Die Rewe Gruppe nimmt die Abwicklungen von Kartenzahlungen ab dem kommenden Jahr selbst in die Hand. Mit dem eigenen Netzbetrieb wollen die Kölner Kosten sparen und sich für die Zukunft rüsten.

Als erster Lebensmittelhändler in Deutschland baut die Rewe Group einen eigenen Netzbetrieb zur Abwicklung von Girocardzahlungen auf. "Es ist beabsichtigt, bereits im Laufe des ersten Halbjahres 2012 erste Märkte testweise aufzuschalten", kündigt das Unternehmen an.

Binnen eines Jahres sollen die mehr als 6.000 Filialen des Kölner Handelskonzerns (Rewe, Penny, toom, toom Baumarkt, ProMarkt) dann komplett auf den eigenen Netzbetrieb umgestellt werden. Bislang wickelt die Rewe Gruppe sämtliche Girocard-Zahlungen - ob per Lastschrift oder PIN-Autorisierung - über den Ratinger Dienstleister easycash ab.

Unabhängiger und flexibler

 
"Die Rewe trägt damit der zunehmenden Bedeutung von Girocardzahlungen Rechnung", begründet Frank Wiemer, Vorstand der Rewe Group die Entscheidung. Obwohl immer noch rund 70 Prozent aller Zahlungen mit Bargeld erfolgen, gewinne die Kartenzahlung kontinuierlich an Bedeutung. Allein 2010 stieg der Anteil der Girocardtransaktionen bei der Rewe im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,5 Prozentpunkte.

"Mit einem Aufkommen von heute 250 Millionen Kartentransaktionen pro Jahr  haben wir ein Volumen erreicht, bei dem ein eigener Netzbetrieb kaufmännisch sinnvoll ist", sagt Wiemer. Die Investitionen im siebenstelligen Bereich rechne sich nach spätestens vier Jahren. "Wir werden mit diesem Schritt unabhängiger und flexibler. Vor Allem richten wir uns schon heute auf den Bedarf von Morgen aus", erklärt Wiemer, der im Rewe-Vorstand unter anderem die Bereiche IT und Logistik verantwortet.

Keine komplette Trennung von easycash

Die Kehrtwende zum eigenen Netzbetrieb bedeute keine vollständige Trennung vom bisherigen Dienstleister easycash, mit dem auch in Zukunft in Teilbereichen weiter zusammen gearbeitet werde.

"Es waren allein wirtschaftliche Gründe, die uns dazu bewogen haben, einen eigenen Netzbetrieb aufzubauen. Wir sind einer der größten Nutzer des Girocardsystems der deutschen Banken, daher ist es nur folgerichtig, diesen Bereich selbst in die Hand zu nehmen, zumal wir aufgrund unserer gesellschaftsrechtlichen Struktur sehr komplexe buchhalterische Anforderungen haben", erläutert Peter Radtke, Leiter Finanzen der Rewe Group, gegenüber Der Handel.

Nur die Douglas Holding und die Aral-Tankstellen der deutschen BP leisten sich bislang einen eigenen Netzbetrieb zur Abwicklung von Kartenzahlungen am POS. Üblicherweise managen die von der "Deutschen Kreditwirtschaft" (DK, früher ZKA) zugelassenen Netzbetreiber wie easycash, Telecash, B+S Card Service, Intercard AG oder Montrada für Handelsunternehmen und andere Akzeptanzstellen den für die Kartenzahlungen notwendigen Datenaustausch zu den Banken und die jeweilige Terminalinfrastruktur.

Die Rewe wird auch im eigenen Netzbetrieb mit einem Mischverfahren aus kartengestützten Lastschriftenverfahren (ELV) und dem Girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft mit PIN-Autorisierung arbeiten. Alle datenschutzrechtlichen Anforderungen sollen nach Angaben der Kölner durch die erforderliche Zertifizierung bei der DK sichergestellt werden und zudem mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit des Landes Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) abgestimmt werden.