Mit Horst Piepenburg wurde ein erfahrener Insolvenzspezialist zum Generalbevollmächtigten von Arcandor ernannt. Er hat schon Ihr Platz und SinnLeffers erfolgreich saniert.

Der renommierte Insolvenzexperten Horst Piepenburg wurde zum Generalbevollmächtigten der Arcandor AG bestellt. Der Düsseldorfer soll die operative Führung der Geschäfte von Arcandor übernehmen. Das Essener Amtsgericht hatte zuvor am Dienstag den Kölner Anwalt Dr. Klaus Hubert Görg zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt.

Das Duo soll nach Erklärung von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick das Insolvenzverfahren gemeinsam bewältigen. Angestrebt ist ein Plan-Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. "Heute ist Deutschlands größtes Insolvenzverfahren eingeleitet worden", sagte Piepenburg am Arcandor-Hauptsitz in Essen. "In erster Linie geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Und es geht um den Erhalt des Konzerns. Dazu biete das Insolvenzverfahren gute Möglichkeiten", so der 55-jährige Insolvenzexperte in einer ersten Erklärung.

Die Bestellung des 68-jährigen Görg als Insolvenzverwalter sorgt in der Fachwelt für Aufsehen. "Denn der Gründer und Namenspartner von Görg Rechtsanwälte arbeitete in den vergangenen Jahren nicht mehr als Insolvenzverwalter, wohl aber als Berater in Sanierungsfällen", kommentiert die Fachzeitschrift Juve. "Offenbar sah das Amtsgericht eine Ausnahmesituation, so dass es mit Görg auf einen in Großverwaltungen erfahrenen Juristen zurückgriff."

Bei Babcock ein Meisterstück gelungen

Horst Piepenburg wird von der Fachzetschrift für den juristischen Personalmarkt als einer der "momentan am meisten beschäftigten Sanierungsanwälte", beschrieben, der sowohl operative Funktionen als auch gerichtliche Insolvenzverfahren übernehme.

"Piepenburg ist ein schlauer Sanierer, der weiß, was er will und ein Kumpel zum Biertrinken", so formulierte es ein ehemaliger Betriebsrat beim ehemaligen Oberhausener Babcock-Konzern den künftigen Generalbevollmächtigten.

Der Düsseldorfer Insolvenzanwalt hatte im Sommer 2002 den Chefposten beim insolventen Maschinenbaukonzern übernommen. Ihm gelang damals ein Meisterstück: In gut einem Jahr schaffte Piepenburg es, das Unternehmen in Einzelteilen zu verkaufen und so 18.000 von 21.000 Jobs zu erhalten.

Gute Aussichten für den Erhalt des Konzerns

Jetzt setzen mehr als 50.000 verunsicherte Karstadt-, Quelle- und Primondo-Beschäftigte auf Piepenburg als Sanierer. Es ist das größte Insolvenzverfahren in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Bei seinem ersten Auftritt am Dienstag vor der Essener Arcandor-Zentrale machte der Manager mit vollem Haar, Seitenscheitel und selbstbewusst blitzenden Augen den Mitarbeitern schon Mut: Es gebe gute Aussichten für den Erhalt des Konzerns in allen Bestandteilen. "Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate", rief er.

Küppersbusch-Sanierung als Meisterstück

Der 1954 geborene Piepenburg stammt aus Rees am Niederrhein und hat drei Kinder. Sein Vater führte ein mittelständisches Büromöbelunternehmen. 1982 stieg Piepenburg nach dem Jurastudium in eine Insolvenzkanzlei ein. Sein erster Fall war der Gelsenkirchener Küchengerätehersteller Küppersbusch.

Zehn Jahre später übernahm der Jurist die Kanzlei. Seine Fälle wurden immer größer. In den Schlagzeilen stand er etwa, nachdem er für die Ruhrorter Schiffswerft in Duisburg eine Sanierungslösung gefunden hatte. Die Belegschaft schenkte ihm damals einen grünen Helm - die Farbe durfte auf der Werft nur er tragen.

Heute führt Piepenburg eine der großen deutschen Fachkanzleien für Insolvenzrecht. Weggefährten bescheinigen ihm nach vielen hundert dieser Verfahren zwei zentrale Eigenschaften für den Umgang mit ins Trudeln geratenen Firmen: Zielstrebigkeit und juristische Fachkenntnis einerseits und zugleich Fingerspitzengefühl im Umgang mit der oft verängstigten Belegschaft.

SinnLeffers und Ihr Platz erfolgreich zurück auf Kurs gebracht

Wunder kann aber natürlich auch Piepenburg nicht vollbringen: Bei der Modekette SinnLeffers, einer ehemaligen Karstadt-Tochter, die Ende 2008 Insolvenz anmeldete, schaffte Piepenburg als Gläubiger-Vertreter im Insolvenzplanverfahren die Wende. SinnLeffers wurde in diesem Frühjahr aus der Insolvenz entlassen. 23 der einst 47 SinnLeffers-Häuser mussten allerdings schließen. Die Beschäftigtenzahl schrumpfte um rund die Hälfte auf knapp 2.000.

Auch die Sanierung des Drogeriekette Ihr Platz konnte weniger als acht Monate nach der Stellung des Insolvenzantrags Ende Mai 2005 nach einer von Piepenburg geleiteten Restrukturierung abgeschlossen werden. Der Insolvenzplan wurde damals sechs Wochen früher als vorgesehen erfüllt.