Der Kölner Handelsriese ärgert sich über die Preissenkungen von Aldi, will den Onlinehandel ausbauen, experimentiert mit neuen Shopkonzepten und hat nach wie von ein Sorgenkind in der Gruppe.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe überschritt im vergangenen Jahr beim Umsatz die 50 Milliarden-Euro-Grenze. Insgesamt steigerte der Handelsriese den Gruppenumsatz um 2,9 Prozent auf 50,6 Milliarden Euro. Der Nettogewinn des Rewe-Konzerns - ohne die selbstständigen Rewe-Kaufleute - verdoppelte sich nach vorläufigen Zahlen auf rund 200 Millionen Euro.

In den nächsten Monaten rechnen die Kölner mit einer weiteren Verschärfung des Preiskampfs im Einzelhandel. "Im Moment ist sehr viel Preisdruck im Markt", sagte Rewe-Vorstand Manfred Esser am Donnerstag in Köln. Es scheine keine Grenzen mehr zu geben. Er gehe deshalb davon aus, dass sich die vor allem von Aldi ausgelösten Preissenkungsrunden auch in den nächsten Monaten fortsetzen würden.

Rewe-Chef Alain Caparros kritisierte die anhaltenden Preiskämpfe als Wertvernichtung. Dennoch sieht der Handelsriese keine Chance, sich den Preissenkungen zu entziehen. "Im Discount gibt es keinen Millimeter Platz. Die Verbraucher reagieren massiv auf Preisunterschiede", sagte Esser. Wer nicht mitziehe, müsse mit Umsatzeinbußen rechnen.

Rewe will den Onlinehandel mit Lebensmitteln ausbauen

Doch sind die aggressiven Discounter nur eine der Herausforderungen, mit denen sich Rewe konfrontiert sieht. Eine Antwort muss der Handelskonzern auch auf die wachsende Online-Konkurrenz finden. Rewe will deshalb die eigenen Internetaktivitäten massiv ausbauen.

"Im laufenden Jahr werden wir den Online-Lieferservice von Rewe nochmals deutlich ausweiten", kündigte Finanzvorstand Christian Mielsch an. Ziel sei es, auf Dauer alle Großstädte und Ballungsgebiete zu erreichen.

Bislang bietet der Konzern in neun deutschen Städten einen Lebensmittel-Lieferservice an. In elf Städten können Kunden ihre Bestellungen im Internet aufgeben und die Ware wenig später fertig verpackt in Supermärkten abholen.

Außerdem versucht Rewe, sich mit neuen Konzepten zusätzliche Märkte zu erschließen. So hat der Konzern in mehreren Innenstädte kleine Rewe to go-Märkte eröffnet, die Snacks, Salate und andere Convenience-Produkte anbieten. Deren Zahl soll nun schnell erhöht werden. Auch an zehn Aral-Tankstellen will der Konzern das Format testen.

Neue Shops bei Aral und Wachstumsimpulse durch Bio-Märkte

Die Preise dort würden zwar leicht über denen normaler Supermarktketten liegen, aber deutlich günstiger als bei normalen Tankstellen sein, hieß es. In Österreich betreibt Rewe mit dem Aral-Mutterkonzern BP bereits rund 160 Tankstellenshops. Wachstumsimpulse erwartet der Konzern auch von den Temma-Biomärkten, deren Zahl sich in diesem Jahr auf mindestens zehn verdoppeln soll.

Europaweit betreibt der Handelsriese insgesamt 14.900 Märkte und beschäftigt rund 330.000 Mitarbeiter. In Deutschland umfasst das Filialnetz rund 10.100 Märkte. Dort beschäftigt Rewe mehr als 103.000 Mitarbeitern.

Rote Zahlen schreibt nach wie vor die Rewe-Discount-Tochter Penny. Dort rechnet der Konzern erst 2016 wieder mit schwarzen Zahlen. Leichte Umsatzrückgänge musste die Touristiksparte hinnehmen. Hier machten sich nach Konzernangaben die politischen Unruhen in Ägypten und Thailand, aber auch der schwierige Geschäftsreisemarkt bemerkbar.