Die Drogeriekette Schlecker hat am Montagmorgen Planinsolvenz beim Amtsgericht Ulm beantragt. Derweil zeigt sich Wettbewerber Rossmann kaum an der Übernahme von Filialen interessiert.

"Bei uns ist ein unterzeichnetes Fax eingegangen, im Laufe des Vormittags wird der Antrag im Original eingehen", sagte ein Sprecher des Gerichts. Anschließend werde sich der zuständige Insolvenzrichter Benjamin Webel mit dem Antrag auseinandersetzen. Das Auslandsgeschäft von Schlecker sowie die Tochter IhrPlatz sind von der Insolvenz nicht betroffen.

Die Drogeriekette Rossmann hat an höchstens 50 bis 80 Märkten des insolventen Konkurrenten Schlecker Interesse. Das sagte Unternehmenschef Dirk Roßmann dem Nachrichtenmagazin "Focus".

"Ich wage die Prophezeiung, dass der Insolvenzverwalter nicht viele Läden weiter betreiben wird können", betonte Rossmann. Die allermeisten der noch rund 7.000 Märkte in Deutschland müssten schließen, weil sie nicht mehr zeitgemäß seien.

Zu geringe Umsätze, schlechte Imagewerte

"Die Wettbewerber Rossmann, dm und Müller sind dieser Kette schon vor Jahren meilenweit enteilt", so Roßmann. Schlecker habe zu lange am alten Konzept festgehalten, immer nur neue Läden zu eröffnen.

Das bestätigen Umfragen bei Verbrauchern: Demnach ist Schlecker seit Jahren auf dem absteigenden Ast. Aktuell lägen die Imagewerte von Schlecker mit minus 37,8 Punkten "dramatisch unter" den äußerst beliebten Marken Rossmann (plus 79,4) und dm (88,3), heißt es in einer Markenstudie des Meinungsforschungsinstituts YouGov. 

Mit einem monatlichen Umsatz von im Schnitt 20.000 Euro wie bei Schlecker könne man auf Dauer kein erfolgreiches Drogeriemarkt-Konzept betreiben, sagte Dirk Roßmann. "Rossmann und dm kommen monatlich im Schnitt auf Erlöse von 300.000 Euro."

Das Familienunternehmen aus Ehingen hatte am Freitag mitgeteilt, dass Deutschlands größte Drogeriekette zahlungsunfähig ist und in die Planinsolvenz geht. Grund sei eine geplatzte Zwischenfinanzierung.


Bildergalerie: Schlecker - Zerfall eines Drogerieimperiums