SAP wollte die Preise für den Support deutlich heraufsetzen. Die betroffenen Mittelständler schlugen Krach - mit Erfolg: Der Softwarehersteller lässt alles beim Alten.

So ist das mit einem De facto-Monopol: Man kann die Preise nach eigenem Gutdünken gestalten. Doch irgendwann haben die Kunden die Nase voll. Das hat  SAP nun am eigenen Leib erfahren: Der Walldorfer Hersteller von Unternehmenssoftware zog nach lautstarken Protesten seiner Kunden das neue Modell für die Wartungskosten heute zurück.

Angesichts starken Widerstands bietet der europäische Software-Riese wieder die Verträge an, die im Sommer gekündigt wurden.  "Die Vertragskündigungen wurden von Kunden sehr emotional entgegengenommen", erläuterte Volker Merk, Deutschland-Chef der SAP, den Rückzug der Walldorfer am Dienstag bei einer Telefonkonferenz. Die SAP-Kunden haben nun weiterhin die Wahl zwischen der bisherigen Standard-Wartung und der teureren Enterprise-Wartung. 

Der Zwang zum teureren Enterprise-Support führte zu Protesten

Im Sommer hatte SAP rund der Hälfte der Unternehmenskunden in Deutschland und Österreich die Verträge für Standardwartung gekündigt. Der bei mittelständischen Unternehmen weit verbreitete Standard-Support von SAP, der im Jahr offiziell 17 Prozent des Lizenzpreises ausmacht, sollte dem so genannten Enterprise Support weichen, der mittelfristig 22 Prozent kosten sollte.  Die Nutzer wussten nur nicht so recht, wofür sie das zahlen sollten.

„Das ist reine Geldmacherei", beschwerte sich zum Beispiel dm-Chef Erich Harsch in der Lebensmittel-Zeitung (http://www.lz-net.de). „Ich lehne den Enterprise Support als monopolistische Zwangsmaßnahme ab", ärgerte sich auch dm-Geschäftsführer Roman Melcher. „Die Qualität der Wartung und der neuen Produkte ist völlig unzureichend." Preiserhöhungen seien inakzeptabel: „Sollte SAP nicht zur Vernunft kommen, sehen wir keine andere Möglichkeit, als unsere SAP-Strategie grundlegend zu ändern."

Am morgigen Mittwoch, den 10. Dezember, wollten sich die IT-Chefs namhafter Mittelstandskunden wie der Bitburger Brauerei, Miele und Villeroy&Boch treffen, um  „ihre Position zur beabsichtigten Lizenzgebührenanhebung des Software-Anbieters" darzulegen,  wie es in der Presseeinladung hieß.  Die Anwendergruppen hatten sich demnach entschlossen, „gemeinsam gegen diese unverantwortliche und in keinster Weise gerechtfertigte Unternehmenspolitik seitens SAP vorzugehen."
 
SAP hatte unterdessen versucht, die Wogen zu glätten und den Anwendern das neue Support-Modell schmackhaft zu machen: Der Softwarehersteller SAP wollte auf Betreiben der Deutschen SAP-Anwendergruppe (DSAG) an zwei Informationstagen zu Strategie und Inhalten des SAP Enterprise Support Stellung nehmen. Für heute war der erste Termin in Wallau anberaumt - offenbar mit dem Ergebnis, dass  SAP alles beim Alten lässt.