Eine Pressekonferenz in Frankfurt am Main, in der Firmengründer Anton Schlecker endgültig entzaubert wurde.

Als alles gesagt war, wurde Arndt Geiwitz im kleinen Kreis noch eine letzte Frage gestellt: ob Anton Schlecker beim Neuaufbau seines Unternehmens noch gebraucht werde. Geiwitz benötigte nur ein Wort und ein mokantes Lächeln: "Nein."

Dieses Nein war wie ein verspätetes Ausrufezeichen hinter der 32 Minuten langen Rede, die er zu Beginn dieser denkwürdigen Pressekonferenz am letzten Februartag in einem schmucklosen vollbesetzten Raum eines Frankfurter Hotels gegeben hatte. Es gab keine Schnittchen, sondern unangenehme Fakten: Der Insolvenzverwalter von Schlecker musste verkünden, dass das Filialnetz der Drogeriekette halbiert wird und gut 12.000 Menschen ihr Arbeitsplätze verlieren.

Doch Geiwitz hat der Öffentlichkeit auch gesagt, wer daran Schuld ist: Anton Schlecker. Dass ein Insolvenzverwalter den Chef eines großen Unternehmens in aller Öffentlichkeit derartig als Versager geißelt, hat es selten gegeben.

Patriarchische Führung, unternehmerische Fehler, falsche Mitarbeiterbehandlung - Geiwitz' Analyse in großer Runde hatte den Charakter eines Richterspruchs. Doch was erbarmungslos klang, war letztlich die einzige Chance des Insolvenzverwalters: Wenn er mit Schlecker glaubhaft einen Neuanfang schaffen wollte, dann musste er zu allem Alten deutlich auf Distanz gehen.

Schließlich hatte die Familie Schlecker dem Unternehmen Schlecker lange genug geschadet. Dass der Schaden zu groß sein sollte, konnte Geiwitz an diesem Februartag noch nicht wissen. Aber wenigstens war der Schuldige benannt - zum ersten Mal.

Steffen Gerth

Weitere Schlecker-Erinnerungen:

"Da ist was für dich drin": Eine nahezu konspirative Sitzung von Schlecker-Betriebsrätinnen zeigt den ganze Mut der Schleckerfrauen.

Danke für das Gespräch: Ein Interview, das nie gedruckt werden durfte - und die starre interne Hierarchie bei Schlecker deutlich machte.