Die Sitzung des Gläubigerausschusses Ende dieser Woche könnte bereits über die Zukunft von Schlecker entscheiden. Eine Zerschlagung der insolventen Drogeriekette scheint immer wahrscheinlicher.

Die Verhandlungen über eine Rettung der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker sind in den letzten Zügen. Eine Entscheidung über den Einstieg von Investoren könne bereits am Freitag in einer Sitzung des Gläubigerausschusses fallen, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" steht Schlecker aber schon am Freitag vor dem Aus. Das arabische Emirat Katar sei am Montag als möglicher Investor abgesprungen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Beteiligte des Verfahrens.

Lars und Meike Schlecker, die Kinder des Firmengründers Anton Schlecker, hätten das Emirat als Geldgeber vorgesehen. Katar sei jedoch nicht an Risikogeschäften interessiert. Deshalb habe man Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz abgesagt.

Schuldenberg an der Milliardengrenze

Auch das "Manager Magazin" hatte berichtet, die Zerschlagung Schleckers stehe unmittelbar bevor. Die Kette verliere derzeit täglich einen sechsstelligen Euro-Betrag.

Erschwerend kämen die rechtliche Probleme durch die tausenden Kündigungsschutzklagen hinzu. Der Schuldenberg des Unternehmens nähere sich der Milliardengrenze. Gläubiger drängten daher auf eine rasche Lösung.

Die beiden Hauptgläubiger sind die Einkaufsgenossenschaft Markant sowie dereren Warenkreditversicherer Euler Hermes. Beide werden in der Sitzung des Gläubigerausschusses am Freitag von Geiwitz wissen wollen, ob es ein Konzept für die Fortführung von Schlecker gibt, und wie es um die Liquidität des Unternehmens bestellt ist.

Für Euler Hermes geht es um Hunderte von Millionen Euro Ausfall, für die die Assekuranz einspringen müsste, falls Schlecker keine Waren mehr bezahlen kann, die die Kette bei Markant bestellt hat.

Der Ausschuss ist maßgeblich

Mit im Gläubigerausschuss sitzen unter anderem Vertreter von der Gewerkschaft Verdi und dem Gesamtbetriebsrat. Die Rothschild-Bank, die Geiwitz bei der Investorensuche unterstützt, hat dabei Beobachterstatus.

Zwar folgt der Ausschusssitzung die Gläubigerversammlung am 5. Juni, zu der theoretisch auch alle Beschäftigten kommen können um von Geiwitz Informationen einzufordern, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Doch wenn bereits der kleine Hauptgläubigerkreis am Freitag nicht vom Insolvenzverwalter zu überzeugen ist, dann hat dieses Votum im Prinzip Bedeutung.

Ein mit der Investorensuche Vertrauter sagte zu derhandel.de, dass am Freitag eine "Weichenstellung" erfolge. Spekulationen, dass eine sofortige Zerschlagung des Unternehmens bevorstehe, wollte er aber nicht teilen.

"Lieber ein Ende mit Schrecken"

Unter den Schlecker-Beschäftigten regiert derweil große Niedergeschlagenheit angesichts der unsicheren Zukunft des Unternehmens. "Viele sagen sich: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende", formuliert es Achim Neumann zu derhandel.de.Der Gewerkschafter ist als Verdi-Sekretär zuständig für Schlecker.

Die Arbeitnehmervertreter und die Mitarbeiter müssten dann durch ein neues "Tal der Tränen" wandern, sollten sich die Befürchtungen der Zerschlagung der Kette verbunden mit abermaligen Filialschließungen und Massenentlassungen bestätigen.

Im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette mit Sitz in Ehingen in Baden-Württemberg war bereits Ende März bundesweit rund 10.000 Beschäftigten gekündigt worden. Bisher reichten knapp 4.000 ehemalige Schlecker-Beschäftigte Klage gegen ihre Kündigung ein. Ursprünglich wollte der Insolvenzverwalter bis Pfingsten einen neuen Investor präsentieren. Er hat nur noch drei Tage Zeit.