Nach der Kritik der Gewerkschaft Verdi am Lohndumping bei den selbstständigen Kaufleuten von Edeka und Rewe wehren sich nun die Handelskonzerne.

"Rund zehntausend Filialen von Edeka und Rewe werden an selbstständige Kaufleute ausgegliedert - mit der Folge, dass nahezu alle Beschäftigten ab diesem Zeitpunkt mit Niedriglöhnen abgespeist werden", sagt Verdi in einer heute in Ingolstadt veröffentlichten Studie.

Die Gewerkschaft kritisiert darin die Arbeitsbedingungen bei den selbstständigen Kaufleuten der beiden größten deutschen Lebensmittelhändler.

"Ein aus dem Genossenschaftsgedanken entstandenes Betriebsformat mutiert zu einem nahezu betriebsratsfreien, tarifvertragslosen und damit ungeschützten Bereich", klagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

Rewe weist auf freiwillige Selbstverpflichtung hin

Die Handelskonzerne sehen das naturgemäß anders. "Die Überführung von Märkten in die Hände selbstständiger Kaufleute sowie der Bau neuer Märkte für selbstständige Händler ist kein Novum, sondern hat eine 85-jährige Tradition", kontert die Rewe Group.

Die Selbstständigen, die keiner Tarifbindung unterliegen, hätten sich schriftlich gegenüber der Rewe verpflichtet, Mindeststandards einzuhalten, so der Konzern.

Die freiwillige Selbstverpflichtung regelt laut Rewe 13 Punkte und umfasst Maßnahmen wie eine Lohnuntergrenze für Mitarbeiter, Urlaubsanspruch sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zudem würden in den Märkten, die eine Mitgliedschaft im Verband mit Tarifbindung haben, "weitergehende tarifliche Ansprüche" gewährt.

Edeka weist die Kritik an der Privatisierung ebenfalls zurück und spricht von "leistungsgerechten Löhnen", die von den selbstständigen Kaufleuten bezahlt würden. Die genossenschaftliche Struktur des Verbundes sei mit einem zentral geführten Unternehmen nicht vergleichbar und die kritisierte Privatisierungsstrategie Konsequenz der Satzung des Verbundes.

Verdi-Preis für Rewe

Rewe weist zusätzlich daraufhin, dass das Unternehmen am 19. Oktober 2012 zum zweiten Mal von Verdi für seine fairen Arbeitsbedingungen in Hamburg ausgezeichnet worden ist.

Mit dem Preis und der gleichnamigen Kampagne "Handeln ausgezeichnet" würdigt die Gewerkschaft jährlich Einzel- und Großhändler der Hansestadt, die sich ihrer sozialen Verantwortung stellen und die von Verdi definierten Standards erfüllen.