Auch HDE-Präsident Sankjohanser sagt dem Handel ein gutes Weihnachtsgeschäft vorher. Sorgen bereiten ihm allerdings die Pläne der Großen Koalition - und von Verdi.

In den immer lauter werdenden Protest der Wirtschaft gegen einen möglichen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro stimmt nun auch der Handelsverband Deutschland (HDE) ein. Präsident Josef Sanktjohanser hält diese Lohnhöhe im Handel für eine Katastrophe. "Kleine und mittlere Unternehmen in strukturschwachen Regionen können nicht so viel zahlen und wären reihenweise in ihrer Existenz bedroht", sagte er der Tageszeitung "Die Welt".

"Wir sind daher strikt gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Zumal die 8,50 Euro politisch festgelegt sind und nicht ökonomisch hergeleitet. Es muss weiterhin Sache der Tarifpartner bleiben, über Löhne zu verhandeln. Dann sind auch regionale Differenzierungen möglich. Das rettet Arbeitsplätze", so der HDE-Präsident weiter. In Metropolen lägen die Löhne im Handel längst über der Marke von 8,50 Euro.

Bei den laufenden Koalitionsverhandlungen von Union und SPD geraten die Interessen der Wirtschaft aus Sicht des Handels zunehmend aus dem Blick. "Da muss da und dort auch öffentlich ein bisschen mehr Kante gezeigt werden", antwortete Sanktjohanser auf dem an diesem Mittwoch begonnenen Deutschen Handelskongress in Berlin auf die Frage, ob CDU und CSU sich zu sehr von den Sozialdemokraten treiben ließen. Unternehmen investierten, wenn sie sich wohl fühlten und die Rahmenbedingungen stimmen, hob Sanktjohanser hervor. "Da sollte die CDU, vor allem weil die FDP nicht mehr im Bundestag ist, diese Stafette aufnehmen."

Sanktjohanser rechnet demnach fest mit einem flächendeckenden Mindestlohn und kritisierte, dass Schwarz-Rot damit die Tarifautonomie als "großes Institut in unserer Wirtschaft" durch politische Entscheidungen ersetzte. "Generell erleben wir Verhandlungen, die regulierende Themen mehr beherrschen als Themen, die die Wirtschaft fördern und Investitionen anregen."

Schlussverkäufe im Weihnachtsgeschäft

Das Weihnachtsgeschäft wird in diesem Jahr nach Einschätzung Sanktjohansers erstmals die Marke von 80 Milliarden Euro überschreiten. Hintergrund seien steigende Löhne, eine gute Beschäftigungslage und eine niedrige Inflation.

In den Läden lasse sich eine zunehmende Hektik bei Preisnachlässen feststellen. "Nie gab es mehr Schlussverkäufe als heute", sagte Sanktjohanser. Grund dafür seien die immer neuen Möglichkeiten des Online-Shoppings. Schließlich versuchten sich die neuen Anbieter zuerst über den Preis zu etablieren. "Es gibt nahezu täglich neue Konkurrenten - unabhängig davon, wie viele dieser Geschäftsideen sich am Ende tatsächlich rechnen."

Freilich könnten laut HDE-Präsident Störfeuer das Weihnachtsgeschäft negativ beeinflussen. "Da sind zum Beispiel die steigenden Energiepreise. Sie senken die Kaufkraft der Verbraucher in einer für die Binnenkonjunktur sehr gefährlichen Art und Weise.", so Sanktjohanser. Zudem bestehe in der Handelsbranche große Unsicherheit durch die laufenden Koalitionsverhandlungen. "Steuererhöhungen scheinen noch immer nicht vom Tisch."

"Ich warne die Gewerkschaft"

Und schließlich befürchtet Sanktjohanser Streiks im Weihnachtsgeschäft. "Das hat Verdi zuletzt ja mehrfach betont. Ich warne die Gewerkschaft allerdings vor einem Arbeitskampf im Weihnachtsgeschäft. Wer die Unternehmen in dieser wichtigen Zeit belastet, spielt auch mit dem Schicksal der Beschäftigten." Seit geraumer Zeit verhandeln Einzelhandelsarbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi um einen neuen Tarifvertrag. Bisher gibt es keine Ergebnisse. Für Sanktjohanser ist es immerhin ein positives Signal, "dass die Verhandlungen nicht vor dem Abbruch stehen".

An diesem Mittwoch hat in Berlin der Deutsche Handelskongress begonnen. Für den morgigen zweiten Tag der Veranstaltung wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.