Sage keiner, die großen britischen Supermarktketten hätten kein Herz für Kinder. Neben dem üblichen Quengelsortiment an der Kasse wird schließlich zuhauf Zeugs mit Zucker, Cholesterin und Fett angeboten, das Kinderaugen zum Strahlen und Zahn- und andere -ärzte zum Stöhnen bringt. Jetzt geht Sainsburys noch einen Schritt weiter und bringt den Zuckerguss auch auf E-Book-Reader in Kinderhand, jedenfalls im übertragenen Sinne: Zwei Jahre lang können die Käufer von Cerealien der Eigenmarke des Filialisten kostenlose E-Books herunterladen. Wohlweislich ist die Auswahl beschränkt auf die Kinder- und Jugendbuchchampions Jacqueline Wilson und James Patterson, die jeweils mit zwei Titeln dabei sind.

Natürlich geht es dem Supermarktriesen dabei vor allem um Leseförderung – wer würde nicht zustimmend nicken, wenn es heißt, dass unsere Kids mit allen Mitteln zum Lesen gebracht werden müssen? Die Tatsache, dass das Unternehmen mit seinem „eBooks by Sainsburys“-Angebot seit dem Start im vergangenen Jahr den Marktführer Amazon zwar ärgern, aber nicht bezwingen kann, spielt ebenso natürlich keine Rolle bei der Aktion.

Sainsburys hatte 2012 für ein Pfund 64 Prozent der Anteile an der darbenden E-Book-Plattform Anobii übernommen und sie Anfang 2013 umbenannt. Seither gab es immer wieder Schnäppchenaktionen, bei denen Spitzentitel für 99 Pence angeboten wurden, was Amazon jeweils zur Preisanpassung zwang. Schon im vergangenen Jahr gab es auch Gratisaktionen mit Titeln von Wilson und Patterson.

Dass ausgerechnet diese beiden Autoren so brav mitmachen, hat, folgt man ihren Einlassungen, auch nur mit ihrer Begeisterung für lesende Kinder zu tun. Dass ihr Verlag Penguin Random House Anteilseigner an der E-Book-Plattform von Sainsburys ist, hat allerdings ihre Begeisterung sicherlich auch nicht sonderlich gedämpft.

Wer jetzt behauptet, dass Sainsburys mit der Aktion vor allem den Verkauf seiner Corn Flakes und sonstigen Milchzahnlöser beflügeln will, dem fehlt sicherlich das Gespür für den Edelmut, der den Branchenriesen auszeichnet. Sechs Millionen Packungen werden pro Jahr davon verkauft, wenn dann in den kommenden beiden Jahren auch noch ein paar Millionen Kunden auf die Sainsburys-Plattform kommen, ist das sicher ein Nebeneffekt, der in den Überlegungen keine tragende Rolle gespielt hat.