In Zukunft wird nicht ein einziges Unternehmen erfolgreich sein, sondern die am besten integrierte Wertschöpfungskette wird die höchsten Produktivitätsgewinne verzeichnen. Dennoch müssen Unternehmen hier zu Lande zuerst ihre internen Hausaufgaben machen.

In Zukunft wird nicht ein einziges Unternehmen erfolgreich sein, sondern die am besten integrierte Wertschöpfungskette wird die höchsten Produktivitätsgewinne verzeichnen. Dennoch verweisen SCM-Manager hier zu Lande mit Nachdruck darauf, dass die Optimierung der internen Unternehmensprozesse längst noch nicht abgeschlossen sei.

Entgegen vielfältiger Prognosen von bekannten Marktforschern, müssen deutsche Unternehmen zuerst die internenen Hausaufgaben machen, bevor sie die elektronische Anbindung von Kunden und Lieferanten an ihre Wertschöpfungskette vollziehen. Dies war eine Kernaussage des E-Supply-Chain-Gipfels, veranstaltet von Marcus Evans, der vom 2. bis 4. September 2001 in Cannes stattgefunden hat. Die Integration von Prozessen und Partnern brachte hier über einhundert Vorstände, Geschäftsführer und Direktoren mit Verantwortung für Logistik, Einkauf und Distribution zusammen. Während der zweieinhalb Tage stand der Austausch zu Themen wie die Optimierung der Supply Chain im Hinblick auf ein erfolgreiches Customer Relation Ship Management (CRM) oder das Verkürzen von Produktzyklen bei möglichst geringem Kapitaleinsatz im Vordergrund.

Supply Chain Management (SCM) wird heute in der Wirtschaft kontrovers diskutiert: Das Arbeiten in eng verzahnten Wertschöpfungsketten und Unternehmensnetzwerken wird zwar von vielen Unternehmen vor dem Hintergrund der Globalisierung und des enormen Kostendrucks als Notwendigkeit erkannt. Dennoch sieht die Mehrheit das Supply Chain Management nicht als strategische Waffe im verschärften internationalen Wettbewerb an.

Innerhalb kurzer Zeit haben sich die Rahmenbedingungen in der Industrie und im Handel verändert: Dazu zählt der allgemeine Trend zur Globalisierung verbunden mit den standortverbundenen Kostendifferenzen und der Verlagerung von Produktionsstätten in Niedriglohnländer. Außerdem sehen sich Industrie und Handel individualisierten Kundenwünschen gegenübergestellt, was sinkende Auftragsgrößen, zunehmende Sendungshäufigkeit und Auftragsvarianz nach sich zieht. Ein weiterer wichtiger Trend sind die sinkenden Margen in vielen Wirtschaftszweigen.

Angesichts immer ähnlicherer Produkte stellt sich die Frage, wodurch sich ein Hersteller noch vom Wettbewerb abheben kann. Er ergänzt seine Produkte durch Services, verbunden mit schnellerer und flexiblerer Lieferfähigkeit. Dies ist gerade in "reifen Märkten", wo die Konkurrenz ähnliche Funktionalitäten bei ihren Produkten anbietet, besonders notwendig. SCM hat sich somit vom reinen Rationalisierungsinstrument zu einer strategischen Waffen im verschärften Wettbewerb entwickelt.

Um so erstaunlicher ist es, dass rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen SCM-Projekten immer noch ablehnend gegenübersteht. Bei Firmen, die auf einen Einsatz verzichen, sei der Nutzen einer SCM-Lösung nicht erkennbar. Sogar 81% hätten derzeit keinen Bedarf an einem SCM-Projekt, und fast jeder Zweit setzt andere Prioritäten. Jeder Vierte halte die angebotenen Funktionen und Module für seine Branche für ungeeignet, jeder Fünfte für seine Geschäftsprozesse.

Die Auguren mahnen zur Eile: Für deutsche Unternehmen wird es ohne eine funktionierende Supply Chain zukünftig schwer werden, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Innovative Unternehmen setzen schon heute auf eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit ihren Kunden und Lieferanten. (AH)


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