Zwei Tage nach dem Juwelenraub im Berliner KaDeWe gibt es erste Hinweise auf die Tat: Der Einbruch war bestens vorbereitet und durchgeführt, ganz wie in einem legendären Kinofilm.

"Einen Einbruch, wie er jetzt im KaDeWe geschehen ist, bezeichnen wir in der Branche als sogenannten Rififi-Einbruch", sagte Martin Winckel (Lünen), der einen internationalen Juwelier-Warndienst betreibt. Die Diebe hätten ihr Programm "sauber und fast militärisch abgearbeitet", so Winckel in der "Berliner Morgenpost".

Der Film "Rififi" spielt in den Fünfzigerjahren in Frankreich. Ein entlassener Strafgefangener stielt darin mit einer Bande auf riskante Art und Weise einen Geldschrank. Im Streit mit einer anderen Bande kommen aber alle Einbrecher zu Tode.

Sechs Millionen Euro Schaden vermutet

Der Raub im Berliner KaDeWe war am frühen Montagmorgen von einem Wachmann entdeckt worden. Offenbar waren die Täter am Wochenende über das Kaufhausvordach ins Gebäude gelangt, sind ins Erdgeschoss vorgedrungen und haben dort Filiale des Juweliers Christ ausgeraubt. Dabei wurden Vitrinen eingeschlagen und Schränke aufgehebelt.

Beim Raub wurden nur teure Schmuckstücke und Uhren entwendet, über die Höhe und Einzelheiten des Schadenshöhe gab es aus der Christ-Zentrale in Hagen noch keine Angaben. Frühestens an diesem Dienstag werde sich das Unternehmen äußern, hieß es. Die "Berliner Morgenpost" spekuliert auf einen Schaden von sechs Millionen Euro. Das Blatt beruft sich dabei auf Polizeikreise.

Alarmanlage sprang nicht an

Sicher ist nur, dass die Diebe professionell zu Werke gegangen waren. So müssten sie die Alarmanlage ausgeschaltet haben. Auch die Verneblungsanlage, über die das KaDeWe verfügen soll, sprang nicht an. Dieser Nebel soll Einbrechern die Orientierung erschweren. Minimale Anhaltspunkte geben lediglich die Bilder der Überwachungskameras, auf denen mehrere vermummte Männer zu sehen sind.

Die Professionalität der Räuber bestätigt auch Juwelier-Fachmann Winckel. "Wer Zeit zum Aussuchen hat, fürchtet weder Alarmanlagen noch den Wachschutz." Zudem hätten es die Diebe gezielt auf Christ abgesehen, denn die anderen, teils teueren Luxusgeschäfte (Bulgari, Chopard, Omega) in der unmittelbaren Nachbarschaft der Filiale wurden nicht behelligt.

"Längst hinter Moskau"

Die Berliner Polizei machte öffentlich bisher keine genauen Angaben und sucht nun Zeugen. Die Frage wird sein, ob die Sicherheitskonzepte im Kaufhaus von den Versicherungen abgenommen werden - und der entstandene Schaden übernommen wird.

Denn Martin Winckel zerstreut die geringen Hoffnungen, die Schmuckstücke jemals wiederzufinden: "Die Beute ist nach meinen Erfahrungen längst im ost- und südosteuropäischen Ausland verschwunden. Zwischen Einbruch und Entdeckungen liegt für die Täter genügend Zeit, um sich bis hinter Moskau abzusetzen."