"Wir können Discount", versichert Rewe-Chef Caparros - und macht deutlich, wie die Tochter Penny saniert werden soll: mit Kampfpreisen. Die Strategie gilt auch für andere Bereiche der Gruppe.

Der Preiskampf bei Lebensmitteln geht in eine neue Runde: Die Rewe-Gruppe will mit der Sanierung der defizitären Discounttochter Penny den führenden Billiganbietern Aldi und Lidl Paroli bieten.

"Wir können Discount", sagte der Rewe-Vorstandsvorsitzende Alain Caparros am Dienstag bei der Bilanzvorlage des zweitgrößten deutschen Handelskonzerns in Köln. Außerdem sollen die Rewe-Supermärkte ihr Preisimage verbessern. In der untersten Preislage ist geplant, dass die Märkte mit der Eigenmarke "Ja" weiter Tiefstpreise bieten.

Die Discounter, die zusammengenommen schon einen Marktanteil von etwa 40 Prozent am deutschen Lebensmittelhandel besitzen, hätten ihren Höhepunkt noch nicht überschritten, meinte Caparros.

"Wir haben die Kraft"

Die Sanierung von Penny belastete die Konzernbilanz 2011. Der operative Gewinn (EBITDA) ging um 140 Millionen Euro oder knapp 11 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro zurück. Der Jahresüberschuss sank um fast ein Fünftel auf etwa 300 Millionen Euro. Mit einem Schuldenabbau auf 660 Millionen Euro und Eigenkapital von 4,7 Milliarden Euro sei die Rewe aber für die Zukunft gerüstet.

"Wir haben die Kraft, einen Turnaround wie Penny in Deutschland zu stemmen und zugleich die erfolgreiche Entwicklung unserer Wachstumssparten mit unverminderter Dynamik voranzutreiben", unterstrich Caparros.

Dank aggressiver Preisaktionen, langer Öffnungszeiten und erhöhter Investitionen ins Filialnetz erzielte der Kölner Handelskonzern 2011 einen Rekordumsatz. Die Erlöse stiegen um 3,4 Prozent auf 40,3 Milliarden Euro.

Penny mit leichter Umsatzverbesserung

Ein Drittel des Umsatzes wird im Ausland erzielt. Starker Wachstumsmotor waren die Rewe-Supermärkte in Deutschland, die ein Umsatzplus von fast 10 Prozent erreichten. Im Vergleich dazu sei der Branchenumsatz des Lebensmittel-Einzelhandels in Deutschland im vergangenen Jahr nur um 2,4 Prozent gewachsen.

Der Umbau von Penny zeige erste Erfolge, so Caparros. Die lange schwächelnde Tochter Penny Deutschland, der viertgrößte Discounter hinter Aldi, Lidl und Netto, steigerte den Umsatz 2011 leicht um 1,9 Prozent auf 6,66 Milliarden Euro. Dieser Aufwärtstrend bei den Erlösen habe sich 2012 mit einem Umsatzplus von über 7 Prozent in den ersten vier Monaten fortgesetzt.

2015 soll Penny wieder schwarze Zahlen schreiben. Wie hoch der Verlust 2011 war, bezifferte der Rewe-Vorstand auch auf Nachfragen nicht. Laut Medienberichten betrug das Minus 140 Millionen Euro.

Höhere Investitionen als im Vorjahr

Rewe werde Zukäufe im Lebensmittel- und Touristikbereich prüfen. Schwerpunkt sei allerdings ein Wachstum aus eigener Kraft. Für 2012 stockte Rewe die Investitionen um 200 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro auf.

Viele Supermärkte und Discountfilialen würden modernisiert. Das Filialnetz von Penny Deutschland werde künftig etwa 2.350 Läden umfassen. Nachdem 2011 die Zahl der Discountfilialen hierzulande um etwa 100 schrumpfte, würden dieses Jahr rund 70 Filialen geschlossen.

ProMarkt-Verkauf? Nur ein Gerücht - sagt Caparros

Caparros wies Spekulationen über eine Trennung von der Elektronikkette ProMarkt zurück. "Das ist und bleibt ein Gerücht." Rewe habe bei den Toom-Baumärkten gezeigt, dass der Konzern schwächelnde Töchter wieder auf Kurs bringen könne. "In jeder Familie gibt es kranke Kinder, und wir haben ein paar kranke Kinder." Der Rewe gehe es da ähnlich wie anderen Handelskonzernen.

Die Rewe-Gruppe inklusive der selbstständigen Kaufleute hat 323.000 Mitarbeiter, davon zwei Drittel in Deutschland. 2011 seien europaweit knapp 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.