Die Privatbank Sal. Oppenheim hat ein erstes Paket von Arcandor-Aktien veräußert. Der Konzern hat unterdessen heute auch Insolvenzanträge für 15 Handelstöchter  gestellt.

Die Privatbank Sal. Oppenheim hat ihren Anteil am insolventen Handels- und Touristikunternehmen Arcandor verkauft. Wie ein Sprecher der Bank am Mittwoch sagte, sei das von der Bank gehaltene Aktienpaket von 3,7 Prozent über den Markt veräußert worden.

Die Oppenheim-Gesellschafter besitzen allerdings weiterhin über eine Beteiligungsgesellschaft knapp 25 Prozent an Arcandor. Über die Zukunft dieser Anteile sei noch keine Entscheidung gefallen, betonte der Sprecher. Bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens soll die weitere Entwicklung in den kommenden drei Monaten abgewartet werden.

Entscheidung über den Löwenanteil noch offen

Aus Finanzkreisen war zu erfahren, dass bei einer Fortführung von Arcandor aus der Insolvenz heraus auch ein verstärktes Engagement von Sal. Oppenheim denkbar sei. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte in ihrer heutigen Ausgabe dagegen berichtet, dass die Privatbank einen vollständigen Ausstieg bei Arcandor plant.

Insolvenzanträge für 15 weitere Handelstöchter gestellt

Am heutigen Mittwoch hat Arcandor für weitere 15 Tochter-Gesellschaften aus dem Bereich Handel Insolvenzanträge wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. 
Betroffen sind 6700 Beschäftigte, wie das Unternehmen in Essen mitteilte. Nach den vergangene Woche gestellten Insolvenzanträgen für die Hauptgesellschaft Arcandor AG sowie für Karstadt, Quelle und die Versandhandels-Dachgesellschaft Primondo steigt damit die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze auf knapp 50.000.

Insolvenzanträge wurden am Mittwoch beim Amtsgericht Essen unter anderem für die Primondo Logistik mit 1300 Beschäftigten sowie die Quelle Communication Center in Magdeburg mit 1000 und in Berlin mit 1200 Beschäftigten gestellt. "Betroffen sind maßgeblich Gesellschaften, die Dienstleistungen oder andere Leistungen nahezu ausschließlich für die bereits insolventen Kernunternehmen erbringen", erklärte das Unternehmen.

Schwarze Zahlen nur im Weihnachtsgeschäft

Die für Donnerstag angekündigte Veröffentlichung der Halbjahresbilanz sagte der Arcandor-Konzern unterdessen mit Hinweis auf das laufende Insolvenzverfahren ab. Wie das Handelsblatt berichtete ist er Umsatz von Karstadt im ersten Geschäftshalbjahr um 2,1 Prozent gesunken. Dies soll aus dem von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) hevorgehen.

Das Ergebnis der Warenhaussparte ist laut dem Zeitungsbericht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 26,7 Millionen Euro auf 7 Millionen Euro gefallen. Da in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres, das am 1. Oktober beginnt, das regelmäßig starke Weihnachtsgeschäft enthalten ist, täuschen die schwarzen Zahlen über die tatsächliche Lage Warenhäuser. In den Sommermonaten schreibt Karstadt in der Regel tiefrote Zahlen.

Metro übt Druck aus und beginnt sich zu zieren

Unklar bleibt weiterhin, ob sich die notleidenden Karstadt-Warenhäuser nach der Insolvenz der Muttergesellschaft noch in eine Warenhaus-Ehe mit Kaufhof einbringen lassen. Metro-Chef Eckhard Cordes hatte bereits vor einigen Wochen diesen Vorschlag unterbreitet und davon gesprochen, dass auf diesem Wege rund 60 von 90 Karstadt-Häusern gerettet werden könnten.

Hiervon rückt er inzwischen aber ab und drängt auf eine schnelle Entscheidung seitens Arcandor. Die Süddeutsche Zeitung spekulierte heute mit Hinweis auf Informationen aus dem "Oppenheim-Umkreis", Cordes habe wohlmöglich kein grünes Licht für die angestrebte Kaufhaus-Fusion von Seiten des Metro-Großaktionärs Haniel bekommen.

dpa, hb