Immer mehr Konsumenten beginnen ihre Suche nach einem Produkt nicht mehr bei Google, sondern gehen direkt auf die Webseite von Amazon. Ein gutes Ranking in der Amazon-Suche wird damit immer wichtiger.

Wer Produkte über den riesigen und unübersichtlichen Amazon Marketplace verkauft, muss dafür sorgen, dass sie in der Fülle des Angebots einfach auffindbar sind. Hier setzt SEO ein. Doch in der Praxis funktioniert SEO bei Amazon nach völlig anderen Gesetzmäßigkeiten als bei Suchmaschinen: Während in der Suchmaschine verstärkt nach Informationen und Problemlösungen gesucht wird, konzentriert sich die Suchintention bei Amazon sehr klar darauf, ein bestimmtes Produkt zu finden und zu kaufen. Hinter der Suchlogik von Amazon verbirgt sich entsprechend ein eigener Algorithmus, der auch die Suchparameter anders gewichtet.

Christina Neuhofer, Managing Partner bei QUISMA, erklärt, wie man als Händler seine Sichtbarkeit erhöhen kann. 

Im Kern geht es weniger um weiche Faktoren wie die Klickrate, sondern um die Hard Facts: Verkaufszahlen und die grundsätzliche Relevanz des Produkts. Mit den richtigen Keywords, ausführlichen Produktbeschreibungen, hochwertigen Bildern, konkurrenzfähigen Lieferbedingungen und einem wettbewerbsfähigen Preis ist der erste Schritt in Richtung Top-Ranking gemacht.

1. Keyword-Recherche

Wie auch bei der Google-SEO dient die Keyword-Recherche als Grundlage für jede Optimierung. Ein eigenes offizielles Keyword-Tool von Amazon gibt es bisher nicht, daher muss das Keywordset selbst zusammengestellt werden. Als Grundlage können dabei die Informationen aus dem Google Keyword-Planer dienen, den man beim klassischen SEO einsetzt.

Überlegen Sie sich, bei welchen Suchbegriffen Ihr Produkt erscheinen soll. Versetzen Sie sich dabei in die Lage des Suchenden: Welche Begriffe würden Sie eingeben, wenn Sie einen Haartrockner suchen? Sicherlich „Fön“ und nicht „Haartrockner“, auch wenn dies der offizielle Begriff Ihrer Produktbeschreibung ist. Zusätzlich bietet es sich an, auch die gleichen oder ähnliche Produkte von erfolgreichen Wettbewerbern zu analysieren.

2. Titel und Produktbeschreibung

Mit den ermittelten Keywords lassen sich nun sowohl die Produkttitel, Daten und Beschreibungen als auch die nicht sichtbaren Keywords festlegen. Diese unsichtbaren Keywords und Keyword-Kombinationen können Sie in Ihrem Händler-Account in den Produkteinstellungen festlegen. Hierfür bietet Amazon genügend Platz, um das Produkt ausgiebig zu beschreiben, auch mit Keywords wie „Fön“, die auf der eigentlichen Produktseite nichts zu suchen haben. Bedenken Sie solche umgangssprachlichen Begrifflichkeiten und regionale Unterschiede: Wer in Niedersachsen beispielsweise nach einem Schnapsglas sucht, der wird in Nordrhein-Westfalen vermutlich Pinnchen kaufen wollen – und sollte diese finden können, auch wenn der sichtbare Produkttitel „Schnapsglas“ lautet.

Nur vollständige Produktdaten haben die Chance, in Verbindung mit den passenden Keywords im Ranking erfolgreich zu sein. Auch hochwertige Bilder sind von großer Relevanz für das Amazon-Ranking. Die Bilder sollten eine Auflösung von mindestens 1.000x1.000 Pixel aufweisen. Auch die Anzahl der Bilder spielt eine Rolle, vier bis sechs Bilder mit verschiedenen Ansichten des Produkts, eventuell auch der Verpackung, sind optimal.

