Seit Donnerstag läuft in Hannover die 62. Internationale Automobil-Ausstellung für Nutzfahrzeuge. Umweltthemen bestimmen die Messe.

Die gestiegenen Rohstoffpreise, veränderte politische Rahmenbedingungen wie neue Lenk- und Ruhezeiten sowie erhöhte Maut oder Lkw-Durchfahrtsverbote in den Innenstädten lassen die 62. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) für Nutzfahrzeuge noch bis 2. Oktober 2008 in den Messehallen von Hannover noch grüner werden als ursprünglich geplant.

Entsprechend stehen unter dem Messe-Motto „Nutzfahrzeuge: Für alle unterwegs" alternative Antriebe, rollwiderstandsarme Reifen und Aerodynamikverbesserungen ganz hoch im Kurs - wobei noch nicht alles serienreif ist, was gezeigt wird.

Hausaufgaben machen

Dazu gehören unter anderem die EGR-gereinigten Euro-5-Motoren von MAN, die in 320-, 360- und 400-PS-Version auf dem 10,5 Liter „kleinen” D 20 basieren, während 440 und 480 PS ihre Kraft aus dem 12,4 Liter großen D 26 schöpfen. Noch sauberer sind die 320 und 360 PS starken D-20-Aggregate, die per SCR gereinigt werden und sogar die EEV-Norm schaffen, was für den Einsatz in der Stadt von Bedeutung ist - wenn auch vorerst nicht in Deutschland. Das EEV-Programm ergänzt die Topmotorisierung, der 680 PS starke D 28.

Erste Fahrten mit Euro-5-EGR-Vorserienfahrzeugen verliefen noch ernüchternd: Subjektiv wirken die in Produktion befindlichen SCR-Aggregate agiler, was Leistung und Drehmoment angeht, aber MAN-„Motorenpapst” Wolfgang Held weiß, „dass man noch ein wenig Hausaufgaben machen muss”. Bis zum Serienanlauf sollen die EGR-Motoren gegenüber SCR kraft- und natürlich verbrauchsneutral sein.

EEV auch bei Scania

Eine sogenannte Einblattparabelfeder und eine direktere Lenkung sollen das Leergewicht der Fahrzeuge senken. EGR mit Euro 5 hält auch bei den Modellen TGL und TGM Einzug, denen ab 180 PS ein Doppelturbo für Kraft sorgt. Nach oben rundet der 340 PS starke TGM das Programm ab.

EEV ist auch bei Scania Thema, allerdings erst bei den Fünfzylindern von 230 bis 280 PS. Kein Geheimnis ist, dass man auch die V8 via EGR auf Euro 5 hieven wird - allerdings nicht vor 2009. EGR-gereinigte Euro-5-Motoren gibt es seit Ende 2007, wenngleich der Vorteil, nur Diesel tanken zu müssen, bedeutet, dass in der Praxis nicht die günstigsten Verbrauchswerte im Feld geboten werden.

DAF setzt auf Hybridmotoren

Weniger EGR-ambitioniert zeigen sich DAF und Iveco. Die Niederländer treiben stattdessen zusammen mit dem Mutterkonzern Paccar die Hybridentwicklung voran, die als Erstes beim Modell LF zum Einsatz kommen dürfte. Im Verteilerverkehr, wo der Diesel oft ohne Last läuft, lohnt sich eine elektrische Hilfe am ehesten. Deshalb geht zur IAA als Erster der MAN TGL in Serie. Mehrkosten: 20.000 Euro.

Alternativen zum Diesel sieht Iveco im Erdgas: Neben dem Daily soll jetzt auch der Stralis in einer Erdgasversion des Cursor 8 ins Rennen gehen. Der Vorteil der Fahrzeuge: Bei ihnen wird ein Hubraum- und drehmomentstarker Dieselmotor auf Fremdzündung umgestellt, wodurch Leistung und Drehmoment nahezu gleich bleiben.

Eurocargo abermals geliftet

Wichtigste Neuheit des Konzerns ist jedoch der abermals geliftete Eurocargo, dem man neben äußeren Retuschen eine komplett neue, hochwertigere Instrumententafel und die automatisierte AS-Tronic von ZF spendierte.

Marktführer Daimler widmete sich dagegen einmal mehr dem Actros, bei dem exakt 37 Änderungen anstanden, von denen viele kosmetischer Natur sind. Interessant ist vor allem das jetzt serienmäßige Power-shift-Getriebe, das abermals verbessert wurde. Der nun hauptsächlich im Schubbetrieb arbeitende Luftpresser und die elektronische Kupplung des Zulieferers Linning sollen den Verbrauch um rund 1 Prozent drücken. Das Sicherheitsniveau ist hoch: ESP, Abstandsregelung und Notbremsassistent sollen Unfälle vermeiden helfen.

