Der mittelständische Fachhandel hat die besten Chancen, gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervorzugehen. So sieht es Dr. Daniel Terberger, Vorstandssprecher des Einkaufsverbandes Katag AG.

"Never miss a good crisis", zitierte Dr. Daniel Terberger die unterlegene US-amerikanische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. "Verpassen sie nicht, die Krise als Chance, um Veränderungen anzustoßen", forderte der Vorstandssprecher der Katag AG die rund 400 Partnerunternehmer auf, die am vergangenen Freitag zur "Chef-Tagung 2009" in die Zentrale der Einkaufsgemeinschaft nach Bielefeld gekommen waren.

"Familienunternehmen haben die besten Chancen, die Krise unbeschadet zu überstehen", sagte der 37-jährige Verbundgruppen-Chef. "Sie sind authentischer, schneller und flexibler und damit in der besten Situation die Krise als Chance zu nutzen".

Auf schlechte Zeiten rechtzeitig vorbereiten

Zwar könne von einer Konsumkrise im Einzelhandel noch nicht die Rede seien, doch die Händler müssten sich jetzt rechtzeitig auf schwierige Zeiten einstellen. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt und in der Folge im Einzelhandel könne sich in den kommenden Monaten - nach der Bundestagswahl - erheblich verschlechtern. Dafür müssten sich die Unternehmen wappnen.

Terberger empfahl den Vertretern der Katag-Anschlusshäuser einen Katalog aus kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen, um den eigenen Betrieb erfolgreich durch die Krise zu steuern.

Kurzfristige Maßnahmen gegen die Krise

"Sie müssen sich kurzfristig versichern, dass die Liquidität gesichert ist und sie von Seiten der Banken und Kreditversicherer keine bösen Überraschungen erleben." Etwaige Schwierigkeiten sollten offen gegenüber den Finanzierungspartnern kommuniziert werden, denn aktuell hätten alle Unternehmen Probleme. Geplante Investitionen sollten gegebenenfalls noch einmal überprüft werden, rät Terberger.

Als weitere kurzfristige Maßnahme gelte es, die Umsätze zu forcieren. "Sie müssen ihre Preiswürdigkeit herausstellen. Laut einer aktuellen Umfrage von McKinsey messen zwei Drittel aller Verbraucher aufgrund der Krise dem Preis kurzfristig ein höhere Bedeutung bei". Dies müsse ein Händler in seiner Kommunikation berücksichtigen, so Terberger.

Foto: Katag AG
Foto: Katag AG
Und schließlich sollten die Unternehmer ihre Kostenstrukturen "noch einmal" genau unter die Lupe nehmen. "Ich weiß, dass ich mich damit nicht beliebt mache, aber ich meine damit auch die Personalkosten", betonte Terberger. "Die Personalkosten sind der Schlüssel."

"Value for money" statt "Geiz ist Geil"

Mittelfristig rät der Verbundgruppen-Chef den Händlern die Unternehmensbereiche Marketing und Sortiment zu optimieren. "'Geiz ist geil' ist vorbei, und auch der 80er-Jahre-Luxus kommt nicht mehr wieder. Der Kunde will heute 'Value for money'".

Auf die "neue Mitte" gelte es sich einzustellen und das Sortimentsgerüst für diese Zielgruppe zu bilden. Gerade Familienunternehmen hätten aufgrund der Nähe zum Kunden und ihrer Glaubhaftigkeit gute Chancen diese Trends zu nutzen und im Marketing glaubhaft zu kommunizieren.   
 
Wer diese kurz- und mittelfristigen Maßnahmen ergriffen habe, könne sich danach der langfristigen Unternehmensstrategie widmen und etwa Themen wie den demografischen Wandel in seine Planung einbeziehen.

Für die Katag zieht der Vorstandssprecher eine positive Bilanz und blickt optimistisch in die Zukunft: "Ergebnis und Umsatz können sich sehen lassen. Auch die Aussichten sind gut". Die Einkaufskooperation für den mittelständischen Textilfachhandel konnte mit 675 Millionen Euro Umsatz in 2008 eine Steigerung von rund 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Die Anzahl der betreuten Standorte betrug zum Jahresende rund 1.200.

Christian Wulff verspricht stabile Mehrwertsteuersätze

Als prominenten Referenten empfing die Katag zur Chef-Tagung diesmal den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), der versprach, dass es mit seiner Partei in der nächsten Legislaturperiode keine Mehrwertsteuererhöhung geben werde. "Die Politik muss bei Fehlentwicklungen wie bei der Bankenkrise gegensteuern, aber auch bei der Marktmacht der Lebensmittelhändler", sagte Wullf.

Die Abwrackprämie lobt Wulff als "Benchmark für die Welt". Es sei gut, dass auch ausländischer Autohersteller vom gestiegenen Absatz profitieren. Als Exportweltmeister könne sich Deutschland protektionistische Regeln nicht erlauben. Und in nicht wenigen Autos ausländischer Herkunft seien mehr Teile aus deutscher Produktion verbaut als in Fahrzeugen aus deutscher Produktion. 

Josef Sanktjohanser wirbt für die HDE-Mitgliedschaft

Überraschungsgast Josef Sanktjohanser, Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) und Vorstandsmitglied der Rewe, hätte bei beiden Punkten gerne nachgehakt.

Doch der Ministerpräsident war schon wieder zum nächsten Termin aufgebrochen als Sanktjohanser die Bühne betrat, um vor den Katag-Vertretern für einen starken Branchenverband und einer Mitgliedschaft im HDE zu werben. Der HDE sei nicht der Verband der Konzerne und der "grünen Wiese", auch die mittelständische, innerstädtische Handel sei in dem Verband mit achtzigjähriger Tradition gut aufgehoben.

Foto: Katag AG
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Unter der Moderation von Sabine Christiansen diskutierte abschließend die Talkrunde mit Terberger, Ferdinand Oetker, Claus-Dietrich Lahrs (Vorstandsvorsitzender Hugo Boss), Mark Rauschen (Geschäftsführender Gesellschafter Lengermann+Trieschmann) und Jürgen Müller (Chefredakteur TextilWirtschaft) über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Mode- und Handelsbranche.