Zwar gab es 2012 so wenige Firmenzusammenbrüche wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Doch Großinsolvenzen auch aus dem Handel ließen den wirtschaftlichen Schaden mächtig anwachsen.

Die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland ist dank der robusten Konjunktur auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2000 gesunken. Die Amtsgerichte meldeten im vergangenen Jahr 28.304 Firmeninsolvenzen, das waren 6 Prozent weniger als 2011, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach vorläufigen Zahlen mitteilte.

Der wirtschaftliche Schaden stieg jedoch wegen großer Pleiten etwa im Handel und in der Solarbranche allerdings deutlich. Die Gerichte bezifferten die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger auf rund 51,7 Milliarden Euro (Vorjahr: 31,5 Milliarden).

2013 mehr Insolvenzen erwartet

Prominenteste "Opfer" in der Handelsbranche waren im Jahr 2012 Schlecker und der Versandhändler Neckermann. Vor allem das Aus des ehemaligen schwäbischen Drogiereriesen, verbunden mit der Arbeitslosigkeit von Tausenden Mitarbeiterinnen, sorgte für Aufsehen.

Experten erwarten, dass die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche in diesem Jahr angesichts unsicherer Konjunkturaussichten wieder zunimmt. Die wirtschaftliche Entwicklung sei in vielen Bereichen instabil, erklärte der Verband Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Es sei daher unklar, ob sich die positive Entwicklung fortsetze.

Einen Anstieg der Unternehmenszusammenbrüche hatte es den Statistikern zufolge zuletzt im Krisenjahr 2009 gegeben (plus 11,6 Prozent).

Privatinsolvenzen nehmen stark ab

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen verringerte sich im vergangenen Jahr ebenfalls. Sie sank um 5,5 Prozent auf 97.635 Fälle. Damit gab es zum dritten Mal seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 weniger Verbraucherpleiten.

Zum Jahresende gab es einen besonders starken Rückgang bei den Firmenpleiten (minus 24,4 Prozent) und den Verbraucherinsolvenzen (minus 23,3 Prozent). Allerdings hatte der Dezember 2012 weniger Arbeitstage als im Jahr zuvor, so dass die Gerichte den Angaben zufolge weniger Insolvenzanträge bearbeiten konnten. Die Wiesbadener Behörde erfasst in ihrer Statistik nur die Fälle, über die bereits entschieden wurde.