Weniger Schadstoffbelastung beim Obst, mehr Solarstrom von den Dächern: Auch Rewe hat den Umweltschutz entdeckt. Der Lebensmittelhändler will gar Vorreiter für die gesamte Branche werden.

Neu ist das Thema keineswegs: Schon 1999 hatte der Handelsverband HDE ein Positionspapier zum Thema "Nachhaltigkeit im Einzelhandel" erarbeitet. und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) erkannte bereits 2001, dass im Einzelhandel "trotz Fixierung der Kunden auf den Preis die Handlungsspielräume für umweltgerechtes Management neue Chancen der Profilierung bietet".

Es hat freilich lange gedauert, bis sich die Branche mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz erkennbar auseinandersetzt. Dabei werden "Ressourcen schonende, Energie sparende und ethisch korrekte Produkte von den Kunden immer stärker eingefordert", sagte beispielsweise Fred Grimm, Autor des Einkaufsführers "Shopping hilft die Welt verändern" im Gespräch mit Der Handel

Die Macht der Konsumenten habe etwa dazu beigetragen, dass Tropenholz, nicht mehr in deutschen Baumärkten verkauft wird. Auch die Nachfrage nach fair erzeugten und gehandelten Produkten steigt stetig.

Rewe will Branchenvorreiter werden

Nun scheint die Botschaft aber endgültig im Handel angekommen zu sein: Wie die Textilkette C&A vor einigen Monaten stellte Rewe an diesem Mittwoch als nächstes großes Handelsunternehmen ein umfangreiches Nachhaltigkeitsprogramm vor. Der Lebensmittelhändler hat den ambitionierten Anspruch, sich als "Branchenvorreiter zu positionieren".

Bereits vergangenes Jahr hatte Rewe dafür einen neuen Grundsatz im Unternehmensleitbild verabschiedet. "Gerade in konjunkturell schweren Zeiten, dürfen und werden wir in unserem nachhaltigen Handeln nicht nachlassen. Unseren Kunden und unseren 320.000 Mitarbeiter erwarten gesunde, ökologisch unbedenkliche und sichere Produkte, deren Herkunft sie nachvollziehen können, und die unter fairen Arbeitsbedingungen entstehen", formulierte es Vorstandsvorsitzender Alain Caparros.

Nachhaltig erzeugte Trauben aus Brasilien

In der Praxis soll noch mehr Obst und Gemüse aus nachhaltiger Produktion gekauft werden. Im nächsten Jahr werde der entsprechende Bezug von Trauben auf Brasilien und Argentinien ausgeweitet.

Ferner plant die Rewe Group, ihre Nachhaltigkeitsprojekte auf andere Warengruppen wie Fisch aus Aquakulturen und Molkereiprodukte zu erstrecken. Alle Erzeuger, mit denen der Lebensmittelhändler kooperiert, müssten Nachhaltigkeitsstandards erfüllen.

Priorität hätten dabei die Produktqualität und -sicherheit. Daneben orientieren sich die Partner an zahlreichen weiteren Kriterien wie Klima- und Ressourcenschutz, Erhalt der Artenvielfalt und sozialer Verantwortung, teilt der Konzern mit.

Weniger Kohlendioxidausstoß

Für Obst und Gemüse will Rewe die Schadstoffbelastungen bei der Herstellung transparent machen und diese Werte von Jahr zu Jahr weiter zu verringern.

Weiter will der Kölner Konzern seinen jährlichen Ausstoß an Kohlendioxid bis 2015 um 30 Prozent senken. Dafür soll die Menge von Solarstrom aus eigener Erzeugung bis nächstes Jahr mehr als verdoppelt werden. Zu diesem Zweck würden weitere Warenlager mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern ausgestattet, darunter voraussichtlich Neubauten in Köln und im baden-württembergischen Lahr.

Gegen Kinderarbeit

Rewe sorgt sich auch um die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern für Non-Food-Artikel. Bis Ende dieses Jahres sollen siebzig Prozent der rund 500 Produzenten in China, Indien, Bangladesch und Vietnam überprüft werden, ob diese alle Vereinbarungen zur Arbeitszeite, Hygiene und Kinderarbeit einhalten.

Auf der IFC International Fairtrade Conference am 10. September in Berlin spricht Dr. Daniela Büchel, Leitung Strategie / Konzernmarketing der Rewe Group, über die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns. Mehr Informationen zum Fairtrade-Gipfel in Berlin finden Sie hier.