3. Versand, Retouren und Service

Amazon-Kunden sind eine schnelle, verlässliche Lieferung gewohnt. Ein langer Bearbeitung- und Versandzeitraum kann daher für Kunden abschreckend sein. Amazon weiß das und stuft Produkte mit langen Lieferzeiträumen im Ranking weiter unten ein. Sorgen Sie also für konkurrenzfähige Lieferzeiten und halten Sie sich unbedingt an die angegebenen Zeiträume. Eine gute Möglichkeit besteht auch darin, die Produkte direkt bei Amazon einlagern zu lassen. So sind sie über die Amazon Prime Lieferung erhältlich, Sie sparen sich Lager und Logistik und Ihre Kunden freuen sich über eine schnelle Lieferung. Auch bei Retouren und Serviceanfragen sollten Sie schnell reagieren, um schlechte Produktbewertungen zu vermeiden.

4. Bewertungen

Natürlich spielt auch die Bewertung der Produkte eine Rolle im Suchergebnis-Ranking. Animieren Sie Ihre Käufer nach jeder Bestellung, die gekauften Produkte zu bewerten – so wie es Amazon selbst auch tut.

5. Preis

Last but not least nimmt auch der – möglichst konkurrenzfähige – Preis Einfluss auf das Ranking. Man sollte sich die Frage stellen, ob der Preis inklusive Versandkosten attraktiv ist. Ein verkaufswirksamer Preis muss nicht immer der günstigste sein, hier ist ein Blick auf Preisvergleichsportale wie idealo.de sinnvoll.

6. Amazon Bestseller Rang

Der Bestseller-Rang bezieht sich auf die Anzahl der bereits erfolgten Verkäufe des Produkts. Neue Produkte, die bisher noch nicht oder nur wenig verkauft wurden, haben es daher im Ranking schwerer. Der Hebel, sich hier weit oben zu positionieren, ist letztlich die Produktqualität.

7. Conversion-Rate und Click-Through-Rate

Klicken viele Leute auf die Produktseite, aber kaufen dort nicht, ist dies ein schlechter Indikator für das Ranking. In diesem Fall ist es angebracht, den Produkttitel und die Beschreibung noch einmal zu überarbeiten. Auch die Kundenbewertungen können hier ausschlaggebend sein.
 
Die rot markierten Bereiche haben Einfluss auf das Ranking in den Amazon-Suchergebnissen
© Qusima
Die rot markierten Bereiche haben Einfluss auf das Ranking in den Amazon-Suchergebnissen

8. Auch SEA ist möglich

Sie haben aus SEO-Sicht alles unternommen, aber Ihre Verkaufszahlen steigen dennoch nicht an? Ihre Produkte sind noch neu und unbekannt, wurden noch nicht oft gekauft und bewertet? Auch bei Amazon gibt es die Möglichkeit, bezahlte Anzeigen zu schalten, um in den Blick der Käufer zu geraten.

Gerade zum Produkt-Launch eignet sich das Format Sponsored Products, um für mehr Bekanntheit zu sorgen. Die Anzeigen erscheinen auch bei einem niedrigen Ranking auf der ersten Seite der Suchergebnisse und erhöhen idealerweise die Verkäufe – wodurch wiederum das SEO-Ranking verbessert wird. Das Targeting der Sponsored Products basiert auf Keywords. Die gesponserten Produkte werden jeweils am Ende der Ergebnisseite angezeigt und sind mit der Bezeichnung „Gesponsert“ gekennzeichnet.
 
Amazon Sponsored Products am Ende der ersten Ergebnisseite
© Quisma
Amazon Sponsored Products am Ende der ersten Ergebnisseite

Ganz oben auf der Seite werden die Headline Search Ads – auch Top-Search Sparkles genannt – angezeigt. Auch bei ihnen basiert das Targeting auf Keywords. Sie dienen hauptsächlich dazu, mehr Traffic in den eigenen Shop oder eine andere Landing Page eines einzelnen Amazon-Händlers zu bringen. Sowohl die Headline Search Ads als auch Sponsored Products sind für Desktop- und Mobilgeräten verfügbar.

Suchergebnisse für den Begriff „Fön“ mit Top-Search Sparkle
© Quisma
Suchergebnisse für den Begriff „Fön“ mit Top-Search Sparkle

Als dritte Möglichkeit bieten sich Display Ads auf Amazon an. Diese basieren nicht auf Keywords, sondern auf Interessen- und Produktgruppen und befinden sich auf Produktdetail-, Customer Review- und Danke-Seiten zur Maximierung der Kaufabsicht.

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