Im Segment zwischen Pkw-Van und Nutzfahrzeug herrscht reges Neuheitengedränge. Ein Franzose und ein Deutscher geben aber den Ton an.

Zur IAA 2006 versuchten sich die Hersteller von Transportern mit Neuheiten gegenseitig zu überflügeln. Diesmal sorgen die Kleinen für Furore. Wobei die meisten „Neuheiten” im „Zwittersegment” zwischen Personen- und Lastkraftwagen bereits auf den Salons der Pkw-Branche Premieren feierten. In Hannover liegt der Schwerpunkt nun auf den nutzwertigen Varianten von Renault Kangoo oder VW Caddy.
 
Wobei gerade Renault mit dem Kangoo-Ableger Compact den von Fiat Fiorino und den baugleichen Peugeot Bipper und Citroën Nemo angeregten Trend zur „Nummer kleiner” zur IAA bedient. Nachteil des Kompakt-Franzosen: keine Schiebetüren und die stämmige Breite des Standard-Kangoo von über 1,8 Meter.

Schalten per Roboter

Das könnte gerade im städtischen Lieferverkehr zu viel sein. Hier sind Fiorino und Brüder in ihrem Element, die sich mit 1,68 Meter Breite durch jede noch so enge Gasse schlängeln.

Zur IAA geht es übrigens auch schaltautomatisiert: Peugeot nennt den auch bei Citroën und Fiat für den Diesel erhältlichen Schaltroboter „2Tronic”. Er kostet 750 Euro, nimmt die Schaltarbeit ab und soll mit 4,4 Litern pro 100 Kilometer noch einen Tick sparsamer sein als der Handschalter.

Mit Erdgas 300 Kilometer weit fahren

Ansonsten ist Fiat im Micro-Van-Trio am umtriebigsten: Vor allem die Fiorino-Versionen Elektro und Erdgas passen bestens in die Zeit. Der mit dem italienischen Spezialisten Micro-Vette entwickelte E-Van leistet 30 kW kontinuierlich und 60 kW sowie 230 Nm Drehmoment im Maximum und bietet eine Reichweite von 100 Kilometern im städtischen ECE-Zyklus. Die schnellladenden Lithium-Ionen-Batterien liegen unterflur.

Der auf dem Panda basierende bivalente Erdgas-Fiorino trägt zwar eine der beiden Gasflaschen unter einer glatten Abdeckung im Kofferraum, bietet dennoch ordentliches Ladevolumen und 450 Kilogramm Nutzlast. Er kommt im Erdgasmodus starke 300 Kilometer weit, mit Benzin weitere 550 Kilometer, der 1,4-Liter-Otto-Motor leistet 65 respektive 73 PS (Benzin/Gas).

Öko-Caddy

Gas gibt übrigens auch VW Nutzfahrzeuge, dessen Caddy Ecofuel in kurzer Zeit zum CNG-Marktführer avancierte. Den Vorsprung soll ein konsequent gemachter Maxi Ecofuel ausbauen, der im Gegensatz zum Fiat Doblo Maxi Erdgas mit einer Gasflasche mehr unter dem Boden 570 Kilometer Reichweite schafft. Auf der Öko-Schiene fährt auch die Blue-Motion-Version des Caddy, die mit allerlei kostengünstigen Spritsparmaßnahmen mit 5,7 Litern 0,6 Liter weniger als das Standardmodell brauchen soll.

Apropos Alternativen: Mehr als nur Aufmerksamkeitspunkte will der bei Karmann Osnabrück seit Kurzem gefertigte Eco Carrier sammeln. Das auf einem Alu-Space-Frame basierende Transportgefährt, das als Pritsche oder Koffer, Zwei- oder Dreiachser mit 500 oder 1.000 Kilogramm Nutzlast lieferbar ist, schafft mit einem 25-PS-Motor bis zu 100 Kilometer Reichweite. Eine Hybridversion ist in Planung.

Das doppelte Flottchen

Ansonsten sorgt das doppelte Flottchen von PSA, Berlingo und Partner auf der IAA für Furore. Mit zahlreichen Branchenlösungen wollen die französischen Zwillinge schnell Grip unter die Räder bekommen. Bevor die Konkurrenz noch dichter wird: Fiat Doblo II, der wohl ein gestreckter Fiorino wird, und der nächste Opel Combo stehen bereit, und lassen vielleicht schon auf der Messe von sich hören.

Johannes Reichel

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