Für Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist jetzt bei Schlecker die Bundesagentur für Arbeit gefragt. Das Ringen um Transfergesellschaften für die Mitarbeiter der insolventen Drogeriekette geht weiter.

Die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg müsse jetzt „den Beschäftigten von Schlecker schnell neue Perspektiven aufzeigen", erklärte Bundeswirtschaftsminister Rösler am Donnerstag in Berlin.

Die FDP im Bund und in den Ländern weigert sich, sich von staatlicher Seite an einer Auffanglösung für 11.000 Schlecker-Beschäftigte zu beteiligen. Damit standen entsprechende Pläne der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, wo Schlecker seinen Stammsitz hat, vor dem Aus.

Rösler argumentierte weiter: "Die Arbeitsmarktsituation ist günstig, denn es gibt derzeit fast doppelt so viele freie Stellen im Einzelhandel wie Schleckermitarbeiter, denen eine Kündigung droht."

Für viele der von der Entlassung bedrohten Schlecker-Mitarbeiter gibt es nach Einschätzung des Branchenverbandes HDE tatsächlich gute Chancen auf einen neuen Job. In vielen Regionen würden erfahrene und qualifizierte Arbeitskräfte gesucht, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Donnerstag in Düsseldorf.

Bayern lässt sich Zeit

Die Äußerung des Bundeswirtschaftsministers kann als Ablehnung des nötigen Staatskredits für die Bildung von Transfergesellschaften für entlassene Schlecker-Mitarbeiter gewertet werden. Das Wirtschaftsministerium habe von Anfang an "eine klare ordnungspolitische Linie vertreten", betonte Rösler.

Derweil lässt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) es weiter offen, ob sich der Freistaat an einer Auffanglösung für 11.000 Schlecker-Beschäftigte beteiligt.

"Wir haben eine ganz einfache Position: Wir tragen eine Lösung mit, wenn Klarheit herrscht, wenn die Geschlossenheit der Bundesländer gegeben ist und wenn Baden-Württemberg uns die notwendigen Informationen dafür zur Verfügung stellt", sagte Seehofer der Nachrichtenagentur dpa.

Diesen Beschluss hätten CSU und FDP einhellig gefasst. "Wir wollen helfen, nur die Hilfe muss seriös und tragfähig sein", betonte er. Kurz darauf erfuhr die dpa aus Koalitionskreisen in München, dass Baden-Württemberg nunmehr die geforderten Informationen geliefert habe.

Zudem hieß es, dass sich das bislang eingeplante - und vom Kabinett gebilligte - bayerische Haftungsvolumen von 10,6 Millionen Euro nicht erhöhen würde.