Innovative Neugründungen im Einzelhandel haben keine Schwierigkeiten, eine Finanzierung zu erhalten - wenn sie sorgfältig vorbereitet sind. Das zeigt das Beispiel des Onlineshops RobeCode.de

Ute Binder wusste schon immer, dass sie einmal ihr eigenes Ding machen will: "Ich habe mich schon immer für Mode und Bekleidung interessiert und ich wollte meine eigenen Ideen verwirklichen", sagt die Gründerin von RobeCode. Nach dem Abitur absolviert die Baden-Württembergerin deshalb eine Schneiderlehre und studierte anschließend Mode- und Textildesign an der Fachhochschule in Reutlingen.

Während der Praxissemester in verschieden Unternehmen verfestigte sich der Wille zur Selbstständigkeit noch einmal. Den Lebenstraum, die eigenen Kreativität, die eigenen Entwürfe umzusetzen, selbst zu produzieren und zu vermarkten, hat sich die 29-Jährige in diesem Jahr erfüllt.

Mitte Februar startete die Internetseite RobeCode auf der von Ute Binder im Urbanstyle entworfene Mode in limitierter Auflage erhältlich ist. Die Jungunternehmerin produziert ihre eigene Kollektion und stellt Sweater, Jacken, Leggings, Shirts und Accessoires aus recycelten PET-Flaschen und Hightech-Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen her.

Ein individueller QR-Code für jedes Bekleidungsstück

Der Clou bei den stylischen und bunten Schnitten: In jedes Stück ist ein individueller QR-Code eingearbeitet. Begeistert sich jemand für eine RodeCode-Jacke, kann er den Code einscannen und erhält daraufhin im Onlineshop eine Gutschrift für seinen Einkauf. Auch der Jackenträger bekommt eine Gutschrift und kann den Preis für das Kleidungstück so im Nachhinein reduzieren.

Zudem lässt sich der QR-Code, wenn es gewünscht ist, mit dem eigenen Profil bei Facebook, Instagram oder einem anderen sozialen Netzwerken verknüpfen, auf diese Weise können sich die RobeCode-Fans miteinander vernetzen und in Verbindung bleiben.

Mit der innovativen Idee, grüne Mode aus dem schwäbischen Vöhringen per Onlineshop zu verkaufen, überzeugte die engagierte Gründerin die örtliche Volksbank und erhielt eine Finanzierung für das Vorhaben.

Foto: Jörg Eberl
Foto: Jörg Eberl

Trend zu innovativen Gründungen im Einzelhandel

"Es ist ein klarer Trend zu innovativen Gründungen im Handel zu erkennen", sagt Stefan Müller, Leiter der Abteilung Finanzplatz und Unternehmensgründung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main. Auch wenn das Gründungsgeschehen aufgrund der guten Situation am Arbeitsmarkt allgemein rückläufig sei, gäbe es im Einzelhandel eine ganze Reihe von Gründungen insbesondere solche, die dem Trend zu nachhaltigen Konsum folgen oder im E-Commerce angesiedelt sind.

Müller leitet die Gründerberatung bei der IHK und kennt den Informationsbedarf von Existenzgründern und die Stolpersteine auf dem Weg in die Selbstständigkeit. "Viele Gründer haben eine gute Geschäftsidee, etwa weil sie aus eigener Erfahrung auf eine Bedarfslücke gestoßen sind. Diesen Leuten fehlt aber oftmals die Branchenkenntnis im Handel und häufig auch das notwendige kaufmännische Know-how", weiß Müller. Hier will das Informationsangebot der Industrie- und Handelskammern ansetzen, die zahlreiche Kurse und Seminare für Gründer bieten, um rechtliches und betriebswirtschaftliches Basiswissen zu vermitteln.

"Darüber hinaus bieten wir auch Einzelgespräche an und prüfen etwa konkrete Businesspläne auf Plausibilität und Vollständigkeit", erläutert Müller. Die IHK bietet keine Rechts- oder vertiefte Finanzberatungen an, weist jedoch zum Beispiel auf typische Schwachstellen und Fehler hin.

"Wir verfügen zudem über ein breites Netzwerk und gute Kontakten zu Fachverbänden und anderen Stellen, die Gründer weitere Informations- und Beratungsmöglichkeiten bieten", sagt der IHK-Fachmann. Er rät Gründungswilligen dringend die kostenfreien oder aber kostengünstigen Beratungsangebote der örtlichen Kammern zu nutzen. "Spätestens wenn es um die Finanzierungsgespräche mit der Bank geht, muss der Gründer zeigen, dass er es ernst meint, sich gut vorbereitet hat und nicht per Copy & Paste einen Businessplan aus dem Internet kopiert und nur ein wenig ergänzt und angepasst hat", mahnt Müller.

Der Businessplan umfasste 70 Seiten

Ute Binder war bestens auf das Gespräch bei der örtlichen Volksbank vorbereitet, um die Finanzierung von RobeCode zu stemmen. Ihr Bruder, der sich um die kaufmännischen Belange bei RobeCode kümmert und vor einigen Jahren bereits ein erfolgreiches Biotechnologieunternehmen gegründet hat, stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam erstellten die beiden einen 70-seitigen Businessplan im Vorfeld der Finanzierungsgespräche. "Das hat einige Zeit in Anspruch genommen, aber am Ende wusste ich über alles Bescheid und konnte auch kritische Nachfragen beantworten", erinnert sich Ute Binder.

Die Volksbank ließ sich von dem innovativen Geschäftskonzept überzeugen und vermittelte einen Gründerkredit aus dem Programm "Startgeld 80" der baden-württembergischen L-Bank. Für 80 Prozent des Startgelds steht die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg ein, die das Vorhaben daher auch noch einmal genau prüfte. Rund zwei Monate dauerte es, bis die Finanzierung stand und ein Förderkredit von insgesamt 65.000 Euro bewilligt wurde. "Wir haben uns auch nach anderen Fördermöglichkeiten erkundigt, etwa dem Startgeld von der KfW, in unserem Fall war die L-Bank aber das günstigere Angebot", sagt Binder.

Binders Fazit aus den Bankgesprächen: "Man muss deutlich machen, was das Besondere, das Einzigartige an dem Unternehmenskonzept ist. Bei uns war das die Verbindung von nachhaltiger Produktion in Deutschland mit Social Media." Darüber hinaus rät sie anderen Gründern, nach Förderprogrammen Ausschau zu halten. Schon bald möchte Ute Binder sich personell verstärken, denn Arbeit gibt es bei RobeCode schon kurz nach dem Start des Onlineshops mehr als genug.

Hanno Bender

Dieser Artikel ist in der April-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier. Lesen Sie Der Handel auch auf dem iPad.