Ein Interview, das nie gedruckt werden durfte - und das die starke interne Hierarchie bei Schlecker deutlich machte.

Volker Schurr ist 2011 in aufgeräumter Stimmung an diesem leuchtenden Sommertag in Hamburg. Der Schlecker-Marketingleiter begutachtet zufrieden die Dreharbeiten der neuen Werbespots für die Drogeriekette in einer Villa im Stadtteil Rothenbaum.

Die Filmchen sollen die neue Botschaft von Schlecker vermitteln - wir sind die Freunde der Kunden. Auch Schurr versteht sich als Botschafter des Unternehmens, das sich vorgenommen hat, alles zu tun, um sein schlechtes Image abzulegen. Der neue Marketingchef meint das ernst. Er ist ein freundlicher Mann, der sich um ehrliche Antworten bemüht, wenn über Versäumnisse von Schlecker die Rede ist, unter anderem bei der Mitarbeiterbehandlung.

Schurr begreift seine Arbeit als Marketingchef nicht nur als Überwacher von Werbespots sondern versteht sich als Führungskraft und als Repräsentant der versprochenen neuen Unternehmenskultur. Er gibt Der Handel ein langes Interview - das nie gedruckt wird. Weil er Fragen beantwortete, die er nicht beantworten durfte.

"Wir wollen weg von dem verstaubten Image, stattdessen moderner und wettbewerbsfähiger werden. Mein Job ist dabei, mehr Professionalität ins Marketing zu bringen", sagte er beispielsweise. Doch grundsätzliche Äußerungen zu Schlecker stünden nur der Unternehmensleitung zu, also der Familie Schlecker, teilt deren PR-Agentur mit - und bietet zum Ausgleich drei überarbeitete, weichgespülte Antworten von Schurr an.

Was er wirklich gesagt hat, ist darin kaum noch zu erkennen. Zudem ist die Agentur so freundlich und formuliert gleich noch eine Frage mit um, damit diese auch harmloser klingt. Trotzdem: Danke für das Gespräch, Herr Schurr.

Steffen Gerth

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