Eine nahezu konspirative Sitzung von Schlecker-Betriebsrätinnen zeigt den ganze Mut der Schleckerfrauen.

Eine offizielle Einladung gab es nicht, nur mit viel Mühe konnte der zuständige Gewerkschaftssekretär davon überzeugt werden, einen Pressevertreter beim Treffen der Schlecker-Betriebsräte Anfang der 2000er Jahre zuzulassen. Alles, was man darüber schreiben würde, müsste abgestimmt sein, forderte er. Am besten aber schrieb man gar nichts.

In Nürnberg trafen sich dann die Schleckerfrauen im Saal einer kirchlichen Organisation. Unter ihnen waren Betriebsrätinnen und auch welche, die es werden wollten. Sie hatten dafür eigens einen Tag Urlaub genommen und hörten die Vorträge von Verdi gespannt zu, manche strickten dabei.

Später schilderten sie ihre eigenen Erlebnisse im Unternehmen: Wie sie oft allein im Laden standen, wie sie nicht einmal über ein Telefon im Laden verfügten, wie sie keine Zeit für eine Pinkelpause hatten, wie ihre Betriebsratsarbeit verhindert wurde. Es war kein Gejammer, sondern vielmehr nüchterne Feststellung: Das wollten sie ändern.

Zur Erinnerung hatte Verdi für die Teilnehmer eine Tasse drucken lassen, mit dem Wort "Lecker" im Still des Schlecker-Logos und dem Motto: "Hier ist was drin für dich". So sah Mobilisierung bei der Gewerkschaft damals aus.

Geblieben sind zum einem die Tasse, nun etwas ausgeblichen, die ich immer noch im Schrank habe. Und der Respekt vor einfachen und mutigen Frauen, die bereit waren, für ihre Rechte zu kämpfen.

Marcelo Crescenti

Weitere Schlecker-Erinnerungen:

Danke für das Gespräch: Ein Interview, das nie gedruckt werden durfte - und die starre interne Hierarchie bei Schlecker deutlich machte.

Bruch mit dem Patriarchen: Eine Pressekonferenz, in der Firmengründer Anton Schlecker endgültig entzaubert wurde.