Eine Rettung von Schlecker wird immer unwahrscheinlicher. Annehmbare Übernahmeangebote für die insolvente Drogeriekette fehlen nach wie vor. Derweil sieht Verdi die Politik gefordert.

Unterschriftsreife Investorenangebote sollen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa weiter nicht vorliegen. Nach Informationen der "Südwest Presse" ist am kommenden Freitag bei der entscheidenden Gläubigerausschuss-Sitzung ein Beschluss über die Zerschlagung der Drogeriekette zu erwarten.

"Das Urteil ist gefallen. Am kommenden Freitag gibt es nur die Verkündung", zitierte die Zeitung am Mittwoch Branchenkenner. Der größte Gläubiger und Kreditversicherer Euler Hermes wolle in dem Fall die Schuld am endgültigen Schlecker-Aus nicht auf sich nehmen.

Kreditversicherer auf dem Rückzug

"Sollte die Rettung nicht funktionieren, lag es nicht an uns, sondern daran, dass es kein Konzept gab", sagte ein Sprecher der Zeitung zufolge.

Euler Hermes habe bis zum Schluss konstruktiv mit dem Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zusammengearbeitet. Der Kreditversicherer hat Warenlieferungen an Schlecker von rund 300 Millionen Euro abgesichert.

Derzeit werden Konzepte des Karstadt-Eigners Nicolas Berggruen und - laut Medienberichten - des US-Investors Cerberus Capital Management geprüft.

Verdi fordert Sonderfonds der Bundesagentur für Arbeit

Am vergangenen Freitag hatten die drei größten Schlecker-Gläubiger Geiwitz eine letzte Galgenfrist von einer Woche gegeben, um einen Investor mit belastbarem Angebot zu präsentieren.

Gelingt ihm dies bis Freitagvormittag (1. Juni) nicht, wird der Betrieb eingestellt und restliche Vermögenswerte veräußert. Das würde auch das Aus für mehr als 14.300 Schlecker-Mitarbeiter bedeuten.

 An eine Abwicklung will die Gewerkschaft Verdi nicht denken. Kurz vor Ablauf der Frist forderte die Gewerkschaft einen Rettungsbeitrag von der Politik.

Die Bundesagentur für Arbeit soll zwei Monate lang das Gehalt der Belegschaft zahlen - aus einem Sonderfonds. "Das gibt dem Insolvenzverwalter mehr Raum bei der Investorensuche", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der dpa.

Mit Verdi hat Geiwitz bisher keine Einigung für einen angestrebten Sanierungsbeitrag erreicht. Geiwitz hatte eine Senkung der Personalkosten um 15 Prozent gefordert, Verdi bietet 10,5 Prozent.

dpa

Klicken Sie hier für eine Chronologie des Schlecker-Dramas.