Eine Initiative wird Corporate- Governance-Regeln speziell für Verbundgruppen und Franchisesysteme ausarbeiten.

Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis zur Verärgerung: Kaum ein Manager bleibt beim Thema Corporate Governance für Kooperationen indifferent. „Es gibt eine starke Polarisierung der Meinungen", bestätigt Harald Ewig, Leiter des Bereichs Verbundgruppen und Kooperationen bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.
 
Zusammen mit dem Internationalen Centrum für Franchising und Cooperation (F&C) der Universität Münster hat PwC eine Initiative ins Leben gerufen, um spezielle Governance-Regeln für kooperative Netzwerke aufzustellen.

Leitlinien für Kooperationen

Das Projekt „Network Governance" soll Grundsätze und Leitlinien für eine verantwortungsvolle und ethisch korrekte Unternehmensführung in Kooperationen ausarbeiten. Dabei soll laut Ewig keine Konkurrenz zu bestehenden Regelwerken wie dem deutschen Corporate-Governance-Kodex entstehen: „Der Verhaltenskodex für Netzwerke ergänzt die vorhandenen Standards für Großbetriebe", stellt er klar.

Gerade in Kooperationen, die auf ein offenes Miteinander zwischen Zentrale und Partnern angewiesen sind, seien spezielle Regelungen notwendig, um die besondere Struktur dieser Unternehmen zu berücksichtigen. „Die Netzwerke haben spezifische Felder, die vom Kodex gezielt abgedeckt werden sollen", bekräftigte Gerd Bovensiepen, Leiter des Competence Centers Retail & Consumer bei PwC.

Klare Spielregel definieren

Über den Dächern Berlins im PwC-Gebäude am Potsdamer Platz kamen Ende Mai Wissenschaftler, Kooperationsexperten und Führungskräfte aus Verbundgruppen und Franchisesystemen zusammen, um über den Network-Governance-Kodex zu debattieren.

Die Idee eines Kodex findet derzeit vor allem in Großunternehmen Anklang, im Mittelstand sei das Thema dagegen „noch nicht angekommen", betonte Gastredner Hartmut Schauerte, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Dabei trügen vernünftige Verhaltensregeln zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen bei - indem sie Konflikte vermeiden, Vertrauen spenden und die Identifikation mit der Firma stärken. „Man sollte aber darauf achten, dass keine zusätzliche Bürokratie entsteht", mahnte Schauerte.

Dieses Kunststück zu schaffen - die Erstellung eines Kodex, ohne dass bürokratische Hürden entstehen - ist nun die Aufgabe einer Kommission aus Wissenschaftlern, Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten und weiteren Spezialisten, die sich unter der Leitung des Kooperationsexperten Dr. Günter Olesch um die konkrete Ausgestaltung des Regelwerks kümmert.

Drei Verbände sind im Boot: der Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV), der Deutsche Franchise-Verband sowie der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband.

Mehr Transparenz schaffen

„Wir möchten für unsere Mitglieder einen Korridor schaffen, innerhalb dessen Grenzen sie sicher Entscheidungen treffen können", begrüßt ZGV-Chef und Kommissionsmitglied Ludwig Veltmann die Initiative.
 
Bestehende Kodizes seien bislang zu sehr auf die Bedürfnisse von stark hierarchisch strukturierten Unternehmen ausgerichtet. „In Kooperationen finden Entscheidungen in vielen Köpfen statt", bekräftigt Veltmann, der sich ein Reglement wünscht, das „wirklich gelebt wird - und nicht nur eingerahmt an der Wand hängt."

Der Network-Governance-Kodex soll auf fünf Prinzipien basieren. Darunter sind die Schaffung von Transparenz, die Implementierung eines Risikomanagement-Systems und die Einrichtung eines Kontrollgremiums. Eine Befragung von PwC und vom F&C-Institut zeigt, dass einige Kooperationen bei der Transparenz nachlegen müssen: Laut Untersuchung werden bei 18 Prozent der Verbundgruppen und 29 Prozent der Franchisezentralen die geltenden Publizitätsvorschriften im Rahmen des neuen Gesetzes zum elektronischen Handelsregister nicht erfüllt.

Nachfolge vielfach ungeklärt

Wie die Studie zeigt, verfügen 87,5 Prozent der Verbundgruppen über ein Risikomanagement-System, bei den Franchisesystemen sind es jedoch lediglich 42,5 Prozent der Unternehmen. Dabei sei die Risikoabsicherung ein wichtiges Kriterium für das Unternehmensrating. Ein externes Berichtsystem haben lediglich 19,4 Prozent der Franchise- und 35,5 Prozent der Verbundgruppenzentralen.

Auch in punkto Planung der Unternehmensnachfolge haben viele Firmen Nachholbedarf: Nur 29,7 Prozent der befragten Franchisesysteme und 38,7 Prozent der Verbundgruppen gaben an, bereits über eine solche Regelung zu verfügen.

Bei der Weitergabe von Unternehmensinformationen nach innen und außen zeigen sich die befragten Firmenchefs zwiespältig: Von einer offenen Informationspolitik erwarten 76 Prozent der Franchise- und 80 Prozent der Verbundgruppenmanager positive Impulse für den wirtschaftlichen Erfolg. Tatsächlich gehen sie jedoch sehr restriktiv mit der Weitergabe von sensiblen Daten wie betrieblichen Kennzahlen um.

„Die Strukturen wurden in einigen Kooperationen bewusst angelegt, um die Transparenz zu verhindern", weiß PwC-Experte Ewig. Dieses Vorgehen müsse endlich der Vergangenheit angehören - denn Offenheit und anschauliche Strukturen schaffen Vertrauen bei Partnern, Kunden und auch bei den Banken - zum Wohle des gesamten Netzwerks.