Es war der letzte große Auftritt von Thomas Middelhoff beim Handelskonzern Arcandor: Auf der Bilanzpressekonferenz verteidigte er seinen Kurs - und präsentierte eine schlechte Bilanz.

Der Chef begrüßte die Journalisten persönlich: Bei seinem letzten Großauftritt als Arcandor-Chef schüttelte Thomas Middelhof vor der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main allen anwesenden Medienvertreter die Hand. Bis Ende Februar ist er noch im Amt, danach übergibt er das Zepter an Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Was nach der Begrüßung folgte, war typisch für die Ära Middelhoff: Noch-Finanzchef Peter Diesch, der das Unternehmen ebenfalls bald verlässt, präsentierte die Bilanz eines neun Monate währenden Rumpfgeschäftsjahres, das zum wiederholten Mal nicht mit der vorherigen Periode zu vergleichen war.

„Sondereffekte und Accounting-Anpassungen"

Wie auf einer BWL-Vorlesung erklärte der Manager die Besonderheiten der Bilanz - und sprach ständig von „Sondereffekten", „Accounting-Anpassungen" sowie „Änderungen, die uns mit den Wettbewerbern vergleichbar machen." Auf gut Deutsch: Wer wissen wollte, wie es dem Konzern im Vergleich zum Vorjahr wirklich geht, war arm dran.

Klar ist aber: Der Handels- und Tourismuskonzern verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen dreistelligen Millionenverlust. Umsatzeinbußen bei der Warenhaustochter Karstadt sowie Restrukturierungskosten wurden als die Hauptursachen für die schlechte Performance angegeben, die Middelhoff dennoch als „großen Schritt nach vorne" zu verkaufen versuchte.
 

Sorgenkind Karstadt

Unterm Strich entstand im Geschäftsjahr 2007/08 (bis 30.September) ein Verlust von 746 Millionen Euro. Dabei schnitt vor allem die Reisetochter Thomas Cook gut ab, die Versandsparte Primondo (Quelle) machte Fortschritte.

Karstadt dagegen musste einen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro hinnehmen und bleibt das Sorgenkind der Unternehmensgruppe. Das bereinigte Ergebnis (EBITA) sank von plus 147,7 Millionen Euro auf minus vier Millionen Euro. „Die Marketing-Kosten sind uns bei Karstadt davon gelaufen", kommentierte Middelhoff.

Schon im nächsten Geschäftsjahr 2009/10 soll das Unternehmen jedoch Gewinne abwerfen, versprach Karstadt-Finanzchef Thomas Töpfer - trotz Finanzkrise. Töpfer nahm an der Pressekonferenz anstatt des neuen Warenhaus-Chefs Stefan Herzberg, der auf Eis ausgerutscht ist und mit einer leichten Gehirnerschütterung das Krankenbett hüten musste.

Was passiert auf der Fläche?

Wie die Umsatzwende geschafft werden soll, blieb jedoch unklar. Mit einem "Effizienzprogramm" will Karstadt 150 Millionen Euro sparen - auch auf Kosten der Mitarbeiter, die Lohneinbußen hinnehmen müssen.

Doch welche Maßnahmen auf der Fläche einen Umsatzboom auslösen sollen, wurde in Frankfurt nicht verraten. „Wir haben einfach kein Geld für die Umgestaltung der Filialen", gestand ein Karstadt-Manager freimütig.

Middelhoff entschuldigt sich

Ingesamt sei er zufrieden, sagte Middelhoff, der stolz die Entwicklung seit seinem Einstieg in das Unternehmen 2004 aufzeigte. Die Bilanzsumme des Konzerns sei in dieser Zeit von 13,4 auf 19,9 Milliarden Euro gestiegen, betonte er. Ohne den Kauf von Thomas Cook wäre sie jedoch auf 8,4 Milliarden Euro gesunken.

Am Ende entschuldigte sich Middelhoff für die fehlende Vergleichbarkeit der vergangenen Bilanzen. Solche nachdenkliche Töne hat man während seiner Zeit an der Arcandor-Spitze selten gehört. Jetzt kommen sie schlicht und einfach zu spät.