Nach dem Konjunkturgipfel geloben die Banken Besserung bei der Kreditvergabe. Doch auch Unternehmer müssen Ihre Hausaufgaben machen, wenn sie einen Kredit beantragen wollen.

Nach dem Konjunkturgipfel im Kanzleramt gelobt die Finanzbranche, reichlich liquide Mittel für die Kreditversorgung der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Bis zu zehn Milliarden Euro für Unternehmensfinanzierungen hatte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) schon im Vorfeld zugesagt. Martin Blessing sicherte für die Commerzbank AG ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro zu.

Überraschend schlug der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann am gestrigen Mittwochabend zusätzlich die Einrichtung  eines gemeinsames Fonds von mehreren Kreditinstituten zur Unterstützung des Eigenkapitals von Unternehmen vor.

Bemerkenswerte Selbstverpflichtung der Banken

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle lobte die Initiative als "bemerkenswerte Selbstverpflichtung der Bankbranche, um eine drohende Kreditklemme zu verhindern". Unter anderem ist vorgesehen, mittelständischen Unternehmen mit speziellen Finanzinstrumenten Ersatz für fehlendes Eigenkapital zu bieten.

Die Bundesregierung wird darüber hinaus mit Hans-Joachim Metternich einen Ansprechpartner als Vermittler zwischen Banken und Unternehmen einsetzen. Der Chef der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz soll als "Kreditmediator" Beschwerden von Unternehmen bündeln und damit ein Ohr am Puls des Marktes für die Bundesregierung sein.

Schechte Bilanzen, maues Rating, mehr Eigenkaptial

Zwar betonte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass es keine "flächendeckende Kreditklemme" in Deutschland gebe, doch es wächst die Angst vor der Entwicklung in den nächsten Monaten. Wenn die Ratings der Unternehmen aufgrund der krisenbedingt schlechten Bilanzen abrutschen, müssen die Banken ihre Kreditengagements mit mehr Eigenkapital unterlegen.

Doch die Risikotragfähigkeit viele Institute ist durch die Krise ebenfalls belastet. Vor einer auseinanderklaffenden Schere zwischen Kreditnachfrage und -angebot hatte deshalb jüngst der Vorstandssprecher der KfW Bankengruppe Ulrich Schröder gewarnt.  

Zudem rollt bereits eine neue Pleitewelle an: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg in 2009 um 16 Prozent auf 34.300 Fälle, wie die Creditreform diese Woche mitteilte. Die Handelsbranche verlor in diesem Jahr nicht nur Woolworth und Arcandor sondern insgesamt 7.470 Unternehmen, was eine Steigerung von 18,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet.
 
Vor diesem Hintergrund müssen sich Unternehmen, die eine Finanzierung stemmen wollen, gut auf ein Bankgespräch vorbereiten. derhandel.de fragte Peter Degel, Fachanwalt für Steuerrecht, ver­eidigter Buchprüfer und Partner in der Darmstädter Wirtschaftskanzlei Moog, Moog & Partner, welche Schritte notwendig sind:

Herr Degel, wie bereitet sich ein mittelständischer Unternehmer richtig auf das Finanzierungsgespräch mit einem Geldinstitut vor?
In der Vergangenheit bereitete sich der Unternehmer in der Regel nicht intensiv auf das Finanzierungsgespräch vor. Dem Kreditinstitut wurden die letzten Jahresabschlüsse und aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen vorgelegt. Das zu finanzierende Vorhaben wurde im Gespräch vorgestellt und die künftige wirtschaftliche Entwicklung geschildert. Aber bereits nach Basel II wurden immer höhere Anforderungen an den Unternehmer gestellt.

Heute erwarten die Kreditinstitute nicht nur eine Darstellung der vergangenen und aktuellen Entwicklung mittels Jahresabschlüssen und betriebswirtschaftlichen Auswertungen, sondern auch eine genaue Darstellung der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens. Hierzu gehören Planungsrechnungen bezogen auf Ertrags- und Liquiditätslage sowei bei Investitionen auch Angaben, ob diese wirtschaftlich notwendig sind und dem Unternehmen neue Chancen eröffnen.

