Verbraucherschützer wollen die von der Regierung geplante Neuregelung der Störerhaftung von WLAN-Betreibern torpedieren. Sie soll gegen das EU-Recht auf unternehmerische Freiheit verstoßen.

Der stationäre Handel hat ein Interesse an der Bereitstellung von leicht zugänglichen drahtlosen Netzen - ohne das Risiko, für potenzielle Rechtsverletzungen der Nutzer zur Verantwortung gezogen zu werden. Von großem Interesse ist deshalb auch die von der Bundesregierung vorgeschlagene Neuregelung der Störerhaftung von WLAN-Betreibern im Telemediengesetz.

Diese sei ungeeignet und rechtswidrig, sagen nun Verbraucherschützer und Netzaktivisten. Sie haben EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker ein formelles Schreiben überreicht. Darin wenden sich der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Verein Digitale Gesellschaft sowie der Förderverein Freie Netzwerke gegen die von der Bundesregierung geplante Umsetzung des Gesetzes.

Komplizierte Einschränkungen bei der WLAN-Nutzung

Das neue Telemediengesetz sieht zwar vor, dass WLAN-Anbieter nicht grundsätzlich als „Störer“ für Rechtsverletzungen ihrer Nutzer haften. Dazu müssen die Anbieter allerdings „zumutbare Maßnahmen“ ergreifen und beispielsweise das Funknetz verschlüsseln. Das Netz darf dann nur denjenigen bereitgestellt werden, die zuvor erklärt haben, keine Rechtsverletzungen zu begehen. Sind die Anbieter weder „geschäftsmäßig“ noch als „öffentliche Einrichtung“ tätig, müssen sie die Nutzer außerdem namentlich kennen.

Nach Ansicht der Organisationen verstößt der Gesetzentwurf der Bundesregierung mit diesen Einschränkungen gegen das Europarecht. Zudem verhindere das geplante Telemediengesetz eine flächendeckende Versorgung mit offenen WLAN-Netzen und begründe „erhebliche Rechtsunsicherheiten beim Betrieb von Cloud-Diensten“. Der Gesetzesentwurf sei nicht mit der E-Commerce-Richtlinie der EU vereinbar, heißt es in dem Schreiben an Juncker. Außerdem verstoße die Regelung gegen das EU-Grundrecht auf unternehmerische Freiheit.

Durch die geplanten Änderungen würde Deutschland bei der Digitalisierung der Gesellschaft und der Konkurrenzfähigkeit seiner Online-Wirtschaft daher "im internationalen Vergleich weiter ins Hintertreffen geraten", lautet das Fazit der Organisationen.

Die EU-Kommission hat im Rahmen des Notifizierungsverfahrens die Möglichkeit, eine Stellungnahme zu dem neuen Telemediengesetz abzugeben und Änderungen an dem Entwurf zu verlangen. (dpa)