In nur 36 Jahren wuchs Schlecker aus den Anfängen in Baden-Württemberg zum europaweit agierenden Handelsriesen. Wir zeigen die wichtigsten Stationen der nun insolventen Drogeriekette.

Schlecker war jahrzehntelang die unangefochtene Nummer Eins der deutschen Drogerieketten. Doch die glorreiche Zeit ist vorbei, das angeschlagene Unternehmen hat Planinsolvenz angemeldet. Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

1944: Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

1965: Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

1974: Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

1975: Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

1984: Schlecker eröffnet seine eintausendste Drogerie.

1987: Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von "Superdrug" - Frankreich

1987: Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

1990er: Nach dem Ende der DDR expandiert Schlecker in die neuen Bundesländer.

1994: Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5.000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den "Drogeriekönig". Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

1998: Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

1999, 2004: erste polnische Schleckerfilialen; 2006 erste in Portugal

2007: Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette IhrPlatz

2008: Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

2009: Schlecker muss wieder einen Umsatzrückgang verbuchen. Das Unternehmen erwirtschaftete Erlöse in Höhe von 7,2 Milliarden Euro.

2010: Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer "Lex Schlecker" gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

2010: Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

2011: Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan "For You. Vor Ort." Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin "Forbes" führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

2012: Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen. Auch die Tochter IhrPlatz ist betroffen. Arndt Geiwitz wird vorläufiger Insolvenzverwalter. Das Vermögen der Familie ist angeblich komplett aufgezehrt.