Peter Degel, Partner der Wirtschaftskanzlei Moog, Moog & Partner
Peter Degel, Partner der Wirtschaftskanzlei Moog, Moog & Partner
Zudem sollten sowohl die Finanzierung als die geplanten Investitionen vor dem Banktermin mit einem Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater erörtert werden, um das Vorhaben auf Chancen und Risiken sowie Plausibilität prüfen zu lassen. Der Unternehmer sollte seinen Finanzierungsbedarf als Projekt verstehen, welches er dem Kreditinstitut "verkaufen" will. Insoweit besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit Vertriebsaktivitäten.

Welche Arbeitsschritte sind zu erledigen, welche Unterlagen sollten vorliegen?
Zunächst sind die Geschäftsdaten der Vergangenheit und Gegenwart zusammenzustellen. Hierzu gehören die Jahresabschlüsse der vergangenen zwei Jahre sowie die betriebswirtschaftlichen Auswertungen des aktuellen Geschäftsjahres. Aber möglichst mit einem Vorjahresvergleich, um die Entwicklung aufzeigen zu können. Die Daten für mindestens die nächsten zwölf Monate sind zu ermitteln und in eine Ertrags- und eine Liquiditätsplanung zu übertragen.

Zudem sollten dem Kreditinstitut Branchendaten zur Entwicklung des nächsten Jahres vorgelegt werden. Hier sollte auch ausgeführt werden, wie der Unternehmer vor dem Hintergrund dieser Daten die Entwicklung seines Unternehmens in den nächsten zwölf Monaten sieht. Auf außergewöhnliche Umstände und Chancen sollte aufmerksam gemacht werden. Etwa welche Geschäftsabschlüsse demnächst erwartet werden und welche Auswirkung diese auf das Unternehmen haben werden. Diese Daten sollten auch in optisch ansprechender Form präsentiert werden.

Darüber hinaus sollte man sich mit dem Rating der Bank beschäftigten. Die Gewichtung von einzelnen Faktoren ist nicht bei allen Banken identisch. Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben unterschiedliche Ratingvorgaben. Spätestens jetzt sollte man Kontakt zu einem fachkundigen Berater aufnehmen, um vorbereitet zu sein.

Im Zusammenhang mit dem Rating der Banken ist auch von sogenannten weiche Faktoren die Rede. Was ist damit gemeint? 
Zu den weichen Faktoren gehört insbesondere die Einschätzung des Managements und seiner Kompetenz, die Zukunftsfähigkeit der Branche, die Zertifizierung des Unternehmens hinsichtlich der Arbeitsabläufe und ob ein internes Kontrollsystem eingerichtet wurde. Schließlich wird sich die Bank auch an die Geschäftsbeziehungen der Vergangenheit erinnern und hieraus bestimmte Schlüsse ziehen.

Was sind die drei Hauptfehler, die zu einem schlechten Rating durch die Bank führen können?
Die Kardinalfehler sind die schlechte Vorbereitung auf das Finanzierungsgespräch sowie das Einreichen unzulänglicher Unterlagen. Ein weiterer Fehler ist Unkenntnis über das Ratingsystem der jeweiligen Bank und hierbei die Gewichtung der harten und weichen Faktoren.

Zum Thema Bürgschaften und zinsgünstige Kredite: Welche Stolpersteine gibt es bei der Vergabe von KfW-Mitteln?
Bürgschaften der staatlichen Bürgschaftsbanken oder zinsgünstige Förderkredite der KfW sind interessante Finanzierungsmittel. Mit Hilfe der Staatsbürgschaften können die erforderlichen Sicherheiten für eine Kreditgewährung durch die Hausbank bereitgestellte werden. Die KfW-Programme sind sehr interessant für Mittelständler. Allerdings erfolgt die Kreditvergabe über die Hausbank. Eine direkte Kreditvergabe über die KfW ist nicht möglich. Dies führt in einigen Fällen zu Problemen, da die Hausbank den Kreditantrag bei der KfW stellen muss, häufig aber wenig Interesse an diesem für sie wenig lukrativen Durchleitungsprocedere hat.

Kommt es häufig vor, dass Sie oder ein Kollege Mandanten bei Kreditverhandlungen mit Banken oder Finanzinvestoren begleiten?
Die Begleitung von Mandanten zu Kreditverhandlungen wird mehr und mehr zur Regel. Kreditinstitute und Finanzinvestoren empfinden es als vorteilhaft, wenn der Kunde sich eines fachkundigen Beraters bedient, weil damit einerseits weitere Kompetenz ins Gespräch einfließt und andererseits dokumentiert wird, welche Wichtigkeit der Unternehmer dem Bankgespräch beimisst.