzern offenbar ebenfalls weiterhin erfolgreich. "In den ersten Monaten lagen wir in Deutschland sowohl mit unserer Discount-Sparte Penny als auch im Vollsortiment - also vor allem den Rewe-Supermärkten - bei einem Umsatzplus von rund fünf Prozent. Das war mehr, als wir selbst geplant hatten", sagte Caparros. Positiv entwickelt habe sich bei Rewe auch das Auslandsgeschäft. "Bemerkenswert ist, dass es langsam auch in Krisenländern wie Rumänien und Bulgarien wieder aufwärts geht." Für das Gesamtjahr 2013 rechnet der Rewe-Chef mit "sehr vernünftigen Ergebnissen". Mit 49,7 Milliarden Euro hatte die Rewe Group 2012 einen Rekordumsatz erzielt.

Penny soll modernisiert werden und expandieren

 
Rewe hat laut Caparros zudem vor, das Tempo bei der Modernisierung seiner Discount-Sparte Penny steigern: "In diesem Jahr wollen wir 700 Penny-Märkte in Deutschland umbauen." Insgesamt will Rewe demnach in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro investieren, unter anderem auch für Neu-Eröffnungen von rund 300 Märkten im In- und Ausland.

"Wir splitten unser Investitionsbudget also auf", zitiert die "Wirtschaftswoche" Caparros. "Einen Teil des Geldes müssen wir in die Restrukturierung unserer Discount-Tochter Penny stecken. Der größere Part fließt aber weiter in die Supermärkte von Rewe in Deutschland und Billa im Ausland."

Preise bleiben stabil

Trotz gestiegener Rohstoffpreise für Nahrungsmittel rechnet Alain Caparros mit stabilen Lebensmittelpreisen, der Konkurrenzdruck lasse allenfalls moderate Preissteigerungen zu. "Aktuell ziehen wegen der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen die Preise für Obst und Gemüse spürbar an. Das müssen wir auffangen, da für die Verbraucher der Preis immer noch das entscheidende Kaufkriterium bleibt und der Wettbewerb uns kaum Spielraum für Erhöhungen gibt", sagte der Franzose.