Wo bleibt der neue Renault-Laster?

Motorisch blieb alles beim Alten, was nicht verwundert, da sich mittlerweile schon der getarnte Nachfolger warmfährt, der über die neuen, EGR-gereinigten Weltmotoren verfügen dürfte, die bislang ausschließlich in den USA und Japan zum Einsatz kommen. Erwartet wird das Fahrzeug laut Daimler allerdings „nicht vor 2010”.

So lange wird man auch auf komplett neue Fernverkehrlaster von Renault respektive Volvo warten müssen. Entsprechend überarbeitete das Duo seine Baureihen Magnum beziehungsweise FM und FH noch einmal: Dem Magnum setzte Renault endlich ein höheres Dach auf, was die Platzverhältnisse im Innenraum deutlich verbessert.

Volvo mit LXL-Kabine

Bei der Gelegenheit optimierte man den hinteren Teil der Kabine, sodass die Bereiche Arbeiten, Fahren und Wohnen jetzt noch stärker voneinander zu trennen sind. Technisch blieb alles beim Alten: Zwei Motoren mit 460 und 500 PS sorgen für Vortrieb.

Die kommen fast baugleich auch bei der Konzernmutter Volvo zum Einsatz. Hier erweiterte man die Motorenauswahl beim FM um den elf Liter großen D 11, der gegenüber dem D 13 140 Kilogramm Gewicht sparen soll und 390 respektive 430 PS leistet. Mit einer neuen „LXL” genannten Kabine hat Volvo einen Laster speziell für den gewichtssensiblen Fernverkehr auf die Räder gestellt, der aufgrund seines massiven Fahrerhauses allerdings immer noch eher zu den schweren Brocken des Segments zählt.

Weniger schwer wiegt das im wahrsten Sinne des Wortes bei den überarbeiteten FH-Modellen. Hier beschränkte man sich im Wesentlichen auf Änderungen an der knapp geschnittenen Kabine, während das Motorenprogramm praktisch unverändert blieb. Weiter spielt Volvo die Sicherheitskarte: ESP gibt es erstmalig für 6x2-Motorwagen, wie MAN bietet man auch ein Kurvenlicht an.

MAN bleibt auch in der Spur

Ebenfalls auch bei MAN schon erhältlich ist der Spurbindungsassistent, den Volvo „Driver Alert” nennt. Außerdem soll den Fahrer beim Spurwechsel LCS unterstützen, das per Radar den Verkehrsraum rechts neben dem Lkw überwacht und warnen soll, falls sich ein Fahrzeug direkt neben dem FH befindet.

Die Lkw-Hersteller sind sich also einig: Mehr Sicherheit bei weniger Verbrauch heißen die Hauptziele, wobei zahlreiche Innovationen dazu von den Zulieferern kommen. So hat ZF einen neuen, kräftigeren Retarder vorgestellt und tüftelt weiter an Hybridlösungen. Auch einen komplett fernsteuerbaren Versuchsträger haben die Friedrichshafener schon auf die Räder gesetzt - mit elektronischer Ansteuerung der Lenkung, die vorn einzeln aufgehängte Räder befehligt. Auch Voith blickt innovativ in die Zukunft.

Leichter und windschlüpfrigr

Die Trailer-Hersteller verbessern ihre Produkte im Detail, vor allem die Bedienung wird verbessert. Besser schließende Curtainsider-Planen und gerade Dachbäume, die mehr lichte Breite auch im Dachbereich bieten, sowie ins Dach integrierte Gurte bei der Ladungssicherung nach Code 12642 XL sind hier die Schwerpunkte. Bei den Kühlern verbessert man die Luftführung und die Telematik, die sich durch eine Optimierung der Hardware leichter integrieren lässt.

Weitere Schwerpunkte sind Gewicht und Aerodynamik: Zwar bleibt vom Kohlefaser-Trailer Kögel Phoenixx in der Grundausstattung nur ein schnöder Leichtbautrailer aus Stahl, wie ihn die Konkurrenten ähnlich hinbekommen. Trotzdem forscht man hinter den Kulissen weiter an alternativen Materialien. Schmitz nutzt Verbundwerkstoffe beispielsweise dazu, das Gewicht der Luftkessel zu reduzieren.

Vollverkleidete aerodynamisch optimierte Auflieger feiern bei Krone ihr Comeback. Der Ecoliner soll dem Spediteur helfen, Sprit zu sparen und das nicht zu knapp: Mindestens 6 Prozent sollen drin sein, tendenziell eher mehr.

Gregor Soller

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