Der Möbelhandel im Internet ist noch ein vergleichsweise kleines Segment. Doch Rocket Internet will hier neue Maßstäbe setzen. Das eigene Portal Home24 hat nun mehr als eine halbe Million Kunden.

Das Berliner E-Commerce-Unternehmen Rocket Internet will den nächsten Markt erobern: Der Online-Möbelhändler Home24 hat die Marke von 500.000 Kunden erreicht. Man wolle ein "Zalando für Möbel" sein, sagte Co-Geschäftsführer Domenico Cipolla der dpa am Donnerstag.

Home24 wirbt wie der bekannte Modehändler aus der Rocket-Startup-Schmiede mit einem kostenlosen Versand und einem Rückgaberecht. Auch ausgepackte und aufgebaute Möbel würden kostenlos abgeholt. "Unsere Rücksendequote liegt unter zehn Prozent", betonte Cipolla. Sie dürfte damit deutlich niedriger sein als in anderen Bereichen des Onlinehandels.

Eher junge Käufer

Die bisherige Entwicklung zeige, dass man durchaus auch große Möbel über das Internet verkaufen könne, sagte Co-Geschäftsführer Felix Jahn. Rund 40 Prozent des Geschäfts machten Polstermöbel und Betten aus. Insgesamt habe Home24 etwa 48.000 Artikel im Angebot. "Davon haben wir bis zu 20.000 mit einer Lieferzeit von bis zu einer Woche verfügbar." Das Durchschnittsalter der Käufer liege bei 44 Jahren.

Das von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer geführte Rocket Internet ist dabei, ein internationales E-Commerce-Imperium aufzubauen. Schwerpunkte neben Europa sind Wachstumsmärkte wie Russland, Asien oder Lateinamerika. "Wir konzentrieren uns in jedem Markt auf die Einzelhandelsbereiche, in denen wir glauben, dass wir in ihnen zur Nummer eins werden können", sagte Oliver Samwer jüngst in einem dpa-Interview. So setzt Rocket auf Mode mit Websites wie Zalando, Zalora in Asien oder Lamoda in Russland, aber auch auch auf
Online-Käufhäuser wie Linio in Lateinamerika oder Lazada in Indonesien.

Bewegung im Möbelmarkt

Auch bei Möbeln sieht das Unternehmen große Wachstumschancen. "Der Anteil des Onlinegeschäfts am Möbelhandel ist noch verschwindend gering", betonte Cipolla. "Wir glauben fest daran, dass sich im E-Commerce aufgrund der besseren Produktkompetenz immer der spezialisierte Shop durchsetzt."

Zuletzt war in dem Markt bereits eine verstärkte Aktivität zu erkennen. So übernahm der amerikanische Onlinehändler Fab die Firma Massivkonzept, ein deutsches Start-up für individualisierte Möbel.

Auch das EHI Retail Institute hält den Möbelhandel für eines der vielversprechendsten Wachstumssegmente im E-Commerce. Im Jahr 2012 haben Kunden laut EHI insgesamt 1,88 Milliarden Euro für Möbel und Dekorationsartikel ausgegeben - zwei Drittel (rund 1,25 Milliarden. Euro) davon online. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 0,4 auf 6 Prozent Marktanteil. Das sei ein geringeres Wachstum als Experten vorhergesagt hatten.

Lieber Internet als Katalog

Die Verlagerung vom Katalog auf das Internet ist hingegen sehr deutlich, betont das EHI. Sie zeige, dass Kunden die große Auswahl der Produkte im Web - anders als auf der Fläche, wo aus Platzgründen häufig nur eine begrenzte Anzahl von Modellen vorrätig ist - und die komfortable Simulation der Raumeinrichtung am Computer durchaus schätzen.

Im vergangenen Jahr gab jeder Deutsche laut EHI im Schnitt 447 Euro für seine Wohnraumgestaltung aus, im Vorjahr waren es 437 Euro.