Die SEPA-Einführung rückt näher, doch viele Unternehmen sind noch nicht auf die Umstellung ihres Zahlungsverkehrs vorbereitet. Der IT-Verband Bitkom benennt nun drei SEPA-Stolpersteine.

"Es gibt keinen Plan B", betont Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. "Bis zum 1. Februar 2014 muss die SEPA-Umstellung vollzogen sein. Dies ist Gesetz und wird auch nicht geändert". Gäbe es einen Plan B, so läge er in der Schublade von Herrn Thiele, da er im Vorstand der Bundesbank das Ressort Zahlungsverkehr verantwortet.

Noch 112 Arbeitstage verbleiben Unternehmen und Vereinen bis zum SEPA-Stichtag im kommenden Jahr. Wer am 3. Februar 2104 noch keine Überweisungen und Lastschriften nach den neuen Regularien der Single Euro Payments Area (SEPA) bei den Banken einreichen kann, dessen Zahlungsverkehr wird zum Erliegen kommen. Der gesamte bargeldlose Zahlungsverkehr wird in allen 33 SEPA-Ländern zu diesem Stichtag umgestellt.

Bundesbank und BaFin sehen Vorbereitungsstand kritisch

   
Der Bundesbank ist das näher rückende End-Datum für die nationalen Zahlungsverfahren offenbar nicht mehr ganz geheuer: "Wir warnen vor Liquiditätsengpässen nach dem 1. Februar 2014. Zahlungen von Gehältern und anderen Leistungen können nicht mehr rechtzeitig abgewickelt werden, wenn die Zahlungsdaten nicht im SEPA-Format bei der Bank eingereicht werden", bilanzierte Thiele jüngst, nachdem die Bundesbank den Vorbereitungsstand der deutschen Unternehmen bei den wichtigsten Wirtschaftsverbänden per Mitgliederumfragen ermitteln ließ.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die die rund 1.700 Zahlungsdienstleister in Deutschland zu ihrem SEPA-Vorbereitungsstand befragte, zeigt sich skeptisch und sieht in einer Presseerklärung zum Umfrageergebnis noch zwei zentrale Problemfelder.  

"Der Countdown für die wichtigste Umstellung im Zahlungsverkehr seit der Einführung des Euro-Bargelds läuft, doch nur wenige Unternehmen, Behörden und Vereine haben ihn bislang wahrgenommen", kritisiert der IT-Branchenverband Bitkom in einer Erklärung vom Dienstag.

Deutsche Unternehmen hinken bei der Umstellung hinterher

Nach Beobachtung des Verbandes hinken die meisten Unternehmen bei der Umsetzung deutlich hinterher. Erst ein Drittel der Unternehmen nutzt bereits Überweisungen im SEPA-Format, und auch bei den Lastschriften handelt ein Großteil des deutschen Mittelstandes auf den letzten Drücker. So lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Bitkom und des Forschungsinstituts ibi research.

Gut jede fünfte Organisation hat danach bislang nur vage Vorstellungen von den Folgen der Umstellung. Nach Ansicht des Branchenverbands gibt es derzeit drei zentrale Problemfelder im Zusammenhang mit der SEPA-Vorbereitung in Deutschland: Ein Ressourcenengpass aufgrund der Last-minute-Umstellung, die Unsicherheiten bei der Nutzung von Lastschriften ohne schriftliche Mandate sowie Reputationsrisiken für den Euro und das Bankensystem.

Problemfeld: Ressourcenengpass und eine Last-minute-Umstellung

Rund 30 Prozent der für die Studie Befragten planen erst zum Stichtag 1. Februar 2014 die ausschließliche Nutzung der SEPA-Überweisung, bei der bislang noch deutlich geringer eingesetzten SEPA-Lastschrift verhält es sich ähnlich. "Dadurch sind technische und personelle Ressourcenengpässe programmiert", folgern die Zahlungsverkehrsexperten von ibi research und Bitkom. "Die Folgen können fatal sein, viele unvorbereitete Unternehmen, die ein mittleres bis hohes Lastschriftaufkommen haben, könnten ab Februar 2014 durch Zahlungsstörungen in der Existenz bedroht sein", urteilt Ernst Stahl, Research Director bei ibi research.

Die Verantwortung für das SEPA-Projekt sollte seiner Auffassung zufolge die höchste Management-Ebene im Unternehmen übernehmen. "Die Umstellung der elektronischen Zahlungsprozesse ist für zahlreiche Unternehmen ähnlich komplex wie das Jahr-2000-Problem oder die Einführung des Euro", erklärt Stahl.

Problemfeld: Fehlender Konsens bei Lastschriftmandaten

Als zweites SEPA-Kernproblem benennt Bitkom, die bestehenden Unsicherheiten bei der Mandatierung von SEPA-Lastschriften. "Die beliebte und preiswerte Lastschrift bei Internet-Käufen und telefonisch vereinbarten Einzügen ist in Gefahr", so der Verband. Der Grund sei das bei SEPA erforderliche Mandat, das den Lastschrifteinreicher, bei der Bank des Kunden Geld einzuziehen.

Bislang wurden diese Einzugsermächtigungen in der Regel häufig nicht schriftlich erteilt. Laut den Standard-SEPA-Vorgaben der Banken muss ein solches Mandat nun aber in schriftlicher Form vorliegen - das würde einen hohen Mehraufwand für viele Unternehmen bedeuten, zahlreiche Geschäftsmodelle infrage stellen und eine Abkehr von der gängigen Praxis bedeuten (siehe zur Problematik auch: "Warten auf das eMandat").

Laut der Studie haben 75 Prozent aller befragten Unternehmen mindestens bei 25 Prozent ihrer Lastschriften kein schriftliches Mandat vorliegen. Außerdem plant im Moment schon jeder zehnte Online-Händler, die SEPA-Lastschrift als mögliches Bezahlverfahren in seinem Webshop abzuschaffen.

"Da der deutsche Gesetzgeber aber keine besonderen Formvorschriften für das SEPA-Mandat vorsieht, wäre es deshalb wünschenswert, dass ein von allen Beteiligten getragener Konsens zur Sicherung des Status quo bei der Lastschrift erreicht wird", hofft Hans-Rainer van den Berg, Leiter der SEPA-Arbeitsgruppe bei Bitkom. Der Verband hat der Deutschen Kreditwirtschaft ein vereinfachtes Verfahren zur Mandatierung von SEPA-Lastschriften vorgeschlagen.

Problemfeld: Drohende Reputationsverluste


Die schweren Folgen einer verspäteten Umstellung könnten zudem negative Auswirkungen auf das Image des Euro und des gesamten Bankensektors haben, meint der IT-Branchenverband. Da im Gegensatz zu anderen Großumstellungen wie den Postleitzahlen oder der Einführung des Euros als Bargeld weder derzeit eine breite Medienresonanz noch eine groß angelegte öffentliche Bewerbung wahrzunehmen sind, würden entsprechende Reputationsverluste drohen.

Die vollständige Studie "SEPA-Umsetzung in Deutschland" kann hier kostenlos abgerufen werden.