Die Expansion der Apple-Stores macht kleinen Computerhändlern zu schaffen. Die Kette Gravis freut sich zwar über die Konkurrenz, sorgt sich aber um fairen Wettbewerb.

Reinhard Weidinger klingt fatalistisch: „Am 6. Dezember 2008 ist mein Privatkundengeschäft zu Ende gegangen." Auch das sonst so lukrative Weihnachtsgeschäft fiel im vorigen Jahr aus - zumindest was eine Produktgruppe betraf: Apple-Computer.

Weidinger ist als selbstständiger Fachhändler ein Apple-Pionier in Deutschland. Seit 1990 verkauft er in München die amerikanischen Rechner. Doch am Nikolaustag 2008 sind für die Computersparte in Weidingers Geschäft „In Time" im Stadtteil Maxvorstadt schwere Zeiten angebrochen - ausgerechnet wegen Apple.

Flagship-Store in unmittelbarer Umgebung

In gut zwei Kilometer Luftlinie Entfernung hat an diesem Tag das kalifornische Unternehmen seinen ersten Store in Deutschland eröffnet. In der Rosenstraße, direkt am Marienplatz - beste Lage in München. Das Geschäft in der bayerischen Landeshauptstadt war die Nummer 251 im weltweiten Ladennetz von Apple.

Weidinger hat erlebt, was passiert, wenn jemand Apple in die Quere kommt - oder auch nur öffentlich kritisiert. „Der Store wird uns schaden", klagte der Händler im vorigen Jahr gegenüber Journalisten. Außerdem wetterte er über frühere Erlebnisse bei der Warenverteilung: „Wir konnten wochenlang keine MacBooks liefern, während die Geräte im Onlinestore von Apple vorrätig waren."

Harsche Reaktion von Apple

Nur einen Tag nachdem diese Worte in ganz Deutschland zu lesen waren, bekam Weidinger Besuch von Apple-Mitarbeitern, die ihm die Lizenz für seine Apple-Werkstatt zum 31. März dieses Jahres kündigten, erzählt der Unternehmer im Gespräch mit Der Handel. Vorderhand seien formale Verstöße als Kündigungsgrund angeführt worden: Er habe statt wie vorgeschrieben zwei festangestellte Techniker nur zwei freiberufliche Werkstattkräfte beschäftigt.

Der 55 Jahre alte Geschäftsmann hat sein Sortiment mittlerweile umgestellt. Die Computersparte besteht heute fast nur noch aus Service für seine bisherigen Geschäftskunden, ansonsten verkauft der Münchner hochwertige Lautsprecher und Desig­ner-Uhren.

Schicke Erlebniswelt

Auf Händler wie Weidinger könnten schwere Zeiten zukommen - denn der Apple-Store in München war nur der Auftakt für die Expansion in Deutschland. Die Personalsuche für eine neue Filiale in Hamburg ist bereits im Gange. Und demnächst wird wohl in Frankfurt der dritte deutsche Apple-Store eröffnet werden.

Der deutsche Apple-Sprecher Georg Albrecht mag dies auf Anfrage von Der Handel nicht kommentieren, er verrät generell nicht viel zu den Expansionsplänen seines Unternehmens. Immerhin: „Mit Vorfreude blicken wir auf die Eröffnung weiterer Geschäfte", lautet Albrechts Standardsatz.

Der Laden in München laufe gut, versichert Albrecht. Attraktiv ist die schicke Erlebniswelt allemal. Die offenen Verkaufsflächen laden zum Produkttesten und Internetsurfen ein. In einer Ecke im Erdgeschoss werden Workshops für Computer-Einsteiger angeboten. Die Etage darüber erinnert an die Abfertigungshalle eines Flughafens: Auf Displays stehen die Namen der Kunden, die zur Beratung an der Reihe sind.

Gravis bleibt entspannt

Archibald Horlitz gibt sich entspannt. Gravis ist der größte deutsche Händler für Apple-Produkte - und bekommt in Frankfurt nun offenbar abermals Konkurrenz direkt vor der eigenen Ladentür: Denn auch in München liegen zwischen der Gravis-Filiale und dem neuen Apple-Store nur 300 Meter.

Trotzdem sei die Eröffnung einer Filiale des „Großen Bruders" „keine Katastrophe für uns" gewesen, versichert Horlitz im Gespräch mit Der Handel. Zwar sei der Absatz des Multimediageräts iPod leicht rückläufig gewesen, „doch in Sachen Serviceleistungen und Reparatur haben wir seitdem eher einen Zustrom".

Für Horlitz sind die schicken Outlets mit dem Apfel sogar eher eine Bereicherung als eine Bedrohung. „Die Sichtbarkeit dieser Marke kann noch größer sein", sagt er. Die Präsentation der Produkte bei Media Markt oder Saturn hält er nicht für optimal. „Deswegen begrüßen wir es, wenn Apple Flagge zeigt."

"Keine Spielchen"

Weniger gelassen ist der Unternehmenschef allerdings, wenn er sich zu einer möglichen Ungleichbehandlung bei der Warenzuteilung von Apple äußern soll. Horlitz fordert „fairen Wettbewerb auf der Preis- und Wettbewerbsseite" und kündigt an, dass er „entschieden" in die Opposition gehen werde, „wenn Apple Spielchen spielen sollte".

Dass der Wind für Gravis rauer werden dürfte, lässt sich aus einer Aussage von Apple-Sprecher Albrecht ableiten. Dieser antwortete auf die Frage, ob Gravis als bisher treuer Handelspartner Sicherheiten zu erwarten habe: „Garantien kann in der schnelllebigen IT-Landschaft niemand geben."

Steffen Gerth

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 6/2009 von Der Handel erschienen.